Allgemeine Berichte | 02.09.2015

Themenreihe „Erinnern für die Zukunft“ der Volkshochschule Meckenheim Rheinbach Swisttal mit Wachtberg

Peter Baus spannte immer wieder den Bogen zur allgemeinen Kriegslage

Rheinbach. Ist der Frieden, in dem wir leben, und die Zusammenarbeit der Völker - zumindest in der Europäischen Union und den Vereinten Nationen - eine Selbstverständlichkeit? Vor 100 Jahren tobte der folgenschwerste und blutigste Krieg, den die Welt bisher gesehen hat: der Erste Weltkrieg - die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu anderen Ländern wird der Erste Weltkrieg aufgrund der späteren Gräueltaten des Nazi-Regimes und der Tatsache, dass dieser überwiegend nicht auf deutschem Boden ausgetragen wurde, in der deutschen Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen, so der Stabshauptmann a.D. Peter Baus, Referent des Vortrags „Der Erste Weltkrieg bei Arras und an der Somme“.

Der Vortrag fand im Rahmen der Themenreihe „Erinnern für die Zukunft“ der Volkshochschule Meckenheim Rheinbach Swisttal mit Wachtberg statt, die an relevante Ereignisse der deutschen und europäischen Vergangenheit erinnert, die für ein Verständnis der Notwendigkeit eines friedlichen und demokratischen Miteinanders von besonderer Bedeutung sind, so der VHS-Direktor Adrian Grüter zur Einführung dieses Abends. Haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Was könnten wir besser machen?

Zwei relevante Begebenheiten

Peter Baus ging zunächst auf die Vorgeschichte zum Ersten Weltkrieg ein, um die Zuhörer in die Ausgangs- und Gefühlslage vor Beginn des Krieges zu versetzen. Die Ausrufung des Deutschen Kaisers in Versailles nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 und die Nichtfortführung der Bündnispolitik nach Absetzung des politisch versierten Kanzlers Fürst von Bismark durch den jungen Wilhelm II. seien zwei besonders relevante Begebenheiten.

Zudem hätten der starke Nationalismus in den Ländern und die Staatsergebenheit ihren besonderen Beitrag geleistet. Der überhebliche Nationalstolz und die dadurch geschürte Erwartung eines schnellen Krieges - „bis zum Herbst sind alle wieder daheim“ - führte 1914 in der Stadtbevölkerung zu äußerst patriotischer Stimmung und Kriegsbegeisterung. Jedoch: Es kam anders.

Der Militärexperte Baus ging sehr sachlich auf die ursprünglichen Kriegspläne und die dann erfolgten verschiedenen Feldzugführungen ein. Er erläuterte immer wieder die aufgetretenen militärischen Probleme, die schließlich zu den verlustreichen Stellungskriegen geführt hätten. Während Baus detailliert auf die Besonderheiten der verschiedenen Schlachten bei Arras und an der Somme einging, spannte er zugleich immer wieder den Bogen zur allgemeinen Kriegslage in Europa und dem Gesamtzusammenhang der stattfindenden Feldzüge. Fragen der Teilnehmer wurden geschickt und kenntnisreich in die Ausführungen einbezogen.

Unterfüttert wurden die Ausführungen durch Kriegsfotos von den Schlachtfeldern und Landkarten zur Orientierung. Hierbei wurde sehr deutlich, wieso der Erste Weltkrieg als moderner Maschinenkrieg bezeichnet wird und eine neue „moderne“ Kriegsführung erforderte. Während bei Kriegsbeginn die Soldaten noch mit Bajonetten an den Gewehren in den Krieg marschierten (eine Ausstattung für einen Präsenzkrieg auf dem Schlachtfeld, wie dies noch in den 1870ern üblich war), bedurfte es durch das Aufkommen der Maschinengewehre und Granatwerfer neuer Kriegstaktik. Dies führte zu Kriegsführung aus Grabensystemen - und Gegengrabungen zur Minenlegung und leider auch den grauenvollen, erstmaligen Einsatz von Giftgas.

Zahllose Denkmäler

Neben dem Erinnern an die vergangenen Kriegsauseinandersetzungen wurde aufgezeigt, wie die früheren Kriegsparteien heutzutage mit der Erinnerung umgehen. Neben zahllosen Erinnerungsdenkmälern und Kriegsgräberstätten regt besonders der im Jahr 2014 vom französischen Staatspräsident Francois Hollande eingeweihte „Ring der Erinnerung“ zum Nachdenken an. In dieser kreisförmigen Gedenkstätte sind erstmalig alle Namen der Kriegsgefallenen in rein alphabetischer Reihenfolge eingraviert, unabhängig von ihrer ursprünglichen Nationalität - die ursprünglichen Todfeinde in der Erinnerung wieder vereint.

