Allgemeine Berichte | 15.08.2018

Brückenneubau Pecher Hauptstraße wird verzögert fertig

„Noch etwas Geduld, fast geschafft“

Die Fertigstellung wird Ende Oktober/Anfang November erfolgen – Gemeinde erklärt den Verlauf der Bauarbeiten

Die alte Brücke war nur ein kleines, gemauertes Gewölbe.

Wachtberg-Pech. Eine gute und eine schlechte Nachricht. Letztere zuerst. Die Fertigstellung des Brückenneubaus auf der „Pecher Hauptstraße“ verzögert sich bis Ende Oktober/Anfang November. Die gute Nachricht… mit dem Neubau der ebenfalls vom verheerenden Starkregen 2016 in Pech zerstörten Brücke „Grüner Weg“ wird erst begonnen, wenn die Bauarbeiten auf der Hauptstraße abgeschlossen sind. Es wird also keine parallelen Sperrungen und damit einhergehende doppelte Verkehrsbeeinträchtigungen geben.

Wieso dauert es so lange, eine Brücke, die bis zum Unwetter von den meisten darüber Fahrenden kaum als solche wahrgenommen wurde, neu zu bauen? Das werden sich viele gefragt haben und auch jetzt wieder fragen. „Dieses Bauwerk ist eine Herausforderung“, so Diplom-Ingenieur Thomas Becker, Inhaber des planenden Ingenieurbüros der Becker Ingenieure GmbH aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es sei kein einfacher Ersatzneubau, erläutert Becker weiter, sondern eine in vielen Teilen optimierte und abgewogene Neukonstruktion. Ein Blick auf vorher und nachher verdeutlicht die Herausforderungen, die es zu meistern galt, sowie die Komplexität dieser Baumaßahme.

Die Form: Früher enger Winkel – jetzt strömungsoptimiert

Vor dem Unglück verlief der Godesberger Bach links vor und rechts hinter dem Bauwerk, genau im Brückenbereich wechselte er in einem 90-Grad-Knick die Straßenseite. Durch diesen rechten Winkel bildete sich bei dem Starkregen 2016 ein erheblicher hydraulischer Widerstand. Das zeigten direkt nach dem extremen Abflussereignis auch fast drei Meter tiefe Unterspülungen. Die ursprüngliche „Brücke“, ein erdüberschüttetes gemauertes Gewölbe, hatte derart massive Wassermassen nicht aufnehmen und den sich entwickelnden Kräften nicht standhalten können. Nicht Wiederaufbau nach altem Muster war demnach geboten, sondern eine Form zu finden, die kostenoptimiert und angesichts zunehmender Starkregenereignisse vorsorgend ausreichend dimensioniert sein musste. Die ursprüngliche Achse wurde für das neu zu erstellende Bauwerk mittels mehrerer am Computer simulierter Modellversuche schließlich um 54 Grad gedreht und der Abfluss damit strömungstechnisch optimiert. Bei der Formfindung mit eingebunden war das Büro Hydrotec aus Aachen, die Untere Wasserbehörde des Rhein-Sieg-Kreises gab schließlich grünes Licht für das Projekt. Das nun konzipierte Bauwerk ist hydraulisch um ein Vielfaches leistungsfähiger und der Engpass beseitigt.

Die Bauweise: Früher gemauert – jetzt Stahlbeton

Der alte Bachdurchfluss bestand aus Ziegeln, die im Gewölbe vermauert waren. Das genaue Alter ist nicht bekannt, vermutlich aus den 1950er Jahren. Das neue Bauwerk ist nach den anerkannten Regeln der Technik in Stahlbetonbauweise nach dem Eurocode 2 und der ZTV-Ing, einer im Brückenbau üblichen Zusatzvorschrift des Bundesministeriums für Verkehr, konstruiert. Nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Vier- Augen-Prinzip hat ein Prüfingenieur für Massivbau die Statik der Becker Ingenieure GmbH überprüft. Die Ausführung hat die Firma Rick aus Burgbrohl inne.

Nach Fertigstellung wird das Bauwerk alle drei beziehungsweise alle sechs Jahre einfachen beziehungsweise handnahen Hauptprüfungen nach DIN 1076 unterzogen.

Was auch noch alles dazu gehört

Soweit die technische Planung der neuen Brücke. Bereits im Vorfeld der Realisierung galt es weitere Aspekte und diverse von der Maßnahme betroffene Personen und Unternehmen mit einzubinden.

