Mit sechs Veranstaltungen in der Woche verwöhnte der Geschichtsverein die Loewe-Fans
Ohne Heide Lorenz würde es die Loewe-Musiktage nicht geben
Unkel. Mit dem Klavierkonzert auf zwei Flügeln von Marc Unkel und Christopher Arpin am Donnerstag und dem Serenadenabend am Freitag, an dem das Trio Joanne Walter-Unkel, Oboe, Eduard Drobek, Fagott, und Marc Unkel, Klavier, Werke von Carl Loewe, Wolfgang Amadeus Mozart, Michail Glinka und anderen Komponisten im Palmenhaus zu Gehör brachten, endeten die 25. Carl-Loewe-Musiktage, die der Geschichtsverein seit seiner Gründung 1995 jedes Jahr organisiert. „Unser musikalischer Leiter der Veranstaltung hat anlässlich des Vereinsjubiläums, aber auch hinsichtlich des 150. Todestages des Komponisten gedacht, der am 20. April 1869 gestorben ist, ein ganz besonders interessantes Programm zusammengestellt“, hatte der Vorsitzende, Piet Bovy, beim Start der Musiktage dem Publikum versprochen. Eines der Highlights war sicher der Balladenabend, bei dem der beliebte Kabarettist Konrad Beikircher wieder als Moderator und Rezitator neben Marc Unkel und seiner Frau Joanne Walter-Unkel die Zuhörer begeisterte.
Carl Loewe hat zwar neben sechs Opern, je zwei Symphonien und Klavierkonzerten sowie vier Streichquartetten und 17 Oratorien geschrieben, „er war und bleibt aber der größte Meister der Ballade“, so der gebürtige Südtiroler, nachdem das Ehepaar Unkel das „Lied der König Elisabeth“ vorgetragen hatte. Der Komponist, Organist und Pianist, der am 30. November 1796 in Löbejün als zwölftes Kind des Kantors Andreas Loewe und seiner Frau Marie geboren worden war, habe sich bei seinen Balladen selber begleitet und müsse eine wunderschöne Stimme gehabt habe. Nahezu völlig unbekannt sei jedoch, dass Loewe ein begnadeter Literat gewesen sei, was man an seinen Briefen und Reise erkennen könne, die so lebendig wie ein Gespräch seien, so Konrad Beikircher, bevor er die „Blendung des Polyphem“ aus Homers „Odyssee“ und Gottfried August Bürgers „Leonore“ vortrug, um nach der Pause den Abend zusammen mit Marc Unkel mit der schottischen „Edward“-Ballade fortzusetzen.
Kurz zuvor hatte das Vorstandsmitglied der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft (ICLG), Heidelore Rathgen, aus der Geburtsstadt des Komponisten, die Gelegenheit genutzt, Heide Lorenz die Ehrenurkunde ihrer Gesellschaft sowie eine silberne Loewe-Medaille zu überreichen, „die wir nur ganz besonderen Freunden verleihen“, versicherte der Gast aus dem Saalekreis in Sachsen-Anhalt. „Unser Verein wurde 1992 gegründet. Während Sie dieses Jahr bereits die 25. Musiktage organisiert haben, ging bei uns alles erheblich langsamer, denn vor und vor allem nach der Wende standen andere Dinge im Vordergrund. So haben wir erst 2002 mit Loewe-Konzerten begonnen und da wir keine Heide Lorenz haben, konnten wir dieses Jahr zu Ostern auch erst zu unseren 7. Carl-Loewe-Festtagen einladen“, so Heidelore Rathgen.
Kontakt mit der ICLG hatte die Unkelerin 1995 aufgenommen, als in der Kulturstadt auf Initiative eines Opernsängers aus dem österreichischen Baden/Wien nachgefragt worden war, ob man dort am Rhein anlässlich des 200. Geburtstages des Künstlers 1996 wie in Löbejün die Erinnerung an den Komponisten der Romantik durch Konzerte beleben könne. Carl Loewe hat zwar in Unkel nie gelebt und dürfte höchstens einen Blick auf die romantisch Promenade der Stadt geworfen haben auf seiner Rheinfahrt von Mainz nach Bonn und Köln. In Unkel gelebt hat aber seine älteste Tochter Julie, die 1826 in Stettin geboren war und als 20-Jährige den Kapitän zur See, James Arthur von Bothwell geheiratet hatte. Sie hatte ihren Vater, der 1864 einen Schlaganfall erlitten hatten, bis zu seinem Tod in Kiel gepflegt. Zehn Jahre später kaufte sie dann das so genannte Freiligrathhaus an der Unkeler Rheinpromenade, dass die Familie Bothwell mit der verwitweten Auguste bewohnte.
