Allgemeine Berichte | 12.10.2016

Fragen an den Vizebürgermeister von Rheinbach, Claus Wehage

Quo vadis Rheinbacher Karneval?

„Der Karneval soll zu den Bürgern kommen und nicht auf die Bürger warten“

Einen vollen Saal, so wie hier in Wormersdorf, wünscht sich jede Karnevalsgesellschaft.Archiv Stein

Rheinbach. Nicht mehr lange und die „fünfte Jahreszeit“ steht wieder vor der Tür. Die Karnevalsvereine in der Kernstadt und in den Ortschaften stecken mitten in den Vorbereitungen der Veranstaltungen und Sitzungen. Tollitäten der kommenden Session 2016/2017 stehen fest und sind vorgestellt worden. Rheinische „Größen des Karnevals“ mussten rechtzeitig für Auftritte gewonnen werden.

Die Vorfreude bei den Karnevalsjecken steigt, ebenso wie die Hoffnung der Vereinsvorstände auf ein volles Haus. Das ist nötig, um die Honorare und die organisatorischen Kosten abdecken zu können. Leider war in letzter Zeit aber zu beobachten, dass die Teilnahme aus der „breiten Bevölkerung“, vor allem die der jungen Leute, nicht immer den Erwartungen entsprach. Befreundete Vereine aus nah und fern sorgten mit ihren Abordnungen aber für ein freundlich-stimmungsvolles Bild.

Dennoch ist es vielleicht sinnvoll, sich einmal grundsätzlich Gedanken darüber zu machen, wie man vorhandenes Interesse am heimischen Karneval in „Mitmachen“ besser umsetzen kann.

Einer, der sich mit solchen Überlegungen trägt, ist der Rheinbacher Vizebürgermeister Claus Wehage - selbst ein „Nordlicht“, aber seit über 40 Jahren mit dem Karneval verbunden, treues Mitglied in allen Kernstadt-Karnevalsvereinen und stetiger Gast auf den Sitzungen, auch in den Ortschaften. Wie sieht er Entwicklungen des karnevalistischen Brauchtums?

Herr Wehage, Sie fühlen sich schon lange mit dem rheinischen Brauchtum verbunden. Ist der Karneval noch attraktiv genug?

Als typisches Nordlicht war ich mit unseren Bräuchen wie Grünkohlessen, Boßeln, Klootschießen und Besenwerfen so vertraut wie ein Rheinländer mit Karneval. Ich habe mich in Rheinbach anfangs etwas zögerlich, später aber mit zunehmendem Interesse auf den Karneval eingelassen.

Die Rheinbacher Karnevalsvereine leisten eine wirklich großartige Arbeit über das ganze Jahr, nicht nur in der Session. Sie tun das nicht für sich selbst, sondern wollen mit dem Ergebnis ihrer Bemühungen Jung und Alt Freude bereiten und deren eigenen Frohsinn wecken. Sie stehen dabei - auch in der Karnevalszeit - im Wettbewerb mit zahlreichen interessanten Unterhaltungsangeboten auf anderen Gebieten. Und: Karneval gibt’s auch im Fernsehen, und dort tummeln sich dann bekannte Profis.

Eigene Kräfte einbeziehen

Ich zweifle (ich weiß: im Gegensatz zu anderen), ob solche Zugpferde auch hier in Rheinbach zu mehr Bürgerbeteiligung führen. Ich glaube, dass eher die Förderung und Einbeziehung eigener Kräfte in Karnevalsprogramme zielführend ist wegen ihrer Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, Ereignisse und Persönlichkeiten, die sie bei ihren Auftritten berücksichtigen können. Die Landsturmsitzungen und Veranstaltungen in einigen Ortschaften sind gelungene Beispiele dafür. Mir gefällt auch manche Gruppe nicht, die nur „normale“ Rock- und Popmusik (re)produziert statt eines karnevalsbezogenen Musikprogramms.

Der Rheinbacher Karneval ist durchaus noch attraktiv; man muss sich nur hinter’m Ofen wegbewegen und ihn vor Ort erleben. Und: Perfektion à la TV kann auch langweilig sein!

Was würden Sie tun, um noch mehr Bürger zur Teilnahme an Karnevalsveranstaltungen zu animieren?

