Rheinbacher Rathaussturm erfolgreich
"Ohne Schlüssel keine Übergabe!"
Damendreigestirn und Kinderprinzenpaar übernahmen die Macht im Rathaus
Rheinbach. Mit schneidiger Marschmusik, schwerem Geschütz und mit viel närrischen Volk zog das Stadtsoldatencorps unter der Führung von Kommandant Willi Hohn durch Rheinbachs Innenstadt gen Rathaus. „Rathaus stürmen und besetzen“, lautete der Tagesbefehl für die Truppen. Währenddessen hatten sich die Verteidiger des Rathauses im Foyer versammelt und berieten ihre Verteidigungsstrategie. Rat, Stadtverwaltung und viele weitere Freischärler hatten sich um den Bürgermeister versammelt, um ihm in seiner schweren Stunde beizustehen. Zur Stärkung gab es schon mal ein leckeres frisch gezapftes Kölsch, um den Mannen Mut zu machen. Die ersten Klänge der Marschmusik tönten bereits in der Ferne und im Rathaus setzte man auf noch lautere Karnevalsmusik. Auf dem Balkon über der fest verschlossenen Rathaustür empfingen die Verteidiger die angreifende Truppe. Die schwere Feldhaubitze wurde in Stellung gebracht und auf das Rathaus ausgerichtet. Der gesamte Platz vor dem Rathaus war mit Majestäten, Tollitäten, Soldaten, Karnevalsvereinen und Rheinbacher Bürger besetzt. Bürgermeister Stefan Raetz begrüßte die einziehenden Vereine, Dreigestirne und Prinzenpaare mit warmen Worten. Aber, selbst die furchterregenden Hunnen konnten ihn nicht aus dem Konzept bringen. Selbst die Hilberather Jecken waren nach der vorangegangenen Sitzung mit dabei. „Gut, dass ihr schon so früh losgelaufen seit“, rief Raetz. Zu den Klängen des Musikzuges des Stadtsoldatencorps und des Musikvereins präsentierte Willi Hohn den Tanz der Majestäten auf dem Rathausvorplatz. Kräftig sang die Mannschaft auf dem Balkon mit. Willi Hohn kommentierte das lautstarke Mitsingen als den „Gefangenenchor aus Nabucco“. „Vielleicht sollet ihr mal die JVA erstürmen, die habt ihr noch nie eingenommen“, sagte Raetz, „da hättet ihr anschließend viele Freunde“. Dann ging ein warmer Kamelleregen auf die Belagerer nieder. „Habt ihr die auf dem Zug in Lüftelberg zusammengerafft?“, fragte Willi Hohn. Angesichts der vielen Kamelle, die geworfen wurden, wurde Bürgermeister Stefan Raetz traurig: „Typisch Politiker, mit vollen Händen ausgeben, das möchte ich auch wieder mal“. Weiter ging das Wortgefecht zwischen Angreifer und Verteidiger hin und her. „Immerhin wirst du laut ADAC-Liste mit 114 Prozent zum Bürgermeister gewählt“, tröstete der Kommandant. „Aber die Fahne solltet ihr auch mal wieder bügeln“, meinte Hohn. „Das macht unser Peter Feuser mit seinen warmen Händen, für die Beschaffung eines Bügeleisens haben wir kein Geld“, so Raetz. Während des ganzen Durcheinanders schlüpften die kleinen und großen Tollitäten in das Rathaus und waren binnen einiger Minuten auf dem Balkon und jubelten über die Erstürmung. „Wo ist der Schlüssel?“, fragte der Kommandant, „Ohne Schlüssel keine Übernahme!“. „Ohne Schlüssel keine Übergabe“, konterte der Bürgermeister. Wo letztendlich der Schlüssel war, blieb ein Rätsel. Aber der Bürgermeister hatte schließlich Erbarmen und klärte die Sache auf: „Wir sind ein offenes Rathaus und ich lade euch alle zu einem kleinen Umtrunk in das Rathaus ein“. Gleichwohl wird die Sache mit dem Schlüssel wohl noch ein Nachspiel haben. Schon jetzt will man bei einer ortsansässigen Schlosserei einen neuen Schlüssel bestellen, um wenigstens in der übernächsten Session wieder einen Rathausschlüssel übergeben zu können.
Vor der Rathauserstürmung tanzen die Majestäten auf dem Rathausvorplatz, wie man sieht in bester Siegerlaune.
