Linzer Stadtsoldaten luden zu ihrem 30. Manöverball am Samstagabend ins Hotel Weinstock
Prinz Paul III. „vun de Fanfare“ zündete eine Reihe von Highlights
Linz. Mit der bekannten Mega-Karnevalsparty des rut-wiessen Stadtsoldatencorps im Hotel Weinstock, dem 30. Manöverball, begann am Samstag die erste Linzer Veranstaltung der Fünften Jahreszeit im neuen Jahr. „Junge und jung gebliebene Karnevalisten sorgen wieder für super Stimmung und haben Spaß und ausgelassene Feierlaune bis in die frühen Morgenstunden“, sagten die Gastgeber voraus. Allerdings musste sie sich etwas gedulden, bis in dem mit rut-wiessen Luftballon-Girlanden dekorierten Saal die gewohnt-familiäre Enge herrschte. „Wir waren früher immer vom ersten Moment mit dabei“, erinnerte Pressewart Ferdinand Ehrenberg wehmütig an die Zeiten, als sich bunt kostümierte schon vor dem Einlass an der Saaltür knubbelten, während immer weiter Jecken aus allen Himmelsrichtungen Richtung Weinstock pilgerten, um ja nicht das Event zu verpassen, das Stadtsoldaten-Kommandant Martin Scherer am 11. Januar 1986 aus der Taufe gehoben hatte für all jene Karnevalsjecken, die nicht unbedingt auf närrische Sitzungen standen. „Heute gehen die jungen Leute immer später auf die Feten“, bedauerte Ferdinand Ehrenberg.
Dann aber kamen sie doch die vielen Clowns unterschiedlichster Couleur, die Marienkäfer und Bienchen, die vor dem kalten Januarabend in den Saal geflüchtet waren, um dort behagliche Körperwärme zu suchen. Eher unnahbar gab sich dagegen die französische Comtesse, die aus Versailles angereist zu sein schien, während Wickie ohne seine starken Männer auf der großen Fahrt den Halt in der Bunten Stadt am Rhein nutzt, um den kölschen Fastelovend kennen zu lernen.
„Ich komm nicht aus Amerika, ich komm aus der Stadt mit K“, erklärte entsprechend DJ „Tenchu“ mit de Kasalla-Hit den beiden lustigen Inderinnen mit und ohne drittem Auge. Aus dem Pazifik warem Freibeuter angereist, die Eingeborene von den Sandwich-Inseln im Schlepptau hatten. Deren Hulu-Mädchen verführten hartgesottene Security-Männer, ja selbst Scheichs aus dem Orient zu dem „Querbeat“-Versprechen: „Nie mih Fastelovend ohne dich!“ Da weibliche Jecken vor dem Einzug der Stadtsoldaten unübersehbar in der Mehrzahl waren, liefen märchenhafte Froschköniginnen und gestiefelte Kätzchen Gefahr, ohne Herzens-Prinzen feiern zu müssen.
Da hatte eine Manöverball-Schöne in weiser Voraussicht gut vorgesorgt und ihren Chefkoch gleich mitgenommen, dem sie aber klagte: „Alles was ich will, ist verboten, macht zu dick oder kostet zu viel.“ Angst noch zuzulegen, musste Obelix nicht haben, hatte der Gallier doch statt eines Keilers ein niedliches Häschen erbeutet. War es Zufall oder der Hinweis auf eine nötige Organspende, dass zwei Chirurgen frisch weg von der OP just in dem Moment den Saal betraten, als die „Discover“-Saalband den Höhner-Hit „Schenk mir dein Herz“ anstimmte. Das interessierte den blutrünstigen Graf Dracula weniger, der sich langsam an zwei weibliche Charlie Chaplins heranpirschte.
Etliche Bayern in blau- oder rot-weiß karrierten Hemden über krachledernen Kniebundhosen frohlockten mit dem Münchener Dienstmann Alois, als „Discover“ echte Wiesn-Musi spielte, bis Markus Mollberg dann endlich seinen Musikzug aufstellte, hinter dem die Stadtsoldaten um ihren Kommandanten, Markus Paffhausen, mit ihrem Tanzpaar, Svenja Mülller und Sebastian „Mesi“ Mesenholl, einzogen. Mit „Kölle, do versteihs mich. Du bist meine Liebe, meine Stadt und mein Verein“, outeten sich die zwei nach einem ersten dreifachen Alaaf, das aber durchaus noch ausbaufähig war, als „Domstürmer“. Dann schlug die große Stunde von Stefan Reuter, der nicht nur Michael Degen als Kommandanten-Adjutant, sondern auch Jan Eric Burkard als Frontman des Musikzugs vertrat. „Rut un wiess, wie lieb ich dich“, gestand er mit den Bläck Fööss, die schon längst wussten: „Mer bruche keiner, keiner dä uns sät, wie mer Fasteloovend fiere deit!
Zu dem gehört unweigerlich en Prinz als Narrenführer, den nicht nur Ex-Weinköniginnen und -prinzesinnen aus der Bunten Stadt und der Umgebung sehnsüchtig erwarteten. Sogar glitzernde „Diamonds“ aus Unkel waren zu Ehren von Paul III. „vun de Fanfare“ angereist. Der aber machte es spannend und ließ auf sich warten. Selbst Neil Diamonds „Sweet Caroline“ konnte ihn nicht bewegen, sich der Narrenschar zu zeigen, die längst in dem proppenvollen Saal bekannte: „Das ist Wahnsinn! Hölle, Hölle, Hölle!“ Erst als „Discover“ mit Mickie Krause mutmaßte, man brauche noch „1, 2 Bier“, damit der Prinz wieder schön sei, ließ Michael Weinberg kurz angesichts einer solchen Majestätsbeleidigung kurz nach 22.30 Uhr die „Fanfaren“ des TV Linz einziehen. Diesen folgte, die Pritsch ausgelassen schwenkend, sein Vorgänger, Paul III., aus dem Haus Kremer, zusammen mit seinen Adjutanten, Terminator Michael Degen und Penningszäller Johannes Euskirchen. Das Dreigestirn genoss sichtlich das Bad in der Menge, bis das royale Mitglied der Stadtsoldaten von der Bühne aus den Befehl zu einem dreifach donnernden Alaaf gab, nachdem der Prinz sein Motto: „Mir all sin Linzer Karneval“, verkündet hatte. Über Tisch und Bänke, so denn vorhanden, wär die Narrenschar gegangen, für die es kein Halten mehr gab, als Paul III. mit seinen Adjus das Prinzenlied: „Wenn mir Jecke durch die Stroße trecke, mit Musik vill Freud un Spaß. Wenn mir Jecke durch die Stroße trecke, jewwe mir su richtich Jas! Dat is echte Karneval. Dreimol Linz Alaaf.“ Da hatte sich längst in die rut-wiesse Herrlichkeit die Farben des Husarencorps Grün-weiß von Kommandant Nihat Kökce gemischt, dessen weit über die Grenzen von Linz bekannten Tanzgruppe um das Tanzpar Nadja Klein und Genadi „Günni“ Winnkes für den nächsten Höhepunkt des Manöverballs sorgte. „Außerdem erwarten wir auch noch die Weltmeister vom Tanzcorps Rot Weiß Vettelschoß und schließlich als akustisches Highlight den Auftritt der Band ‚de Köbesse‘ mit Frontman Roger Moore, mit der die Jecken he im Saal hu noh dä Stääne fleeje werden, war sich Ferdinand sicher.
DL
