Großes Konzert des Musikvereins Ransbach-Baumbach in der Stadthalle begeisterte das Publikum
Orchester stellte seine Solisten ins Rampenlicht
Ransbach-Baumbach. Der Musikverein Ransbach-Baumbach ist 116 Jahre alt und trotzdem jung. Dirigent Manuel Wiedemann sagt: „In voller Stärke besteht das Orchester aus 45 Musikern. Wir sind ein relativ junges Orchester. Von einigen Altgediente bis zu jungen Nachwuchsmusikern.“ Die ganze Badbreite des Leistungsspektrums der Ransbach-Baumbacher Musiker erlebten die Zuhörer am vergangenen Sonntagnachmittag in der guten Stube der Stadt, der für große Aufführungen geeigneten Stadthalle. „Große Solistenparade - ein solistisches Allerlei“ nannte der Verein sein Angebot. Was bedeutete: Im Verlauf der 13 gespielten Stücke bekamen fast alle Instrumentalisten des Musikvereins einmal die Möglichkeit, ihre Soloqualitäten unter Beweis zu stellen. Das Publikum belohnte jeden der Solisten erst mit aufmerksamem Zuhören und dann mit freudigem Applaus.
„Queerbeetes Ohrenkino“
Der Musikverein bezeichnet sich selbst als „symphonisches Blasorchester der musikalischen Oberstufe.“ Gespielt wird „zu allen Anlässen des musikalischen Jahres“. Auf stimmungsvollen Bühnen, wie an Fastnacht oder auf Schützenfesten, fühlen sie sich genauso wohl, wie auf konzertanten Festen. Jedes Jahr wird ein Neujahrskonzert veranstaltet. Auch das Gemeinschaftskonzert der Westerwälder Konzertgemeinschaft Anfang November ist ein Höhepunkt im Vereinsjahr. Den musikalischen Mittelpunkt der Musikvereinsarbeit bildet allerdings ein Themenkonzert, welches jedes Jahr wechselt. In den vergangenen Jahren setzten „Ohrenkino“ und „Querbeet“ musikalische Akzente in der Kulturszene und im Vereinsleben. In diesem Jahr schlug die Stunde der Solisten.
Große Auftritte sind für die Ransbach-Baumbacher keine Seltenheit. Im vorigen Jahr spielten sie zum Beispiel auf dem Rheinland-Pfalz-Tag in Neuwied. Langeweile kommt nie auf. Manuel Wiedemann: „Wir sind das ganze Jahr über beschäftigt. Als nächstes kommem der Michelsmarkt in Nassau, das Oktoberfest in Höhr-Grenzhausen, im Jahr kommt das Orchester mit Karnevals- und Martinszügen auf rund 30 Auftritte. Allein an Karneval gibt es bei Sitzungen und Zügen neun Auftritte des Musikvereins Ransbach-Baumbach.
Worin sieht der Dirigent die Stärken seines Orchesters? Manuel Wiedemann: „Ich habe versucht, von Beginn an eine sehr moderne Linie bei der Auswahl der Stücke zu fahren, weil bei vielen Menschen im Publikum der Eindruck vorherrscht, ein Musikverein sei gleichzusetzen mit bayerischer Blaskapelle. Wir sind von vielen Orchestern, die ich kenne, eins der wenigen, die eine sehr moderne Linie fahren, viel Swing-Musik machen, moderne Pop- und Rockmusik machen. Und dadurch hat sich im Orchester eine starke rhythmische Qualität ausgebildet, weil diese Musik sehr auf Rhythmus basiert. Ich denke, da haben wir schon einen kleinen Vorsprung gegenüber anderen Orchestern.“
Die Modernität des Repertoires und die Stärken in rhythmischenM elodien brachten die Musiker beim Konzert in der Stadthalle dem Publikum nahezu bei jedem Stück zu Gehör. Die reichten von der Polka über Dixieland und Filmmusiken bis hin zu einem Medley von Stücken der amerikanischen Jackson Five, bei denen Michael Jackson mitgesungen hatte.
Gibt es an so einem herausragenden Musikverein überhaupt noch etwas zu verbessern? Da schlägt wieder das Herz des Perfektionisten, wenn Manuel Wiedemann antwortet: „Auch in unserem Orchester haben wir noch Optimierungsbedarf, was die Zahl der Besetzungen angeht. Tiefes Blech könnte noch etwas mehr sein, Klarinetten könnten gerne noch etwas mehr sein. Aber insgesamt können wir uns nicht beklagen.“ Unabhängig von der Wahl des Instrumentes würde sich der Dirigent und musikalische Leiter über jeden Neuzugang freuen.
Am Rande des Konzerts wurden Musiker für ihre Treue zum Verein und ihren Fleiß bei den Auftritten geehrt. Svenja Klaus aus erhielt für zehn Jahre Zugehörigkeit zum Verein die goldene Jugendehrennadel des Verbandes, Claudia Eickvonder (ebenfalls zehn Jahre, allerdings nicht mehr im Jugendbereich) die bronzene Ehrennadel, und Joachim Griepke wurde für sage und schreibe 40-jähriges aktives Musizieren mit dem Ehrenbrief des Landesmusikverbandes ausgezeichnet. Die Vereinsvorsitzende Susanne Link überreichte bei der Gelegenheit „ihrem“ Dirigenten Manuel Wiedemann als Dankeschön für seine zehnjährige Treue zum Verein eine Pflanze und einen Gutschein zur Verschönerung des soeben angelegten Gartens. Und weil es nicht alltäglich ist, dass ein Dirigent über einen solch langen Zeitraum einem Orchester vorsteht, erhielt Wiedemann noch eine Urkunde der Bundesvereinigung der deutschen Musikverbände. Der junge Mann ist im Hauptberuf Musiklehrer am Martin-Butzer-Gymnasium Dierdorf. Er ist verheiratet, hat ein acht Monate altes Kind und wohnt in Oberahr.
