2018er Dreikönigstreffen der Winzer an Rhein und Mosel
Rebschutz, Jungwein und Artenvielfalt waren aktuelle Schwerpunktthemen
Ist der Einsatz von Drohnen eine Vision für die Zukunft?
Dieblich. Für die Winzer in der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel beginnt das Jahr traditionsgemäß mit dem Dreikönigstreffen der Winzer im Hotel Pistono in Dieblich. Auch diesmal sah die Tagesordnung aktuelle Themen vor, die geprägt waren von den Herausforderungen im Jahr 2017 und der Zukunft im Weinbau. Viele Winzer und Winzerinnen waren der Einladung von Verbandsbürgermeister Bruno Seibeld gefolgt, der in seiner Begrüßung darauf hinwies, dass es diese Veranstaltung schon seit 1950 gibt. Bis zum Jahr 2014 trafen sich nur die Moselwinzer, nach dem Zusammenschluss mit der Verbandsgemeinde Rhens, stießen auch die Weinbauern vom Rhein hinzu. Bruno Seibeld dankte allen, die an der Gestaltung und Ausarbeitung der Tagesthemen mitgearbeitet hatten.
Drone - Vision für die Zukunft
Schon das erste Referat erlangte die volle Aufmerksamkeit der Anwesenden, die dem Referenten Mathias Porten (DLR Mosel) gespannt folgten. Er widmete sich dem Thema: Drohne – Vision für die Zukunft des Rebschutzes in den Steillagen. Noch im vergangenen Jahr war die Meinung über den Spritzeinsatz der Drohne im Weinberg eher negativ. Im Film demonstrierte Mathias Porten eindrücklich den Einsatz eines Oktokopters. Auch in den steilsten Lagen zeigte sich, dass eine Spritzung mit wenig Aufwand möglich ist, ferngesteuert – aber immer auf Sicht geflogen. Noch ist das Ergebnis nicht ideal, da die gesetzlich vorgeschriebene Düse nicht die Blattunterseite trifft. Es ist ein Projekt, in dem verschiedene Einsatzmöglichkeiten und Modelle geprüft werden. Einige der Drohnen-Modelle waren zu schwer, am besten schnitt die Drohne der Firma DJI ab, die in der Anschaffung zirka 15.000 Euro kostet. Diese wurde in der Praxis geprüft, ein Forschungsantrag gestellt, der genehmigt wurde. Der DLR Mosel rechnet mit einem Zeitraum von drei bis vier Jahren, bis mit Genehmigung des Einsatzes zu rechnen ist. Tatsache ist, ohne Spritzung ist ein Rebschutz nicht möglich. Wichtig ist aber, diese so umweltfreundlich wie möglich durchzuführen. Mathias Porten sieht den Einsatz der Drohne beim Rebschutz als Vision für die Zukunft. Er machte darauf aufmerksam, dass „Schwarzflieger“ den zukünftigen Einsatz gefährden können und das Fliegen auf Sicht unbedingt nötig ist: „Um die Angst der Menschen und die Gefährdung zu minimieren.“ Aus der Winzerschaft kam die Frage, ob der Einsatz der Drohne auch auf kleinen Flächen und in Weinbergen, die Felsen und Mauern aufweisen, möglich ist. Auch dieser Frage wird im Projekt nachgegangen. Geduld ist gefragt, bis sich klärt, welche Chance die Drohne beim Rebschutz im Steillagenweinbau hat. Den Herausforderungen des aktuellen Jahrgangs 2017 ging Achim Posch (DLR Mosel) nah.
Große Varianz beim 2017er
Er zeigte die Problemfelder dieses Jahrgangs auf, demonstrierte anschaulich die aufgetretenen Schäden und erläuterte, wie diese Weine unter Umständen „fitter“ gemacht werden können. Der 2017er zeichnet sich durch eine große Varianz aus, beispielsweise konnte an einer Traube oben reife, in der Mitte faule und unten unreife Beeren gewachsen sein. Wie damit umgehen? Achim Posch mahnte die Winzer, vor Einsatz von Mitteln und Verschnitt jeden Wein separat zu probieren: „Verschlechtern Sie sich nicht mit einem Wein den gesamten „Keller“!“ Er zeigte auf, wie gegen Graufäule, Penicillium & Co vorgegangen werden kann, aber: „Schönungsmittel sind keine Wundermittel und können nicht alles! Bitte holen Sie vorher Rat beim Experten.“ Aus dem Weinkeller in die Natur führten die Referenten Anne Buchsbaum-Sehn vom Winzer- und Bauernverband Rheinland-Nassau e.V. und Thomas Ibald, der seit zwei Jahren zertifizierter Naturerlebnisbegleiter ist. „Steillagenweinbau schafft Vielfalt – Das Moselprojekt“ ist ein Projekt, das gefördert wird vom Bundesamt für Naturschutz. Es ist eine Kooperation von Steillagen-Winzern und Naturschutzfachleuten, mit dem Miteinander von ökonomisch erfolgreichem Weinbau und biologischer Vielfalt als Ziel.
Einsatz für die Artenvielfalt
Winzer werden aufgerufen, sich für die Artenvielfalt von Flora und Fauna einzusetzen. Seine „Gedanken“ zur Artenvielfalt und zum Steillagenweinbau führte Thomas Ibald sehr engagiert aus. Er ist als Steillagennebenerwerbswinzer, als Ausbildungsberater für den Beruf Winzer und als Naturerlebnisbegleiter auch Teilnehmer am Moselprojekt. Gemeinsam mit seiner Frau bildete er sich in über 80 Unterrichtsstunden in Bernkastel-Kues zum Naturerlebnisbegleiter aus. Ein breit gefächertes Spektrum von Themen, nahe gebracht von fachlichen Spezialisten, brachten ihm die Besonderheiten der Artenvielfalt im Moselgebiet nahe. Ihm blieben vor allem drei Erkenntnisse im Gedächtnis: die Existenz einer in Europa einzigartigen Artenvielfalt in der Region, die Erkenntnis zu wenig über die Ökologie zu wissen und die große Verantwortung der Winzer für den Erhalt dieses Systems. „Niemand wird bestreiten, dass sich der Umweltgedanke in den letzten Jahren positiv verändert hat“, so Thomas Ibald, „doch zeigen die aktuellen Diskussionen um den Einsatz von Glyphosat oder die Meldungen über einen massiven Insekten- und Vogelbestandrückgang, dass etwas nicht im Gleichgewicht ist!“ Er plädierte für den kontrolliert ökologischen Weinbau und die Ausrichtung auf den Erhalt der Artenvielfalt: „Die Rebsorte unserer Region muss Riesling heißen! Auch in Zeiten des Klimawandels hat er das Zeug, auf Schiefer einzigartige Weine hervor zu bringen.“ Dem Dank fürs Zuhören fügte er den Wunsch hinzu, dass möglichst viele über seine Ausführungen nachdenken. Infos über das Moselprojekt gibt der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V. unter Moselprojekt@bwv-net.de und der Weinbauverband Mosel, vertreten durch Geschäftsführer Gerd Knebel unter Knebel@bwv-net.de. Gerd Knebel war der letzte Referent des Tages, der sich den Themen Neuausrichtung im Weinbezeichnungsrecht und Neues vom Weinbauverband widmet. Im Anschluss seiner Ausführungen nutzte die Winzerschaft die Möglichkeit zur Aussprache.
EP
Dem Thema „Drohne - Vision für die Zukunft“ widmete sich Referent Mathias Porten.
Mit Beifall bedankte sich die Winzerschaft für die Ausführungen von Achim Posch, der über den 2017er referierte.
