Michael Royen zeigt in Vettelschoß Arbeiten des Künstlers Lorenzo Pompa
Objekte kommunizieren im Raum und fordern zum Dialog auf
Vettelschoß. „Erst im fertigen Werk hat Lorenzo Pompas Auseinandersetzung mit der entstehenden Arbeit Gestalt angenommen. Zugang zu der zu finden, ist für den Betrachter nicht immer leicht.
Allerdings kann das Werk nur dann in Erscheinung treten, wenn wir uns auf die Arbeit eingelassen haben.“ Mit diesen Worten begrüßte der Kölner Künstler Michael Royen am Samstagnachmittag die ersten Besucher der Ausstellung „Attribute“, die in seinem Vettelschosser Studio in der Alten Schule, Willscheider Weg, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 14 18 Uhr sowie nach persönlicher Vereinbarung, Tel. (02 21) 13 27 44, noch bis Donnerstag, 27. Juli, zu sehen ist. „Mir ist es wichtig, dem Betrachter zu verdeutlichen, dass die einzelnen Objekte untereinander kommunizieren, einen wechselseitigen Dialog eingehen“, so der 1962 in Herford geborene Künstler, der in Rom aufgewachsen ist und dort Design und Innenarchitektur studiert hat, um dann von 1997 bis 2003 die Kunstakademie Düsseldorf zu besuchen, zuletzt als Meisterschüler des Bildhauers Georg Herold. Zwar habe jedes Artefakt seiner aus scheinbar unabhängigen Einzelobjekten bestehenden Installationen für sich allein Bestand, könne aber in der jeweiligen Konstellation als „Gegen-Stand“ nur an diesem Platz sein. Von daher wird der Titel der Ausstellung – „Attribute“ – verständlich, sind diese „schmückenden Beiwörter“ doch nicht selbstständig verschiebbare Satz-Beifügungen in grammatischer Hinsicht. Anders aber als bei der Sprache, in der Attribute wegfallen können, ohne den Satzsinn wesentlich zu verändern, würde durch das Herauslösen einer Arbeit aus der Objekt-Kette einer Installation sich die „Gesellschaft“ der künstlerisch gestalten Attribute ändern, würden sich andersartige Beziehungen und Kommunikationen ergeben.
Auseinandersetzung mit dem Körper im Raum
Dass sich Lorenzo Pompa in seinen Arbeiten mit dem Körper im Raum auseinandersetzt, wird anhand seiner in Vettelschoß gezeigten Installationen überdeutlich.
In gerader Linie aneinandergereiht greifen die einzelnen Objekte von an der Wand hängenden surreal-abstrakt teppichartig bemalten Leinwänden, die in fiktive Raumgebilde zu führen scheinen, in die beiden Ausstellungsräume hinein.
Dabei erkennt man zwar im Eingangsraum deutlich pralle saure Gurken, die von weißer Keramik in einem bauchigen Einmachglas bedrängt werden. Die vertrockneten Gebilde in den gläsernen Vitrinen hätte aber wohl kein Betrachter allein aufgrund des Formulierungswunsches außerhalb von Sprache, nach Michael Royen ein Merkmal des Kunstschaffens, näher bestimmen können.
Ursprünglich saftige Schlangengurken hat Lorenzo Pompa in einen Berg von Salz gesteckt, sodass ihnen alle Flüssigkeit entzogen wurde, sie geradezu mumifiziert wurden.
Herausfordernd-bunte Gemeinschaft der Figuren
Ganz anders die Kakteen auf den beiden Bildern im großen Ausstellungsraum, die ja Wasser speichern können, um in der Wüste selbst extreme Trockenperioden unbeschadet zu überstehen. „Ende 2015 hat Lorenzo Pompa begonnen, diese Behälter vor einem goldgelben Hintergrund zu malen, wobei die Farbgestaltung diese Wüstenpflanzen plastisch erscheinen lässt“, verriet Michael Royen. In seiner herausfordernd-bunten Gemeinschaft der Kakteen-„Figurengruppen“ finden sich neben kraftvoll aufrecht stehenden Pflanzen auch abgeknickte Teile, geradezu verstümmelt wirkende Kakteenarme, deren rote Bruchstellen eher an amputierte menschliche Gliedmaßen erinnern. Überleben oder Absterben, Gewinnen oder Verlieren sind die Eckpunkte der Arbeit von Lorenzo Pompa, der dieser Diskrepanz mit Witz, aber auch mit Ernsthaftigkeit nachgeht. „Daran Anteil zu nehmen, ist für uns Betrachter ein Gewinn, allein schon weil es uns mahnt, aufgeschlossen zu sein“, so Michael Royen. DL
