Fastnachtsgecken beim Veilchendienstagumzug in Hochform
Paradiesische Zustände für die Wagenbauer
Heimbach-Weis. So traurig die politische Klein- und Großwetterlage auch ist. Die Heimbach-Weiser Wagenbauer konnten dadurch aus dem Vollen schöpfen.
Von der Ampel-Regierung bis hin zu Trump und Musk bekam jeder sein Fett weg. Aber auch für politisch Uninteressierte bot der Veilchendienstagumzug in der Karnevalshochburg Raum für Fantasie und Träumerei. Das kreative Potential der Fußgruppen ist Jahr für Jahr schier grenzenlos. Und dann waren da natürlich noch die Prunkwagen der Tollitäten und der Komitees, deren schillernde Farben in der Sonne glänzten. Ein großes Dank galt den veranstaltenden Karnevalsgesellschaften aus Weis und Heimbach. Der zu erfüllende Auflagenkatalog wird von Jahr zu Jahr länger. Die Eierköpp nahmen das zum Anlass, den Geck stranguliert von Vorschriften und Regeln darzustellen. Wie immer war der Veilchendienstagumzug ein Rückblick auf die vergangenen Monate. Nicht nur bei HiLi sitzt der Schmerz über das Ausscheiden bei der Fußball-EM tief. Ihr Wagen zeigte das glasklare Handspiel von Marc Cucurella ganz eindeutig. Der am Boden liegenden Ampel-Regierung widmeten die Dullmänners ihren Wagen. HiMiRe vermissen im Zirkus Bundestag den Respekt und die Ordnung. Dass die Fassenacht im Dörfje keinen Raum für Faschismus bietet, klang schon in den Saalveranstaltungen durch. „Politik wie im Dritten Reich, die Köpfe neu, die Ideen gleich“, umschrieb der Omega-Trupp die AfD Hydra. Auch die Zustände in den USA besorgen die Fastnachtsgecken. „Geld regiert die Welt“, titelte der R-Trupp und stellte Elon Musk und Donald Trump im Cybertruck dar. An anderer Stelle hieß es „Give Amerika the brain back“. Die Randgruppe Kisselbur kritisierte das Inkrafttreten von 25% Einfuhrzoll. Überhaupt mussten die Amis ordentlich einstecken. Gott bewahre aber das Duo Michael Bleidt und Rico Nink nahm schon mal den Handschlag zwischen Donald Trump und Vladimir Putin vorweg. Die originellen Prunkwagen widmeten sich nicht nur politischen Themen. „Käpt´n Jeck“ nannten die Alten Hasen ihr originelles Narrenschiff. Hier wurde einmal mehr die bewunderte Wagenbaukunst der Heimbach-Weiser sichtbar. Die Piraten schipperten wie auf Wellen, auf und ab, durch das Narrenmeer. Die Baachwätz vermissen den Schnee. Die Weiser Gruppe ließ einen Skilift um die Berghütte kreisen. An anderer Stelle war ein Siebenschläfer im Käfig zu sehen. „Rettet den letzten seiner Art“ war der Hinweis darauf, dass die Gastronomie im Dörfje auszusterben droht. Natürlich mangelte es auch dieses Mal nicht an Lokalkolorit und erst recht nicht an Frotzeleien über die Schärjer. Die Pätchestreter heißen die Eingemeindung des stolzen Doppelorts in die Stadt Neuwied vor 5x11 Jahre noch immer nicht gut. An närrischen Zahlen war der Veilchendienstagumzug reich. Die Appelgaard feierte ihr 5x11-jähriges Bestehen. Und damit ist die Großfußgruppe nicht mal die älteste Formation. Kontinuität auf der einen und ständige Erneuerung auf der anderen Seite sind das Erfolgsrezept der Heimbach-Weiser. Ihre Premiere feierte eine Gruppe 12-jähriger Mädchen als SpongeBobs. Seit November hatten sie sich eigenständig vorbereitet und die Kostüme kreiert. Alte aber im Herzen jung gebliebene Hasen sind hingegen die Heißen Pistolen. Ihr Metier ist das Wortspiel. Den Drahtesel setzte die Fußgruppe im wahrsten Sinne des Wortes um. Generell waren die Fußgruppen zuständig für Fantasie und Träumerei. Besonders der Kopf diente der Zurschaustellung von Blumenschmuck, Unterwasserwelten und Fabeln. Sehr originell die „Blumenwiese“ mit riesigen Pusteblumen. Genial auch die Fußgruppe, deren Köpfe aus Wollknäuel bestanden. Mit prächtig-bunten Federschmuck feierte eine Truppe von Squaws. Die Heimbach-Weiser verfügen eben noch über ein gesundes Maß von political correctness und lassen die Kirche im Dorf. Den Genderwahnsinn kritisierte der Kümmel-Trupp. Übertreibungen in dieser Hinsicht spielen nur den Rechten in die Karten. Eine Augenweide waren einmal mehr die Prunkwagen der Tollitäten. Kinderprinz Sebastian I. (Wiese) und Gefolge ließen sich im Disney-Oldtimer chauffieren. Kinderprinzessin Lulu (Riba) und ihre Hofdamen feierten die Fassenacht mit den Tieren aus Winnie-Puh. In der Höhensonne von Mount Rushmore kam Prinz Sven I. (Preußiger) ordentlich in Schwitzen. Auf dem Gipfel der Narretei angekommen, feuerte seine Tollität das Wurfmaterial aus vollen Rohren. Prinzessin Sarah ließ wissen, dass sie ihren Froschkönig schon getroffen hat. Den Höhepunkt ihrer langjährigen närrischen Laufbahn genoss sie im VW-Käfer, der sich seinen Weg durch ein Meer von Handtaschen bahnte. Kurz nacheinander, dicht bei dicht, rollten die Komitees durchs Dörfje. Die blauen aus Heimbach machten auf Wikinger. Die ruuten aus Weis zierten sich mit den Superhelden. Das Motto des diesjährigen Umzugs lautete „Die gute alte Zeit von morgen ist heute“. Gemeint war, trotz der vielen 5 vor 12 Lagen bei Politik, Wirtschaft und Klima, ausgelassen zu feiern, um sich morgen an diese alte Zeit erinnern zu können. Etliche Tausend Menschen aller Generationen haben genau das gemacht. Nach dem Umzug wurde in den Festzelten und Gaststätten noch sehr lange gefeiert.
FF
HiLi bewiesen: Das war ein glasklares Handspiel von Marc Cucurella bei der Fußball-EM.
Prinz Sven I. (Preußiger) feuerte auf dem Höhepunkt seiner närrischen Karriere Kamellen aus vollen Rohren.
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