„Offene Gärten der Ahr“
Kreis Ahrweiler. Das Experiment ist geglückt. Die erste Eventreihe „Offene Gärten der Ahr“ im vergangenen Jahr stieß auf ungeahnt große Resonanz, so dass es in diesem Sommer in die zweite Runde geht. 26 Veranstaltungen stehen von Juni bis September im neuen Gartenpass, darunter Extra-Touren in Deutschlands erste Trüffelplantage oder ins neue „Urwald“-Refugium.
14 private Gastgeber sorgten im Sommer 2023 dafür, dass die Premiere der Eventreihe „Offene Gärten der Ahr“ ein blühendes wie erholsames Unternehmen wurde: Erstmals nach der verheerenden Flutkatastrophe standen kleine Kulturveranstaltungen auf dem Programm, um Betroffenen und Gästen Erlebnisse zu schenken, die heilsamen Charakter hatten. In Konzerten und Gesprächen, bei Lesungen und Kunstwerken. Mit offensichtlich wachsender Begeisterung: Von Juni bis September finden die „Offenen Gärten“ zum zweiten Mal statt, diesmal sind 25 private Gastgeber und ein ganzes Nachbarschaftsprojekt dabei.
Für jede Veranstaltung gibt es Einzeltickets. Wer gerne überall dabei ist, kann allerdings auch bis Ende Juni den neuen Gartenpass online buchen, um für alle 26 Events bestens gerüstet zu sein.
„Zwei Schwerpunkte haben wir gewählt“, sagt Diana Ivanova, Kuratorin der Veranstaltungsreihe, „zum einen Gärten und Klimawandel, zum anderen Workshops und spezielle Events.“ Das heißt: Zu Vorträgen, Lesungen, Gesprächen, Konzerten und Gartenführungen gibt es jede Menge für Gäste zu tun. Schafe scheren, Brot backen, Seifen sieden, Stoffe färben – oder Trüffel suchen in Deutschlands erstem Trüffelhain. 2005 gründete sich in Bad Bodendorf der Verein Ahrtrüffel und pachtete für 50 Jahre Grundstücke in einem ehemaligen Weingarten mit einer Gesamtfläche von fast einem halben Hektar Größe. Hier, auf dem nötigen alkalischen Boden mit hohem pH-Wert, legten die Mitglieder einen Trüffelhain an. Im Herbst 2006 pflanzten Gourmetkoch Jean-Marie Dumaine, Pilzsachverständiger und Autor Frank Krajewski sowie einige Helfer 300 Setzlinge, die sich als Wirt für den Burgundertrüffel eignen. In Bad Bodendorf dienen nun Aprikosen und Kornelkirschen, Eichen, Haselnusssträucher und Schwarzkiefern als Wirtspflanzen für die Sommer- und Burgundertrüffeln. Im November 2015 wurden auf dem Hain erstmals Trüffeln gefunden und seitdem – jedes Jahr. Eine weitere besondere Wanderung führt ins „Rewilding-Refugium“ und damit in den wachsenden Urwald oberhalb von Sinzig. Rewilding bedeutet mehr Wildnis wagen und mehr der Natur überlassen. Das erste Rewilding-Projekt im Ahrtal hat Ralf Urban initiiert. 2023 wurde das „Urwald Refugium Sinzig“ auf 1,5 Hektar in einem Teil des Stadtwaldes auf dem Ziemert eingerichtet. Die Stadt wird diese Fläche bis zum Jahr 2100 nicht mehr bewirtschaften und so einen Urwald entstehen lassen.
Garten und Klimawandel: Peter Berg, bundesweit bekannter Gartendesigner aus Sinzig, hat ein Faible für nachhaltige Gärten und hochwertige Natursteinstruktur. „Wir verwenden natürliche, ehrliche Materialien und mit Vorliebe ausgesuchte langlebige Gehölze, Stauden, Gräser.“ Dazu gibt es ehrliche Töne von menino-Frontman Stephan Maria Glöckner.
Um besondere Gärten geht es auch beim Urban Gardening des „Rosenkränzchens“, dem offenen Nachbarschaftsprojekt der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach der Flut ist es im Zentrum von Bad Neuenahr rund um das schwer beschädigte Pfarrhaus entstanden, um sich unter Nachbarn auszutauschen, zu verweilen, auszuruhen. Daraus erwachsen sind inzwischen 25 kleine Gärten, jedes ein Unikat.
„Wenn der Planet ein Garten ist, dann sind wir alle Gärtner“, zitiert Ivanova den Gartenphilosophen Gilles Clément, der so das Motto der aktuellen Eventreihe vorgibt. „Das Ahrtal ist nicht nur das Tal der Winzer, sondern auch das Tal leidenschaftlicher Hobbygärtner und solidarischer Garteninitiativen.“ Auf diese Weise, sagt Ivanova, lässt sich das Ahrtal neu erleben.
„Mit den Gärten und den Begegnungen in den Gärten tragen wir dazu bei, die Flutkatastrophe und ihre Folgen sanft zu verarbeiten durch die heilende Kraft von Natur und Kunst und durch den intimen Rahmen der Veranstaltungen, der Austausch ermöglicht.“ Weshalb die Besucherzahl bei vielen Events begrenzt ist.
Die Eventreihe „Offene Gärten der Ahr“ wird unterstützt von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, vom Kreis Ahrweiler und vom Verein Zukunftsregion Ahr.
Weitere Informationen:
Alle Veranstaltungen, Gartenpass, Einzeltickets und Broschüre gibt es übersichtlich online zum Stöbern, Herunterladen oder Buchen unter www.offeneahr.de
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