Allgemeine Berichte | 27.04.2017

Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen

„Nur wer engagiert ist, hat Erfolg“

Agentur für Arbeit zu den Herausforderungen am Ausbildungsmarkt

Die heiße Phase ist im vollen Gange: Wer noch eine Lehrstelle sucht, sollte sich bewerben. Randolf Berold

Kreis Mayen. Wie gut ein Ausbildungsjahr ist, ob das Angebot von und die Nachfrage nach Lehrstellen ausgewogen war, lässt sich aus Sicht der Arbeitsagentur erst sagen, wenn bereits alles gelaufen ist: Ende September steht fest, wie viele Jugendliche sich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz an die Berufsberatung gewandt haben und wie viele Stellen von den Betrieben gemeldet wurden. Erst dann weiß man auch, wie viele Jugendliche vergeblich auf einen Berufseinstieg hofften und viel viele Unternehmen leer ausgingen. Doch ab dem Frühjahr wagt die Agentur für Arbeit aufgrund der bis dahin vorliegenden Zahlen meist eine erste Prognose. Und die zeigt: Der Ausbildungsmarkt verändert sich zugunsten der Jugendlichen.

Stellenangebote nehmen zu

2.697 Jugendliche, die eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz suchen, haben seit Oktober bei den Berufsberatern der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen um Rat gefragt; aus den Betrieben der Region wurden im gleichen Zeitraum 3.560 Stellen gemeldet. Damit lässt sich ein Trend erkennen: Während die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber zurückgeht, nimmt die der Stellenangebote zu. Denn vor einem Jahr zählten die Statistiker noch 205 junge Leute mehr, aber 108 Stellen weniger. Zwar lasse sich zu einem so frühen Zeitpunkt kein wirkliches Urteil fällen, erklärt Agenturleiterin Ulrike Mohrs. „Aber die nun sichtbare Tendenz bestätigt sehr deutlich den Trend, den wir ohnehin seit einigen Jahren feststellen: Es wird immer schwieriger, alle gemeldeten Ausbildungsplätze besetzen zu können. Und immer mehr Betriebe gehen am Ende tatsächlich leer aus.“

Fachkräftebedarf steigt an

Für diese Entwicklung gebe es mehrere Ursachen, betont die Expertin – an manchen Stellschrauben lasse sich drehen, an anderen nicht. „Dass immer weniger junge Leute die Schulen verlassen, lässt sich genauso wenig ändern wie die Tatsache, dass die geburtenstarken 1950er und 60er Jahrgänge sich sukzessiv in den Ruhestand verabschieden und den Bedarf an Fachkräftenachwuchs kräftig ansteigen lassen. Es gibt aber durchaus auch Faktoren, die sich beeinflussen las-sen.“ Dazu gehört für Ulrike Mohrs, dass vorhandene Potenziale konsequent genutzt werden – auch wenn das bedeutet, dass Anstrengungen unternommen und Kompromisse geschlossen werden müssen. „Es gibt noch immer viele Jugendliche, die den Sprung auf den Arbeitsmarkt nicht oder nur mit sehr viel Anlauf schaffen, weil sie nicht unbedingt die Voraussetzungen mitbringen, die Arbeitgeber sich wünschen. Daran müssen wir - in aller Interesse - arbeiten.“

Bundesagentur bietet Fördermöglichkeiten

Die Arbeitsagentur leistet ihren Beitrag durch passgenaue Fördermöglichkeiten. Eine sehr weitgehende Unterstützung ist etwa die Assistierte Ausbildung, die junge Menschen falls nötig während der gesamten Lehrzeit in allen relevanten Lebensfeldern begleitet. Doch das allein reicht nicht, macht die Agenturleiterin klar. „Den regionalen Arbeitsmarkt in eine gute Zukunft zu führen, ist eine Aufgabe, an der viele gemeinsam arbeiten müssen.“ Von manchen Arbeitgebern wünsche sie sich zum Beispiel mehr Flexibilität. „Wer keinen Auszubildenden findet, der alle Ansprüche erfüllt, muss unter Umständen seine Ansprüche korrigieren, wenn er nicht leer ausgehen will. Denn wer darauf hofft, dass es im nächsten Jahr einfacher wird, könnte enttäuscht werden.“ Ohnehin werde es für Unternehmen zunehmend darum gehen, von vorhandenen und potenziellen Mitarbeitern als attraktiver, verantwortungsbewusster Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, der auch zu Zugeständnissen bereit ist. „Im Wettbewerb um die besten Köpfe geht es längst nicht mehr allein um die Bezahlung. Fachkräfte sind begehrt und entscheiden sich in der Regel für den Betrieb, der ihnen eine gute Kombination von beruflichen und persönlichen Interessen erlaubt.“

Schulabgänger stehen in der Pflicht

Obwohl ihre Ausgangslage so günstig ist wie seit Jahrzehnten nicht, will Ulrike Mohrs aber auch die jungen Schulabgänger nicht völlig aus der Pflicht entlassen. „Es wäre ein großer Fehler zu glauben, dass angesichts vieler offener Stellen jeder eine Chance bekommt.“ Entscheidend sei nach wie vor das eigene Engagement. „Arbeitgeber müssen sich auf ihre Mitarbeiter verlassen können, davon hängt letztlich ihre Zukunft ab. Deshalb sind sie womöglich bereit, sich auf einen Bewerber mit mittelmäßigen Noten einzulassen. Aber wer schlecht vorbereitet, zu spät oder ohne große Begeisterung für die angebotene Stelle zum Bewerbungsgespräch erscheint, kommt ganz sicher nicht zum Zug.“

Gute Vorbereitung ist wichtig

Ein weiteres Problem aufseiten vieler Jugendlicher sieht Mohrs darin, dass sie sich viel zu spät darum kümmern, wie es nach der Schule weitergehen soll. „Die Wahl des Berufes ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben eines Menschen. Entsprechend sorgfältig sollte die Vorbereitung ausfallen. Denn kaum etwas ist frustrierender als irgendwann festzustellen, dass der Beruf, für den man sich entschieden hat, überhaupt nicht zu den eigenen Interessen passt.“ Da es gerade für junge Leute gar nicht einfach sei, die eigenen Talente und die dazu passenden Berufswege zu kennen, empfiehlt die Agenturleiterin dringend zum Besuch der Berufsberatung. „Manchmal finden junge Leute dort vielleicht nur die Bestätigung, dass sie mit ihren Überlegungen auf dem richtigen Weg sind. Aber auch das ist ja eine wichtige Botschaft.“ Zu verlieren habe man jedenfalls nichts, betont Mohrs. Schließlich sei das Angebot der Berufsberatung sogar kostenlos.

Interessierte können Kontakt über die kostenlosen Telefon-Servicenummern (08 00) 45 55 50 0 (Berufsberatung) oder (08 00) 45 55 52 0 (Arbeitgeberservice) aufnehmen.

Die heiße Phase ist im vollen Gange: Wer noch eine Lehrstelle sucht, sollte sich bewerben. Foto: Randolf Berold

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