Spenden statt Geschenke zum 75. Geburtstag
Paul Giersberg spendet Restaurierung für Wegekreuz
Witterung und Farbe hatten dem Denkmal zugesetzt
Wachtberg-Berkum. Bei schönstem Sonnenschein übergab Altbürgermeister Paul Giersberg am 16. Juni um 11 Uhr zusammen mit dem Restaurator Roland Gassert und Ernst Bugl von der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg das restaurierte Wegekreuz an der Oberdorfstraße Ecke Stumpebergweg in die Obhut der Gemeinde Wachtberg, vertreten durch die Bürgermeisterin Renate Offergeld. Paul Giersberg verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass das frisch renovierte Denkmal lange so ansehnlich erhalten bliebe, zumal auch die Nachbarschaft zugesagt habe, ein Auge auf den Zeitzeugen aus dem Jahre 1716 zu haben. Viele Jahre hatten verschiedene Bürger Wachtbergs dem Denkmal etwas Gutes tun wollen und hatten dem Gestein des Votivkreuzes teilweise einen Bärendienst erwiesen. In bester Absicht hatten Wohlmeinende das Denkmal mit Farbe und Lacken vor den Einflüssen von Wind und Wetter zu schützen versucht. Im Laufe der Zeit hatte das Wegekreuz durch die Witterungseinflüsse und die Farbpigmente nicht nur ästhetisch, sondern auch in der Substanz Schaden genommen. So kam es gerade recht, dass Paul Giersberg der Meinung war, in seinem Alter bräuchte er keine persönlichen Geschenke mehr. Deshalb hatte er anlässlich seines 75. Geburtstages um Geldspenden gebeten. So wurde ein Großteil der notwendigen Mittel aufgebracht, um das Wegekreuz wieder in einen ansehnlichen Zustand bringen zu lassen.
Handwerkliches Geschick war gefragt
Weil das Votivkreuz nicht von seinem Ort entfernt werden sollte, war die Restaurierung vor Ort notwendig. Die Restaurateure musste nach dem Geburtstag im Dezember 2015 den Winter abwarten, um bei wärmerem Wetter ans Werk gehen zu können. Trotzdem hatten die Arbeiten immer wieder wegen der wiederkehrenden Regenphasen unterbrochen werden müssen. Vor allem für das Beiarbeiten an den Fehlstellen musste auch das Wetter stimmen, damit sich die auf den Grundstein abgestimmte Füllmasse mit dem ursprünglich vorhandenen Material verbinden konnte. Die Füllmasse wurde bereits werksseitig in der richtigen Farbe und Konsistenz gefertigt, damit die Materialien optimal miteinander kombiniert werden konnten. Nur an einigen, im Laufe der Jahre verfärbten Bereichen musste die Farbe vor Ort angepasst werden.
Die Gesamtfinanzierung der Restaurierung konnte bewerkstelligt werden, indem die Hälfte des Betrags von Geburtstagsgästen gespendet wurde. Ein Viertel wurde durch Paul Giersberg in handwerklicher Eigenleistung erbracht und die Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg brachte den verbleibenden Betrag auf. Mit Geräten und Tatkraft war auch die Feuerwehr beteiligt, um einige Fremdschichten auf dem Denkmal zu entfernen. Bis 1978 hatte das Votivkreuz auf der anderen Straßenseite gestanden. Bei der Umsetzung des schweren Steingebildes hatte das Kreuz Schaden genommen, der seinerzeit nicht fachgerecht repariert worden war. Auch hier habe es dringenden Handlungsbedarf von fachkundiger Seite gegeben. Um die Kosten in einem realisierbaren Rahmen zu halten, hatte Paul Giersberg einen Teil der zähen Handarbeit unter Anleitung von Roland Gassert selbst geleistet. Stundenlang hatte er die Farben und organische Ablagerungen mit chemischen und mechanischen Mitteln in mühevoller Kleinarbeit entfernt. Roland Gassert ersetzte derweil weggebrochene Teile des Denkmals und besserte Stücke aus, die dem Lauf der Jahrhunderte nicht standgehalten hatten. Das Material des Votivkreuzes wurde vor einigen Jahren als Lavastein aus der Eifel identifiziert, als die Denkmäler und Wegekreuze in Wachtberg katalogisiert wurden. Roland Gassert lobte das Denkmal als ein Besonderes seiner Zeit. Es stelle bildhauerisch eine handwerklich, künstlerisch und fachlich gute Arbeit dar, die bereits zur Zeit ihrer Entstehung einen hohen Wert gehabt habe. Dies zeige sich nicht nur in der Standfestigkeit des Objekts, sondern auch in der Aufteilung und der anatomisch guten Darstellung der Jesus-Figur. Die unterschiedliche Färbung der Steinpartien ist laut Roland Gassert auf die verschiedenen Witterungseinflüsse zurückzuführen, denen das Denkmal im Laufe der Jahre ausgesetzt war. Auf eine Lasierung habe man verzichtet, um den ursprünglichen Charakter des Wegekreuzes zu erhalten. Bürgermeisterin Renate Offergeld dankte Paul Giersberg im Namen der Gemeinde und hob seine Initiative für Wachtberg heraus. Nur diese Bemühungen haben die Renovierung des Wegekreuzes maßgeblich ermöglicht.
Die Infotafel zeigt den Zustand des Votivkreuzes vor der Restaurierung.
