Allgemeine Berichte | 19.06.2017

1. Podiumsdiskussion am Mittelrhein-Gymnasium Mülheim-Kärlich

„Politikverdrossenheit unter Jugendlichen als Krankheit unserer Demokratie?!“

In der 1. Podiumsdiskussion wurde über das Phänomen der Politikverdrossenheit unter Jugendlichen debattiert. privat

Mülheim-Kärlich. Politik in die Lebenswelt der Jugendlichen bringen war das Ziel des Sozialkundeleistungskurses der Jahrgangsstufe 12 des Mittelrhein-Gymnasiums unter Leitung von Victoria Bardel und, um dies zu tun, luden sie kürzlich unterschiedliche Vertreter von Jugendparteien ein. So erschienen Martin Reis (Junge Union), Luca Lichtenthäler (Junge Liberale), Dennis Feldman (JUSOS) und Cornelius Persdorf (Junge Alternative), um über das Phänomen der Politikverdrossenheit unter Jugendlichen zu debattieren.

„Jugendliche sollten schon früh an Themen der Politik herangeführt werden, was sich viele auch wünschen.“ Mit diesen Worten begann Klaudia Heck-Ritter, Schulleiterin des Mittelrhein-Gymnasiums die Eröffnungsrede der Podiumsdiskussion. Sie verwies darauf, dass die 17. Shell Jugendstudie politisches Interesse unter Jugendlichen durchaus im Aufwind sehe.

„Doch warum erreichen Sie uns dann nicht?“, fragte Evelin Gerter, eine der Moderatoren und Schülerin des Leistungskurses. Dieser und weiteren Fragen mussten sich die Debattanten stellen. Der Sozialkundeleistungskurs setzte auf zahlreiche Studien und Statistiken, um unterschiedliche Facetten des Phänomens zu beleuchten.

Coole Aktionen oder kommunalpolitische Themen

So zeigten sie beispielsweise, dass politisches Interesse zwar im Aufwind sei, belegten jedoch auch, dass politisches Engagement sich vornehmlich durch Proteste, Petitionen und Boykotte zeige, sich jedoch zu wenig Jugendliche innerhalb von Parteien engagierten. „Der Altersdurchschnitt in der CDU liegt laut einem aktuellen Bericht der Tagesschau bei 60 Jahren. Warum scheitern die Parteien an der Rekrutierung von Jugendlichen? Ist es eher eine Parteienverdrossenheit? Spiegeln die Parteien nicht die Interessen der Jugendlichen wieder? Sind ihre Werte und Ansichten schlicht veraltet?“, fragte Lino Schlass, ebenfalls Moderator, und versuchte damit zu ergründen, warum Jugendliche heute den traditionellen politischen Institutionen so wenig zu vertrauen schienen.

„Problematisch wird es, wenn wir ein falsches Verhältnis haben zwischen rüstigen Rentnern, die sich politisch engagieren, und frustrierten Jugendlichen“, so Persdorf. „Seien wir mal ehrlich: Es gibt bestimmte Themen, die Jugendliche in der Parteiarbeit nicht interessieren. Auch ich hab mich damals nicht in der Ortspartei dafür interessiert, ob ein Gullideckel schief hängt. […] Ich hab mich eher dafür interessiert coole Aktionen zu machen und mich einzusetzen. […] Das ist glaube ich wirklich ein großes Problem, und das muss man angehen, um gegen Politikverdrossenheit anzugehen. Politik muss Themen ansprechen und Aktionen machen, die Jugendliche interessieren.“, so Feldmann. Reis hingegen betonte, dass gerade kommunalpolitische Fragen Möglichkeiten böten in der eigenen Heimat ganz konkrete Anliegen anzugehen. „Gerade Projekte vor Ort, sei es ein neuer Bolzplatz oder ganz klassisch der Skatepark, bieten uns Möglichkeiten etwas voranzutreiben, denn gerade dort liegen hohe Erfolgschancen. Häufig ist es so, dass gerade die älteren Parteimitglieder es sich gar nicht leisten können eine Blockadehaltung einzunehmen, wenn eine Gruppe junger Menschen kommt, die etwas bewegen wollen. Daher kann ich nur dazu einladen, wenn ihr bestimmte Projekte habt, die euch am Herzen liegen, da tatsächlich tätig zu werden.“

