Industriekletterer bringen Reflektoren an der Feste Kaiser Franz an
Präzisere Messungen sind möglich
Koblenz. Voraussichtlich Ende des Jahres will die Stadt Koblenz die Feste Kaiser Franz in Lützel für die Allgemeinheit öffnen. Bis dahin gibt es für den Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen noch einiges am neuen Festungspark zu tun. Jetzt haben Industriekletterer an der Poterne und dem südlichen Kopfbau des Reduits Reflektoren angebracht. Mit ihrer Hilfe lassen sich Bewegungen der beiden einsturzgefährdeten Gebäude präziser messen.
Mauerwerk verschiebt sich
Die Wand des Zugangs zum eigentlichen Festungsbereich, der Poterne, verschiebt sich kontinuierlich in Richtung Hang und in gleichem Maße senkt sich das Gewölbe. In den vergangenen zwei Jahren spielten sich diese Bewegungen in einer Größenordnung von einem halben Zentimeter ab, was für das historische Gemäuer bereits erheblich ist, berichtet Projetverantwortlicher Michael Karkosch vom Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen der Stadt Koblenz. Das gleiche gilt für den südlichen Kopfbau des Reduits. Dieser verstärkte Verteidigungsbau bildete den Kern der ehemaligen Festung, in den sich die Soldaten zurückzogen, wenn die äußeren Bereiche bereits eingenommen waren. In Friedenszeiten dienten die Gebäude mit seinen Kasematten zur Unterbringung der Soldaten.
Reflektoren werden angebracht
Der halbrunde Bau wurde in den 1960er Jahren von der Bundeswehr in Rahmen einer Übung gesprengt, übrig blieben nur zwei Kopfbauten – ähnlich Türmen. Vom Kopfbau am nördlichen Ende steht noch eine Mauer, am südlichen Ende blieb mehr erhalten, doch das Relikt ist einsturzgefährdet und das Mauerwerk ist in Bewegung. Dies ist umso kritischer, da auch dieses Gebäude an der Hangkante steht. Dank der Reflektoren werden Veränderungen leichter zu messen sein, bis eine grundlegende Sicherung der Gebäude erfolgen kann. Angebracht werden die Reflektoren von Kletterern des Baugeschäfts Scheider aus Lahnstein, das auf Fels- und Hangsicherung spezialisiert ist.
Unterirdische Gänge entdeckt
Eigentlich sollten die Arbeiten am neuen Festungspark Kaiser Franz längst abgeschlossen sein. Die notwendige Sanierung der Brüstungsmauer und die Wegebauten sind fertig. Verzögert hat sich der Abschluss der Arbeiten durch den teilweisen Einbruch eines unterirdischen Gangsystems und der Entdeckung des bislang als zerstört geglaubten Kriegspulvermagazines Nummer 3. Der Fund wurde in Begleitung von Denkmalpflegern und Archäologen dokumentiert und eine Sanierung und Sicherung beschlossen.
Bis Ende des Jahres abgeschlossen
„Niemand hatte damit gerechnet, dass das unterirdische Kriegspulvermagazin noch erhalten ist, als vermutlich letztes in Koblenz“, sagt Karkosch. Es soll künftig für Führungen geöffnet werden. Auch die unterirdischen Gänge sollen durchgehend begehbar werden. Dafür müssen aber einzelne Abschnitte instand gesetzt werden. Teilbereiche wurden auf Druck der Franzosen von der eigens dafür eingerichteten Entfestigungskommission in den 1920er Jahren gesprengt, um die Gänge unbrauchbar zu machen. Diese Schäden werden derzeit saniert und größere fehlende Abschnitte in moderner Bauweise aus Beton nachempfunden. Ist dies abgeschlossen, kann voraussichtlich ab Spätsommer der neue Festungspark entstehen. Bis Ende des Jahres will der Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen die Erd- und Pflanzarbeiten abgeschlossen haben, und die neue Erholungsfläche den Koblenzerinnen und Koblenzern übergeben.
Vom Bund gefördertes Projekt
Der neue Festungspark Kaiser Franz ist Teil des Förderprojekts „Großfestung Koblenz“. Die Planung stammt vom Berliner Landschaftsarchitekten Franz Reschke, dessen Konzept auch die Freilegung und Nutzbarmachung der Festung Asterstein umfasst. Die Bauarbeiten unter der Projektleitung des Eigenbetriebs Grünflächen- und Bestattungswesen begannen mit einem symbolischen Spatenstich im November 2018 zum neuen Festungspark Fort Asterstein, im Oktober 2019 wurde dort Eröffnung gefeiert. Das Gesamtvorhaben wird im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ mit 2,65 Millionen Euro gefördert. Der Bund übernimmt mit 90 Prozent den Großteil der Kosten. Den Rest trägt die Stadt Koblenz.
Pressemitteilung Stadt Koblenz