Kreuzende Leitungen

Bei einem Brückenneubau versucht man zu vermeiden, dass Versorgungsleitungen, wie früher teils üblich, mit dem Bauwerk über den Bach geführt werden. So verliefen bis zum Unwetter die Abwasserleitungen im Bereich der Unglücksstelle im freien Gefälle im erdüberschütteten Areal, was nach dem Brückenneubau konstruktionsbedingt nicht mehr möglich sein würde. Somit mussten auch die Abwasserleitungen neu verlegt werden. Zudem musste, mangels Gefälle, ein Mischwasserpumpwerk errichtet werden, um das Abwasser des westlichen Teils der Pecher Hauptstraße abtransportieren zu können. Die Planung hierfür erfolgte durch ein von den Gemeindewerken Wachtberg beauftragtes spezialisiertes Ingenieurbüro. Auch die Frischwasserleitungen, vormals ebenfalls im erdüberschütteten Bereich, mussten eine neue Führung erhalten. Mittels Spülbohrung wurden sie, wie Gas-, Strom- und Telekommunikationsleitungen auch, unter dem Baufeld hindurch neu verlegt.

Angrenzende Bauten

Die neue Brücke wird im Gegensatz zur alten deutlich als solche zu erkennen sein. Nicht nur infolge des vergrößerten Abflussquerschnitts, sondern auch durch die hydraulisch notwendige Drehung der neuen Bauwerksachse ist das gesamte Baufeld wesentlich größer geworden. Dies machte nicht zuletzt auch aufgrund der teils nahen Wohnbebauungen zusätzliche bauliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Zum Bau des eigentlichen Brückenbauwerks hinzukommen notwendige, teils ausgerundete Stützwände in den Ein- und Auslaufbereichen sowie angrenzende Schwergewichtsmauern aus Wasserbausteinen. Auch die Erneuerung der unterstromseitigen Stützwand war unumgänglich.

Bachverlegung

Soweit war alles geplant und vorbereitet. Aber wohin mit dem Bach während der Baumaßnahme? Die Wasserhaltung, also das Trockenhalten des Baufeldes während des Baus, so Diplom-Ingenieur Thomas Becker, sei aufgrund der beengten Lage durch den Hang mit Straße im Oberlauf und die angrenzende Bebauung im Unterlauf eine besondere Schwierigkeit gewesen. Zum einen sollte ein erneuter Starkregen abgeführt werden können, zum anderen durfte der Bauprozess durch eine Rohrführung nicht verkompliziert werden. Die Firma Rick optimierte hier das ausgeschriebene Verfahren und realisierte eine Zwei-Rohr-Lösung. Dabei wurden im Vorfeld zwei Rohre, dank der Unterstützung einzelner Anwohner teilweise über deren Grundstücke, um das gesamte Baufeld herum geführt.

Die letzten Arbeiten

Zahlreiche Vor- und Nebenarbeiten, die Bachumleitung und die Einrichtung einer Querungsmöglichkeit für Fußgänger waren erforderlich. Erst dann konnte der eigentliche Brückenbau überhaupt beginnen. Vieles hat Hand in Hand gegriffen, zahlreiche Arbeitsschritte verschiedener Ausführender mussten koordiniert werden. Bei derart vielen Komponenten sind Unwägbarkeiten im Bauzeitenplan nicht immer vorhersehbar. Was steht noch an? Bis Ende August werden die letzten Wasserbausteine gesetzt. Ab September werden die alte Bachumleitung zurückgebaut und noch ausstehende Betonarbeiten für die Stützwand im Unterlauf durchgeführt. Bis Ende Oktober sollen die Straßenbauarbeiten abgeschlossen sein. Letzte Rückbau- und Aufräumarbeiten, die nach der Verkehrsfreigabe erfolgen können, werden Anfang November die Maßnahme abschließen.

Pressemitteilung der

Gemeinde Wachtberg

Die neue Brücke ist hydraulisch optimiert und dadurchum ein Vielfaches leistungsfähiger. Fotos: Becker Ingenieure GmbH

Die neue Brücke ist hydraulisch optimiert und dadurch um ein Vielfaches leistungsfähiger. Fotos: Becker Ingenieure GmbH

Um die Baustelle trocken zu halten, wurde der Godesberger Bachweiträumig durch Röhren (rechts im Bild) ums Baufeld herumgeleitet.

Um die Baustelle trocken zu halten, wurde der Godesberger Bach weiträumig durch Röhren (rechts im Bild) ums Baufeld herumgeleitet.

Die alte Brücke war nur ein kleines, gemauertes Gewölbe.

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