Sandra Polom schilderte in Treis-Karden den Weg ihrer Großeltern durch die KZ´s
Omas Schmuck brachte sie auf die Spur
Treis-Karden. Muckmäuschenstill war es in der Alten Knabenschule, als die gebürtige Schwedin Sandra Polom das Mikrofon ergriff. Im Rahmen einer historischen Ausstellung zum Bruttig-Treiser-Tunnel, war die junge Frau an die Mosel gekommen, um über die Erlebnisse ihrer Großeltern zu erzählen, die beide in deutschen KZ´s leiden mussten, wobei der Opa auch zeitweise in Treis schuften musste. „Mein Opa Jakub Chabinski wurde in der Nähe von Lemberg geboren und war durch die Gestapo damals verhaftet worden. „Den Grund weiß ich nicht“, sagt Sandra Polom, „aber er landete über das KZ Majdanek im KZ Natzweiler/Struthof und schließlich in Treis“. Dort musste er im Tunnel schwer arbeiten, um mit den anderen Häftlingen eine Fabrikanlage zu ermöglichen, die unter dem Decknamen „Zeisig“ später Zündkerzen für Flugzeuge bauen sollte. Auf die Idee, das Leben ihrer Großeltern zu recherchieren, war die Eventmanagerin aus Wiesbaden durch einen besonderen Umstand gekommen: Irgendwann bekamen ihre Eltern Schmuckstücke von der Oma durch das Internationale Rote Kreuz. Dort vermittelt man unter andrem solchen Schmuck, der KZ-Insassen in der Nazizeit abgenommen worden war. „Zunächst waren wir geschockt, denn unsere Oma war damals schon 18 Jahre tot, aber dann zündete in mir die Idee, mehr über das Schicksal meiner Großeltern herauszufinden, die beide im KZ waren, zum Glück aber überlebt hatten“, so Sandra Polom.
Unterstützt mit einer Power-Point-Präsentation schilderte die Referentin in der Alten Knabenschule eindrucksvoll und mit viel Herzblut den schweren Weg ihrer Oma und ihres Opas. Gerade in Treis erhielt sie durch Guido Pringnitz viele Informationen über das KZ-Außenlager, den Tunnel, die Zustände und die Örtlichkeiten. Mittels Karten zeichnete sie den interessierten Zuhörern den Leidensweg der beiden gebürtigen Polen auf, der schließlich jeweils in Schweden endete, wo auch Sandra Polom geboren wurde. Opa Jakub war nach Stationen bei der 5. SS-Eisenbahnbrigade, wo er am Kriegsende Bomben entschärfen und Schienen verlegen musste, per Schiff nach Malmö gebracht worden „Leider hat er nie über diese schwere Zeit gesprochen, aber ich hätte eh nicht fragen können, weil ich erst 10 Jahre alt war, als er starb“, schilderte Sandra Polom ihre sehr persönliche Familiengeschichte. Oma Genowefa Banasiak, die im polnischen Lódz geboren wurde, berichtete damals etwas mehr von ihrem Leidensweg: Von der Straße aus war sie als junge Frau als Zwangsarbeiterin nach Deutschland zunächst ins Erzgebirge verschleppt worden. Dort musste sie in einer Rüstungsfabrik arbeiten, die dann 1943 in die Luft flog. Man verdächtigte unter anderem die junge Polin der Sabotage, worauf Genowefa Banasiak ebenfalls im KZ landete. Zum Glück wurde sie nach leidvollen Jahren durch das schwedische Rote Kreuz am Kriegsende freigekauft und mit so genannten „Weißen Bussen“ nach Schweden gebracht. „Meine genauen Infos habe ich aus drei Tagebüchern, die meine Oma damals geführt hat“, sagte Sandra Polom zum Schluss ihrer Schilderung. Die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau bedankte sich ausdrücklich bei den rund 60 Zuhörern, die am Schluss des Vortrags noch Fragen stellen konnten und bereitwillig weitere Infos zum KZ-Außenlager Natzweiler/Struthof und dem ehemaligen Eisenbahntunnel Bruttig-Treis erhielten. TT
Karten, Schriftstücke, Fotos und Dokumente hat die Eventmanagerin über Jahre gesammelt. Vor zwei Jahren stieß sie bei ihrer Recherche auf Guido Pringnitz, der fast alles über die Geschichte des Bruttig-Treiser Tunnels weiß.
Guido Pringnitz und Sandra Polom wissen viel zur leidvollen Geschichte der KZ-Häftlinge zu berichten. Die gebürtige Schwedin hielt jetzt in Treis einen beeindruckenden Vortrag zur Geschichte ihrer Großeltern, die beide in KZ´s leiden mussten, wobei ihr Opa Jakub Chabinski sogar im Bruttig-Treiser-Tunnel schuften musste.Fotos: TT