Des Weiteren widmete man sich auch weiteren Problemfragen wie dem Einfluss von Medien auf die politische Willensbildung von Jugendlichen, welche Chancen aber auch, welche Gefahren sich dadurch böten. Abschließend versuchte man, Lösungsvorschläge zu ergründen, und diskutierte auch auf Grundlage eines Gedankenexperiments die Einführung einer Jugendquote auf Landeslisten.

Kooperation ist das Schlagwort

„Was die Parteien und Jugendorganisationen tun können, ist sich öffnen. Was ihr tun könnt, ist erst mal reinschnuppern, den Kontakt suchen - man muss ja nicht gleich Mitglied werden. Wenn man aber das grundlegende Weltbild teilt, dann kann man dort eben auch seinen eigenen Input einfließen lassen und wirklich was verändern“, so Lichtenthäler.

Allerdings bestand zwischen den Debattanten Einigkeit darüber, dass man nicht nur Parteien in der „Bringschuld“ sähe, sondern Jugendlichen auch eine gewisse „Holschuld“ zukäme - um erfolgreich gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen zu können, müssen beide Seiten aufeinander zugehen und vielleicht beide die alten Vorurteile gegenüber einander ablegen. Kooperation sei hier das Schlagwort - nur so ließen sich arbeitsteilig gemeinsame Ziele erreichen.

Dazu nahmen verschiedene Vertreter von Jugendparteien teil.

Dazu nahmen verschiedene Vertreter von Jugendparteien teil.

Der Sozialkundeleistungskurs der Jahrgangsstufe 12 des Mittelrhein-Gymnasiums.

Der Sozialkundeleistungskurs der Jahrgangsstufe 12 des Mittelrhein-Gymnasiums.

In der 1. Podiumsdiskussion wurde über das Phänomen der Politikverdrossenheit unter Jugendlichen debattiert. Fotos: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Maifest Gönnersdorf
Titel-Eckfeld - Bestellung Nr. 4300003863
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Minijob
Innovatives rund um Andernach
SB Wahlen
T-Roc & R-Line / Meckenheim
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Die Kreisverwaltung in Koblenz. Foto: ROB
111

Kreis MYK. Im Mai 2026 findet im Kreis Mayen-Koblenz die Bundeswehrübung „Gelber Merkur 2026“ unter der Leitung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum statt. Der Zeitraum dieser Übung erstreckt sich vom 8. bis 22. Mai, und die Aktivitäten sind nicht nur auf Standort- oder Truppenübungsplätze beschränkt. Die beteiligten Kräfte bewegen sich auch im öffentlichen Raum, was dazu führen kann, dass Schussgeräusche durch den Einsatz von Platzpatronen wahrnehmbar sind.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
29

Remagen. Das Dienstgebiet der Polizeiinspektion Remagen umfasst die Städte Remagen und Sinzig sowie die Verbandsgemeinden Bad Breisig und größtenteils Brohltal. Auf einer Fläche von rund 200 Quadratkilometern werden mehr als 61.000 Einwohner betreut. Das Straßennetz beinhaltet neben innerörtlichen Verkehrsflächen etwa 60 Kilometer Bundesstraßen, über 100 Kilometer Landesstraßen sowie rund 60 Kilometer Kreisstraßen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
29

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
34

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Hausmeister, bis auf Widerruf
Titelanzeige
Kleinanzeigen
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Handwerker im Außendienst
Industriemechaniker
Gesundheit im Blick
Gesundheit im Blick
Innovatives rund um Andernach
Verwaltung Immobilien
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr