Allgemeine Berichte | 22.06.2023

Dokumentation über verfolgte Geistliche in der Zeit des Nationalsozialismus

„Nicht in Gottes Namen“

Jörg Lempertz, Bürgermeister VG Mendig, berichtete an der nach Pfarrer Bechtel benannten Grundschule über die Bedeutung des Pfarrers und des Kaplans Schlicker.  Foto: VG-Verwaltung Mendig/Pauly

Mendig. Zurzeit dreht der Bitburger Filmemacher Adolf Winkler eine Dokumentation über Geistliche, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Dazu zählen auch der Pfarrer Joseph Bechtel und der Kaplan Peter Schlicker, die beide in Mendig wirkten, von den Nazis verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert wurden. Beide starben an den Folgen der Lagerhaft. Ein Teil der Dokumentation wurde jetzt an der Grundschule Pfarrer Bechtel in Mendig gedreht. Hier berichtete der Bürgermeister der VG Mendig, Jörg Lempertz, über die Bedeutung der beiden Geistlichen und wie man ihnen heute noch gedenkt. Der Film soll Ende des Jahres fertig gestellt werden und dann unter anderem in Schulen und Bildungseinrichtungen gezeigt werden.

Die Geschichte von: Pfarrer Bechtel und Kaplan Schlicker:

Joseph Bechtel (* 1879; † 1942 im KZ Dachau): Am 20. September 1929 übernahm er die Pfarrstelle St. Cyriakus in Niedermendig. Er war Mitglied der Zentrumspartei und ist in den Fokus der Gestapo gerückt. Am 31. August 1937 wurde ihm seine Zulassung für den Religionsunterricht entzogen und Teile der Pfarrbücherei beschlagnahmt. Pfarrer Bechtel setzte sich zudem für den jüdischen Viehhändler Moses Eggener und den Chefarzt des katholischen Krankenhauses Dr. Paul Olbertz ein, den die Nationalsozialisten wegen dessen jüdischer Ehefrau zu verdrängen versuchten. Am 10. Oktober 1940 wurde Bechtel gemeinsam mit seinem Kaplan Peter Schlicker Bechtel (* 1909; † 1945) von der Witwe eines Kriegsinvaliden wegen „Beeinflussung eines Sterbenden“ angezeigt. Sie stellte die von ihrem verstorbenen Mann gewünschte und genehmigte Wiederaufnahme in die katholische Kirche infrage. Er war durch die Eheschließung mit seiner evangelischen Gattin vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen, wünschte sich jedoch eine katholische Beerdigung und die Erteilung der Sterbesakramente. Er bereute gegenüber Kaplan Schlicker diese Verbindung, worauf ihn dieser am 10. April 1940 mit bischöflicher Erlaubnis bestattete. Pfarrer Joseph Bechtel unterstützte ausdrücklich das Vorgehen seines Kaplans, da beide übereinstimmend Vertreter des damaligen strengen katholischen Kirchenrechts waren, im Gegensatz zu ihrer „persönlichen Opferbereitschaft und mildtätigen Großherzigkeit“, wegen der sie von Mendiger Zeitzeugen übereinstimmend gerühmt wurden.

Josef Bechtel und Peter Schlicker wurden im November 1940 von der Gestapo zunächst verhört und am 9. Januar 1941 nach Koblenz in Schutzhaft gebracht. Am 7. Februar wurde Bechtel mit der Häftlingsnummer 23648, zusammen mit seinem Kaplan in das KZ nach Dachau deportiert. Geschwächt durch Hunger, Herzschwäche und die Haftbedingungen im KZ starb Bechtel am 12. August 1942, offiziell an einer Rippenfellentzündung. Peter Schlicker erkrankte 1943 im KZ Dachau schwer an Flecktyphus. Außerdem litt er an ausgeprägten beidseitigen Mittelohrentzündungen. Am Gründonnerstag, 29. März 1945, wurde Schlicker zusammen mit 162 anderen katholischen Priestern entlassen. Eine Heimkehr in die Pfarrei Niedermendig war ihm verwehrt. Der Ort war zu dieser Zeit bereits von der US-Armee besetzt. Am 8. April erreichte er, bereits erkrankt, die Pfarrei Schellenberg bei Berchtesgaden. Die Flecktyphuserkrankung, die er sich in Dachau zugezogen hatte, brach erneut aus. Er starb am 19. April 1945 in Salzburg.

Pressemitteilung

Verbandsgemeinde Mendig

Jörg Lempertz, Bürgermeister VG Mendig, berichtete an der nach Pfarrer Bechtel benannten Grundschule über die Bedeutung des Pfarrers und des Kaplans Schlicker. Foto: VG-Verwaltung Mendig/Pauly

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