Zwei Wochen vor dem Winzerfest feierte Linz eine abgespeckte Martins-Kirmes
Nur eine Hüpfburg und eine Riesenrutsche auf kleine Kirchweih-Gäste
Linz. Mit dem Drehorgelfestival, dem Winzerfest oder mit dem närrischen Wochenende konnte die Linzer Kirmes schon in den zurückliegenden Jahren nicht konkurrieren. Anders als etwa die Asbacher Laurentius-Kirmes, die Besucher aus dem ganzen Westerwald anlockt, ist das Kirchweihfest der Bunten Stadt am Rhein im Gegensatz zu ihren zuvor genannten Veranstaltungen auf die eigenen Bürger angewiesen. So hatte man schon vor Jahren gehofft, durch eine Verlegung der Fahrgeschäfte vom Parkdeck auf den Marktplatz den Linzer „ihre“ Kirmes schmackhafter machen zu können. Einen letzten Versuch startete der Stadtrat dann nach dem Jubiläum „800 Jahre Kirchweih Sankt Martin“ in 2014 im Vorjahr mit der nostalgischen Kirmes anlässlich der Errichtung der Burg Linz durch den Landesherr, den Kölner Erzbischof Engelbert von der Mark, ab 1365. „Nach dem Kirmes-Neuanfang im Vorjahr haben wir im Stadtrat lange darüber nachgedacht, ob wir noch einmal in die Linzer Kirmes investieren sollen. Da ein solches Kirchweihfest nicht von oben übergestülpt oder verordnet werden kann, sondern von der Gesellschaft, also Einrichtungen aus der Bürgerschaft gelebt werden muss, haben wir die Entscheidung davon abhängig gemacht, in wie weit sich die Linzer Vereine und Institutionen in das Fest einbinden lassen“, hatte Stadtbürgermeister Hans Georg Faust damals erklärt. Aber obwohl der Plan, unter dem Motto „650 Jahre Burg Linz“ Kirmes zu feiern, begeistert aufgenommen worden war, hatten weder ein Holzriesenrad aus dem Jahr 1902, noch die etwa ebenso alte Straubinger Berg- und Talbahn mit ihrer rasanten „Fahrt ins Paradies“ trotz der subventionierten Fahrpreise keine Besuchermassen angezogen.
Entsprechend „spartanisch“ das Angebot der diesjährigen Martinus-Kirmes. Lediglich eine Hüpfburg und eine Riesenrutsche warteten vor dem Rathaus auf junge Kirmesbesucher. Zu sehen waren die aber am Samstag lange nicht, obwohl die Tourist-Information der Stadt geworben hatte:
„Rund um das Festzelt geht das Familienfest auf dem Marktplatz um 14 Uhr los. Bei kühlen Getränken, Köstlichkeiten vom Grill sowie herzhaftem Flammkuchen lädt der Marktplatz zum Verweilen ein.“ Angesprochen fühlte sich davon jedoch kaum jemand, sieht man von der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft einmal ab, die am Kirmessamstag traditionell ihren Königsball feierte.
„Das sich bei diesem herrlichen Sommerwetter außer uns zu dieser Zeit kaum jemand auf dem Festplatz sehen lässt, ist nun wirklich nicht verwunderlich. Bei diesen fast schon tropischen Temperaturen findet die Kirmes verständlicherweise gerade im Freibad statt“, zeigte Brudermeister Uwe Prassel am Nachmittag durchaus Verständnis für die geringe Resonanz. Entsprechend fiel es auch kaum jemand auf, dass er zusammen mit dem Schützenkönigspaar der Bruderschaft, seinem Sohn Markus und Daniela Schützeichel, eine kleine Delegation zur diesjährigen „Hofburg“ der Schützengesellschaft „Linzer Jünglinge“ in die Gymnasialstraße hinabführte. Dort wohnt Holger Spiller, dem Anfang Juni nach 2011 zum zweiten Mal der Goldene Schuss gelungen war.
Kaum war der kleine Schützenzug wieder auf dem Marktplatz angekommen, da trafen auch schon Delegationen befreundeter Schützenvereine ein, wie die Sebastianer aus Leubsdorf um das Königspaar Frank und Ulrike Heidgen, die Bruderschaft aus Rothe Kreuz mit ihrem Königspaar, Robert und Heike Frings, sowie die Bad Hönninger Sebastianer aus Bad Hönningen mit ihrem Königspaar, Karina und Uwe Walkenbach. Begrüßen konnte Uwe Prassel auch Stadtbürgermeister Hans Georg Faust, den Beigeordneten Karl Heinz Wölbert sowie die Ratsmitglieder Ellen Demuth, Bruno Hoppen, Gesine Stuip, Dieter Lehmann und Heiko Martin. . Mit dem Marsch „Preußens Gloria“, den Johann Gottfried Piefke vom Leib-Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhlem III.“ 1871 nach dem Sieg Preußens über Frankreich komponiert hatte, führte das Linzer Fanfarencorps unter Leitung von Michael Weinberg den Königszug an, in den sich auch die Mandatsträger um Karl-Heinz Wölbert einreihten. Dieser vertrat den Stadtchef, der sich erst kürzlich beim Weitsprung für das Sportabzeichen einen schmerzhaften Muskelfaserriss zugezogen hatte.
Von der Tour über den Buttermarkt zum Neutor und von dort hinab bis zum Burgplatz wieder am Festzelt angekommen, hatten sich die Zugteilnehmer eine Erfrischung redlich verdient. Während ihrer Abwesenheit hatte die Band „Uhles Underground“ alles für ihren Auftritt ab 20 Uhr vorbereitet. Vor zehn Jahren hatten die Stadtsoldaten Jan-Erik Burkard, Michael Degen, Jürgen Ziegler und Thomas Reuter die Band anlässlich des 50. Geburtstag ihres damaligen Kommandant „Siech“ Siggi Bündgen, die Band ins Leben gerufen, zu der inzwischen noch Mick Paul, Trompeter Markus Unkel und Saxofonist Hans-Peter Tamm sowie Steffi Reuter gehören. Bevor die Musiker die inzwischen doch zahlreicheren Kirmesbesucher in den „Underground“ entführten, eröffneten Martin Prassel und Daniela Schützeichel mit dem obligatorischen Königswalzer die Ballnacht. In deren Verlauf verlieh Uwe Prassel den von Hans Georg Faust im Vorjahr für den besten Rats-Schützen gestifteten Pokal. Dieser ging dieses Jahr an seinen Stellvertreter Karl Heinz Wölbert, der Heiko Martin auf den zweiten Platz verweisen hatte. Den aus dem Publikum kommenden Hinweis, das die beiden Polizisten den Zivilisten natürlich überlegen seien, wenn auch nur im Schießen, wies der treffsichere Sozialdemokrat, der als Scharfschütze des Stadtrats seine Parteifreunde Gesine Stuip abgelöst hatte, energisch zurück: „Erstens sind wir beide Kriminalbeamte und zweitens schießen wir, wenn es wirklich unbedingt nötig sein sollte, mit Pistolen. Das sind Waffen im Gegensatz zu den Sportgeräten der Schützenbrüderschaft, hob er hervor. DL
