Neulich in der leeren Drogerie
von Gregor Schürer
Neulich habe ich die Filiale einer bekannten Drogeriekette besucht, ganz in meiner Nähe. Ich hatte vorher schon im Internet gelesen, dass sie demnächst schließt. Also schnell noch einmal hin, um die letzten Einkäufe zu erledigen, bevor sie dicht macht. An der Eingangstür hängt ein handgeschriebenes DIN A4-Blatt mit dem Text „Ja, wir schließen zum Monatsende“. Scheinbar fragen viele Kunden danach.
Beim Betreten des Ladens werden meine schlimmsten Befürchtungen erfüllt: Ich stehe vor weitgehend leeren Regalen. Es sieht aus – die Älteren unter uns erinnern sich – wie in den Geschäften der DDR. Kommunistische Mangelwirtschaft, hat man schon fast vergessen. Oder, um zeitlich nicht so weit zurück zu gehen, wie in Corona-Zeiten beim Toilettenpapier.
Ich schiebe meinen Einkaufswagen durch die ziemlich verwaisten Gänge, viele der Artikel, die ich auf meiner Liste habe, sind nicht mehr vorhanden.
An der Kasse frage ich die Mitarbeiterin, warum der Betreiber denn zumache. „Verschiedene Gründe“, antwortet sie - unter anderem sei der Mietvertrag ausgelaufen und die Verkaufsfläche sei einfach zu gering.
Ich rätsele über Zweierlei:
Zum einen ob und warum dem Vermieter nicht daran gelegen war, einen solventen Mieter wie diesen zu halten.
Zum anderen, warum man nie die Kunden fragt, ob ihnen ein Markt dieser Größe nicht auch genügen würde. Mir sind zwanzig verschiedene Deos mehr als genug, es müssen nicht vierzig sein. Ich jedenfalls kaufe lieber in einem etwas kleinerem Geschäft mit übersichtlichem Sortiment, wo ich mich auskenne. Statt zu einer weiter entfernt liegenden Filiale zu fahren, die so groß ist, dass ich mich in den Gängen verliere und ewig suchen muss, bis ich meine Produkte gefunden habe.