Die Zahl der Veranstaltungen - Proklamation, Prunksitzung, Biwak und Empfang - ist recht üppig und führt zwangsläufig vor allem in kürzeren Sessionen zu etlichen Terminkollisionen. Diese müssten, soweit möglich, durch rechtzeitige Absprachen der Vereine vermieden werden. Vielleicht lässt sich auch ohne „Gesichtsverlust“ aus zwei Veranstaltungen mal eine machen! Die Stadt müsste bei Anfragen darum bitten, dass andere Veranstalter ihre terminlichen Wünsche an der Karnevalshochzeit ausrichten. Auch das wird nicht immer klappen.

Auch außerhalb der Session in Erscheinung treten

Außerhalb der Session sollten sich die Vereine zum Beispiel an verkaufsoffenen Sonntagen zeigen - mit Informationen, Auftritten und Angeboten. Motto: Der Karneval muss zu den Bürgern kommen, nicht nur auf die Bürger warten! Presse- und Öffentlichkeitsarbeit über das Jahr verstärken, zum Beispiel Einladung von Journalisten zu einer Tanzprobe der Garden. Verschiedene Vereine könnten kooperieren, zum Beispiel ein Karnevalsverein mit einem Sportverein. Beide profitieren davon, unter anderem durch gegenseitige Teilnahme an Veranstaltungen. Die enge Zusammenarbeit der Rheinbacher Schützen mit dem Rheinbacher Spielmannszug ist ein gutes Beispiel hierfür.

Nichts aber ist so effektiv wie die persönliche Ansprache. Jeder hat gute Bekannte, ist in einem Kegelclub, stählt sich in einem Fitness-Center, hat nette Nachbarn: Warum also allein zu einer Karnevalssitzung gehen? Fragt in diesem Kreis, wer mitgehen möchte. So ein Engagement trägt oft Früchte.

Was wünschen Sie sich, wenn Sie an Karneval denken?

Wir reden hier von Brauchtum. Ich habe die (wahrscheinlich zu hoch gegriffene) Vorstellung, dass Brauchtum von Elternhaus, Kindergarten und Grundschule den Kindern altersgerecht nahe gebracht wird: Wo lebst Du? Was bedeuten Maibaum, Martinszug, Weihnachtsmarkt, Kirmes, Karneval und so weiter? Karnevalsvereine übernehmen - wie andere Vereine auch - eine gesellschaftliche und soziale Aufgabe. Sie erziehen junge Menschen unter anderem zu gegenseitiger Toleranz, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, dazu, sich zu behaupten, und stärken sie durch ihre Leistungen im Verein in der Persönlichkeitsentwicklung. Dafür sollten wir ihnen danken, und ich möchte das hier gerne tun!

Meine Wünsche habe ich schon öfter in Karnevalsreden dem staunenden Volke mitgeteilt: Ich wünsche, dass die Karnevalsvereine in Stadt und Ortschaften weiterhin zusammenhalten. Bei unterschiedlicher Größe, Struktur und Gestaltungsmöglichkeit soll das gemeinsame Ziel, die Bürgerinnen und Bürger mit den schönen, frohen Seiten des Lebens zu verwöhnen, vereinen.

Nach Rheinbach statt ze Foß no Kölle jonn

Ich wünsche mir, dass der Rheinbacher Karneval sich noch mehr auf eigene Wurzeln besinnt: mehr eigene Kräfte, mehr Lokalkolorit in Text und Musik.

Nichts gegen Köln, aber ich höre nicht so gern „Eenmol Prinz ze sin in Kölle am Rhin“, während wir für Rheinbach auf der - nicht selten vergeblichen - Suche nach Tollitäten sind.

Und schließlich: Mir wäre es lieber, die Leute würden nicht ze Foß no Kölle jonn, sondern zu Karnevalsveranstaltungen in Rheinbach.

Das Gespräch führte

Norbert Stein

Karneval soll zu den Bürgern kommen, nicht nur wie hier beim Zug in Rheinbach.

Karneval soll zu den Bürgern kommen, nicht nur wie hier beim Zug in Rheinbach. Foto: Picasa

Jeder soll einen Nachbarn oder Freund zur Sitzung mitbringen.

Jeder soll einen Nachbarn oder Freund zur Sitzung mitbringen. Foto: Picasa

Einen vollen Saal, so wie hier in Wormersdorf, wünscht sich jede Karnevalsgesellschaft.Fotos: Archiv Stein Foto: Picasa

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