Präsident Hollande sagte in seiner Einweihungsrede: Jedes Mal, wenn „Nationalismus“ und „Ideologien des Hasses“ wieder auftauchten, müsse an die höllische Spirale vom Sommer 2014, den Beginn des Ersten Weltkriegs, gedacht werden. „Die Erinnerung ist nicht für die Vergangenheit gemacht, sondern für die Gegenwart und die Zukunft.“

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Erinnern für die Zukunft“ findet am Donnerstag, 1. Oktober, statt. Das Thema lautet: „Vor 25 Jahren: Die deutsche Wiedervereinigung - Eine Sternstunde für Deutschland und Europa“. Kontakt: Adrian Grüter, Schweigelstraße 21, 53359 Rheinbach, Tel. (0 22 26) 92 19 20 oder adrian.grueter@vhs-rheinbach.de.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Die alte Ockenfelser Linde soll fallen

  • Claudia W. : Ich bin in der Bergstraße aufgewachsen, meine Großeltern lebten dort. So traurig das ein einzelner so etwas durchsetzt! Ich hoffe das es noch abgewendet wird und dieser schöne alte Baum erhalten bleibt.
  • Iris Arens : Es wiederholt sich immer und überall: Auswärtige ziehen in Kenntnis der Sachlage zu und klagen anschließend gegen die bei Zuzug bereits bestehenden und bekannten Umstände. Hoffentlich bleibt die Linde...

Verschiebung wegen Planungsunsicherheit

  • Sabine Weber-Graeff: Da werden Abermilliarden in die Aufrüstung der Bundeswehr,respektive die Landesverteidigung gesteckt und dann wird seitens von Grün ernsthaft erwogen in den Sichtbereich des militärischen Radars zwei...
  • Joschi Hund: Leider kann man nicht mehr von einem Antik und Trödelmarkt sprechen, warum ? Wenn über die Hälfte der Händler Neuware anbieten und Ihre Waren mit Festpreisen ausgezeichnet haben. Man kann sagen über 80 % der Aussteller waren Händler.
Image Anzeige
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Media-Auftrag 2026/27
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Azubispots Bad Neuenahr-Ahrweiler
Imagewerbung
schlüsselfertiger Badausbau
Haus und Gartenparadies
Brunnenfest in Bad Breisig
Empfohlene Artikel
Schwere Zerstörung im Rhein-Sieg-Kreis nach der Flut 2021. Foto:JOST
29

Rhein-Sieg-Kreis. Die Beratungsstellen des Rhein-Sieg-Kreises zur Unterstützung beim Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe 2021 bleiben bis Ende 2026 zugänglich. Personen, die bereits einen Antrag auf Wiederaufbauhilfe beim Land gestellt haben, können sich bis zu diesem Zeitpunkt zur ordnungsgemäßen Erstellung des notwendigen Verwendungsnachweises beraten lassen, der erforderlich ist, um den Förderantrag abzuschließen.

Weiterlesen

Symbolbild.
40

Bonn. Die Einführung des neuen Stadtbahnzielkonzeptes in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis wird um ein Jahr auf Ende 2027 verschoben. Ursprünglich war geplant, das Konzept zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 umzusetzen, doch die Komplexität der Abstimmungen unter den beteiligten Parteien erfordert mehr Zeit. Der Stadtrat von Bonn und der Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises hatten bereits 2025 das neue Konzept...

Weiterlesen

Die Sportanlage auf dem Brüser Berg erhält neue Laufbahnen mit einem modernen, wasserdurchlässigen Kunststoffbelag, Leichtathletikanlagen werden neu geordnet, und ergänzend wird ein Kleinspielfeld mit Kunstrasen angelegt.
34

Brüser Berg. Die Bezirksvertretung Hardtberg hat in ihrer Sitzung am 5. Mai die Entwurfsplanung für die Modernisierung des Sportplatzes 1 am Schießstandweg auf dem Brüser Berg (Stadtbezirk Hardtberg) beschlossen. Dies ist ein wichtiger Schritt zur zukunftsgerechten Weiterentwicklung der Sportanlagen am Schulzentrum Hardtberg.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Einsatz in der Innenstadt von Sinzig. Foto: privat
143

Hohes Polizeiaufkommen nach Banküberfall in Sinzig:

„Es war fast wie nach der Flut“

Sinzig. Am heutigen Freitag sorgt der Banküberfall mit anschließender Geiselnahme in der Innenstadt bundesweit für Schlagzeilen – und versetzt die Stadt in große Unruhe. Aufgrund des umfangreichen Polizeieinsatzes war nicht nur die Verkehrslage angespannt. Vor allem die unmittelbaren Nachbarn der betroffenen Volksbank-Filiale bekamen die Auswirkungen der Tat unmittelbar zu spüren.

Weiterlesen

Imageanzeige
Image Anzeige
Dauerauftrag 2026
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
10 Jahre NoWi
Anzeige Show Alive
Jubiläum
10 Jahre NoWi
Stellenanzeige City - Dienst - Erzieher
Nachruf-Anzeige Marjanca Maguin
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, Mai 2026
Imageanzeige Dauerauftrag 05_2025
Anzeige Monte Mare Firmenlauf
Brunnenfest in Bad Breisig
Brunnenfest
Tag der offenen Tür FFW Burgbrohl
Brunnenfest Bad Breisig