Julia Klöckner (CDU) nimmt Flüchtlings-Geschenk für die Kanzlerin in Empfang
Prominente „Postbotin“ holt Skulptur für Angela Merkel ab
Paket löste Polizeieinsatz in Naunheim aus - Holzrelief soll Bundeskanzlerin bei Klausurtagung übergeben werden
Naunheim. Als der Iraner Mohammad Taherinia am 27. Dezember des vergangenen Jahres zur Poststelle Naunheim geht, hat er nichts Böses im Sinn: Er will Bundeskanzlerin Angela Merkel das Kunstwerk zukommen lassen, an dem er zwei Jahre gearbeitet hatte. Doch der Name des Absenders löste, in Kombination mit der Adressatin, Unbehagen bei einer Postangestellten aus – kurzerhand alarmierte sie die Polizei. Nachdem ein Sprengstoffspürhund das rund 15 Kilogramm schwere Paket aus Bananenkarton ausgiebig beschnüffelt aber nicht angeschlagen hatte, öffnete es der Absender Mohammad Taherinia unter den Augen der Beamten: Zum Vorschein kam ein kunstvoll geschnitztes, symbolträchtiges Holzrelief namens „Gut Gefühl“ , mit dem sich der Iraner ganz persönlich bei Angela Merkel dafür bedanken wollte, dass er mit seiner Familie in Deutschland Zuflucht gefunden hat. Am vergangenen Freitag kam nun die Landes- und Fraktionsvorsitzenden sowie stellvertretende CDU–Bundesvorsitzende Julia Klöckner in Begleitung der CDU–Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil eigens nach Naunheim, um die Arbeit des Künstlers entgegenzunehmen. Zum Treffen mit Taherinia hatten die beiden Frauen Zeit und Kuchen mitgebracht: „Erzählen Sie uns mal Ihre Geschichte, ich würde gerne wissen, wo Sie herkommen und was Sie erlebt haben. Und was es mit dem Bild auf sich hat“, lud Julia Klöckner Mohammad Taherinia ein. Das Relief solle die aktuelle politische Situation widerspiegeln, erklärte der Iraner. Die Farben seien eine Kombination aus den deutschen und syrischen Nationalfarben. Ein Kopf mit zwei Gesichtern, die jeweils ihren Nationen zugewandt, dennoch „aus einem Holz“ geschnitzt seien. Hände umgreifen die Schnitzerei: Die syrische sei die größere, denn sie brauche die Hilfe. Unterhalb des Reliefs befindet sich ein Sinnspruch:
„Die Menschenkinder sind ja alle Brüder, aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder, hat Krankheit nur einzig Glied erfasst, so bleibt anderen weder Ruh noch Rast. Wenn anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt, verdienst du nicht das man noch Mensch dich nennt“
Die Frage Klöckners, ob er den Rummel um das Paket verstehen könne, bejaht der Künstler klar, bedauerte aber gleichzeitig, dass der Name „Mohammad“ aufgrund der aktuellen Lage derart in Misskredit geraten sei. „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir nicht alles in einen Topf werfen“, resümierte Julia Klöckner, „die Sicherheitsfragen auf der einen Seite: Es gibt Menschen, die es nicht gut meinen mit unserem Land. Und es gibt Menschen wie Mohammad Taherinia und seine Familie, die sich einfach bedanken wollen, dass sie so offenherzig aufgenommen worden sind. Es wäre schade, wenn solche Gesten untergehen würden.“ Sie finde die Aktion des Iraners sehr beeindruckend, weil sie vor allem authentisch sei. Trotzdem sei sie der Ansicht, dass alle Beteiligten gut reagiert hätten: „Die Poststelle hat richtig gehandelt, nämlich umsichtig. Auf der anderen Seite ist aber jemand da, der einfach ein Geschenk abgeben möchte und da haben wir gesagt: Das bringen wir zusammen.“ Sie halte wenig von den „Keulen“, die teils von den Medien aber auch von politischen Mitbewerbern gerne genutzt würden: „Das eine ist eine Stigmatisierung - das andere der Untergang des Abendlandes, solche Polarisierungen helfen uns gar nicht weiter“, ist sie überzeugt. Bei der Klausurtagung im Saarland am kommenden Wochenende wird Julia Klöckner Mohammad Taherinias Geschenk Angela Merkel überreichen. -SOT-
Mohammad Taherinia übergibt das Präsent für die Bundeskanzlerin an die Überbringerin CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner.
Das Geschenk für Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte großes Medieninteresse ausgelöst.