‚Mutter der Unkeler Loewe-Musiktage‘
Während sich die Stadt 1995 nicht in der Lage sah, Loewe-Gedächtnis-Konzerte zu organisieren, war diese Anregung bei Heide Lorenz auf fruchtbaren Boden gefallen. Allerdings war ihr auch klar, dass sie alleine ein solches Projekt nicht realisieren konnte. So traf sie sich mit geschichtlich interessierten Mitbürgern um den damaligen Stadtarchivar Rudolf Vollmer im städtischen Rathaus und gründete den Unkeler Geschichtsverein als Plattform für die Carl-Loewe-Musiktage, die noch im selben Jahr von Musikern aus Wien nach Unkel bestritten wurden. Mit Erfolg, wurde doch schon die zweite Veranstaltung des jungen Geschichtsvereins in den Kultursommer 1996 von Rheinland-Pfalz aufgenommen.
„Aber Heide Lorenz hat sich als die ‚Mutter der Unkeler Loewe-Musiktage‘ sich nicht nur um diese gekümmert, sondern um alles, was mit dem Künstler zu tun hat“, erklärte Heidelore Rathgen. Sogar in Russland sei die Loewe-Expertin auf die Spurensuche gegangen, um weitere, bis dahin unbekanntere Werken des Komponisten zu finden. Dabei war Heide Lorenz zugute gekommen, dass sie 1971-76 als Lehrer an der Schule der Deutschen Botschaft in Moskau nicht nur russisch gelernt, sondern auch zahlreiche Kontakte geknüpft hatte. Etwa zu dem Opernsänger-Ehepaar, Galina und Wladimir Romanow, das auch bei den 5. Carl Loewe-Musiktagen in Unkel aufgetreten war. Von diesen hatte sie erfahren, dass etliche Noten von weitgehend unbekannten Loewe-Werken im Original in der Bibliothek des Konservatoriums und in der staatlichen Lenin-Bibliothek aufbewahrt würden, die nach dem Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich aus Stettin nach Moskau gebracht worden waren. Dank ihres Leserausweises konnte sich Heide Lorenz von vielen dieser Noten Fotokopien anfertigen lassen, die heute die Reste des Loewe-Nachlasses im Unkeler Stadtarchiv komplettieren.
„Aus dem stammen auch die sechs Original-Bleistiftzeichnung von Julie von Bothwell, die der Unkeler Stadtarchivar Wilfried Meitzner und sein Vorgänger Rudolf Vollmer als unbefristete Leihgabe unserem Präsidenten für das Loewe-Museum in Löbejün übergeben haben“, erinnerte Heidelore Rathgen. Ihre Gesellschaft habe Zeichnungen der ältesten Loewe-Tochter schon 1996 in ihrer Broschüre eingearbeitet. Dass man jetzt diese sechs Arbeiten, darunter auch das ehemalige Loewe Geburtshaus aus dem Jahr 1530, im Original in dem Museum zeigen können, sei einfach toll. 1886/87 sei das Geburtshaus zwar abgerissen, inzwischen auf den Grundmauer aufgebaut worden, so dass der ICLG auf vier Etagen 400 Quadratmeter für Veranstaltungsreihen und das Archiv zur Verfügung, so das Vorstandsmitglied, das Heide Lorenz unter dem Beifall des Publikums die Ehrenurkunde „für das langjährige Engagement in der Erforschung und Pflege von Leben und Wirken Carl Loewes, insbesondere bei der Entwicklung und Gestaltung der Carl-Loewe-Musiktage“ überreichte, für deren 26. Auflage Marc Unkel schon einige neu Ideen hat. DL
Zum Silberjubiläum erhielt Heide Lorenz von Heidelore Rathgen die ICLG-Ehrenurkunde.
Konrad Beikircher rezitierte zum Klavierspiel von Marc Unkel unter anderem die Edward-Ballade.
