Europäischer Inklusionstag in Montabaur
Ob bunt oder schwarz-weiß: Bei Inklusion profitieren alle
Zahlreiche Initiativen und Einrichtungen präsentierten ihr Angebot – Theaterstücke und Mitmach-Aktionen begeistern
Montabaur. Am ersten Mai-Wochenende stand Montabaur ganz im Zeichen der Inklusion, und den Einrichtungen, Organisationen und Vereinen, die in diesem Bereich tätig sind. Offiziell nannte sich die Veranstaltung „Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“, das dazugehörende Motto lautete „#MissionInklusion – Die Zukunft beginnt mit dir“. Um den Stimmen der Menschen mit Beeinträchtigung Gehör zu verschaffen, hatten die „Arbeitsgemeinschaft Eingliederungshilfe“ und das Netzwerk „Inklusion im Westerwald“ in die Stadthalle nach Montabaur eingeladen.
Ursprünglich sollte die Veranstaltung in der Fußgängerzone stattfinden, doch ein unerwarteter Wintereinbruch zwang zum Ausweichen in die Stadthalle. So hatte man ein festes Dach über dem Kopf und konnte sich im Trockenen über die Inklusion im Allgemeinen, und über die Inklusion im Westerwald im Speziellen informieren. Es ist wirklich für einen Außenstehenden kaum zu glauben, wie viele Menschen sich ehrenamtlich für Menschen mit Beeinträchtigungen einsetzen, dabei in vielen Vereinen und Institutionen organisiert sind.
Der Westerwald kann stolzauf seine „Ehrenämtler“ sein
Alle sozialen Einrichtungen, die in Montabaur über ihre Arbeit informieren wollten, sollen – der Ehre halber – hier erwähnt werden: Die Berggarten-Schule aus Siershahn, der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz, der Verein „Gemeinsam ist es möglich“, die Gesellschaft für Behindertenarbeit, die Katharina-Kasper-Stiftung, die Stiftung Scheuern, die Lebenshilfe Westerwald, die Rewa Alltagsbegleitung, der Caritas-Verband Westerwald- Rhein-Lahn, das Diakonische Werk im Westerwaldkreis, die Case-Projekt GmbH, das Demenz-Netzwerk Montabaur-Wirges-Wallmerod, die AWO-Gemeindepsychiatrie, der Verein Frauen gegen Gewalt sowie die Gruppe Frauenselbsthilfe (FSH) Montabaur-Westerwald „aktiv“.
Die beeindruckende Liste der Teilnehmer beweist die Tatsache, dass das Wort „Inklusion“ im Westerwald auf der Tagesordnung steht, immer wieder thematisiert wird, und somit nicht in Vergessenheit gerät. Der Protesttag bot allen Beteiligten die Gelegenheit, zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen und eventuell vorhandene Berührungsängste und Barrieren abzubauen. Zudem bot es sich an, bei dieser Veranstaltung auf die Wünsche, Rechte und Bedürfnisse von Menschen hinzuweisen, die von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind.
Es wäre unfair den übrigen Teilnehmern gegenüber, von der Arbeit und den Aufgaben eines bestimmten Vereines, oder einer Organisation, zu berichten – verdient hätten sie es alle. Wer sich längere Zeit in der Stadthalle aufhielt, der wurde von einer warmherzigen Atmosphäre eingefangen, die über der gesamten Veranstaltung lag. Ohne Hektik sprachen und diskutierten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung miteinander. Das Thema hatte großes öffentliches Interesse erweckt, denn unter den Besuchern befanden sich sehr viele Menschen, die – obwohl sie sich nicht in einer physischen oder psychischen Ausnahmesituation befanden – schon mit ihrer Anwesenheit ihre Solidarität ausdrückten.
AbwechslungsreichesRahmenprogramm begeisterte
Die Organisatoren boten den Besuchern ein Rahmenprogramm, welches sich sehen lassen konnte. So wurde das Theaterstück „4-Farbenland“, unterstützt von der GFB Hachenburg und der WEKISS Westerburg, pantomimisch aufgeführt.
In diesem Stück ging es darum, welche der Farben Rot, Gelb, Grün und Blau sich gegen die anderen Farben durchsetzt. Nach einigem hin und her vermischten sich alle Farben miteinander, ohne Ressentiments. Jede Farbe ließ eine oder mehrere andere Farben an sich, sodass am Ende ein total buntes, vermischtes Farbenbild entstand und alle miteinander ihren Spaß hatten. Die Message hinter diesem Stück ist ganz einfach: Wenn jeder ein Stück weit bereit ist, von seinen Positionen abzurücken, und die Meinung des anderen zu akzeptieren, dann könnten viele Vorurteile abgebaut werden und gemeinsame Ziele erreicht werden.
Die zweite Pantomime stand unter der Überschrift „Gruppenbild einer feinen Gesellschaft“. Hier versuchte eine Fotografin, dargestellt von Eveline Eiffler-Voigt von der Kleinkunstbühne „OASE“ aus Montabaur, eine noble Damen- und Herrengesellschaft, die im Stil der 20er Jahre in Schwarz und Weiß gekleidet war, zu einem Gruppenfoto zu bewegen. Dabei kam es immer wieder zu Verschiebungen, weil jeder der Herrschaften den besten Platz besetzen wollte. So dauerte es längere Zeit, bis endlich das gewünschte Foto im Kasten war. Beim Training mit der inklusiven Theatergruppe wurde Eveline Eiffler-Voigt von Rita Krock, ebenfalls Mitglied bei „OASE“, tatkräftig unterstützt. Ehrlicher, anerkennender Applaus belohnte alle Darsteller auf der Bühne der Stadthalle.
Weiterhin hatten die Besucher Gelegenheit, sich auf einem Rollstuhlparcours zu messen, es gab Fotoaktionen, Kinderschminken, Gewinnspiele und, und, und...
Die Verantwortlichen werden bei dem Resümee der Veranstaltung sicherlich ein positives Fazit ziehen; können sie doch sicher sein, dass der Protesttag sicherlich, auch aufgrund der großen Resonanz, sich nachhaltig auf die Inklusion im Westerwald auswirken wird.
Abschließend soll auf einen Termin hingewiesen werden: Am Montag, 27. Mai, um 10 Uhr, wird in der Aula der Berggarten Schule in Siershahn der Ehrenpreis des Landesverbandes Sonderpädagogik Rheinland-Pfalz vergeben. Wer daran teilnehmen möchte, bitte bis zum 13. Mai unter Tel. (0 26 23) 55 24 anmelden.
Ein Selfie gefällig?
Bunte Vielfalt bei den Besuchern.
Angeregte Gespräche beim Case-Projekt.
Die „feine Gesellschaft“ ließ sich kaum fotografieren.
Auch am Glücksrad wurde gedreht.
Auf dem Rollstuhlparcours durften alle mitfahren.
Das Team der Stiftung Scheuern informierte über seine Arbeit.
