Allgemeine Berichte | 13.09.2024

„Récreation“- Musik in der Tradition der Wandelkonzerte

Ulrike Friedrich, Robert Nikolayczik, Johannes Geffert, Almut Nikolayczik, Begrüßug durch Dagmar Brandstetter.  Foto: Werner Dreschers

Aremberg. Zu einem Konzert hatte der Förderverein Burgruine Arenberg e.V. am Tag des offenen Denkmals eingeladen. In der Pfarrkirche St. Nikolaus in Aremberg fand das 9. Aremberger Hofkonzert statt, setzte sich im Turm auf dem Aremberg fort.

Das diesjährige Konzert stand unter dem Motto „Récreation“.

Die Musiker und Musikerinnen der Aremberger Hofmusik, Ulrike Friedrich

(Traversflöte), Almut Nikolayczik (Barockvioline), Robert Nikolayczik (Viola da

Gamba) und Johannes Geffert (Cembalo) spielten zum Auftakt von Andreas Hammerschmidt (1611-1675) „Canzon in C aus „Erster Fleiss“ für zwei Diskante und Basso continuo. Hammerschmidt war musikalisch vielfältig begabt, er soll es durch seine Aufführungen sogar einem beachtlichen Wohlstand gebracht haben.

Es folgten aus der „Deuxieme récreation de musique“ op.8 von Jean Marie Leclair mehrere Sätze. Leclair war ein berühmter Violinvirtuose, er galt als einer der besten Frankreichs. Erholung und Entspannung durch Musik versprach dieser Titel, bei Leclairs Zeitgenossen J.S. Bach hieß es in ähnlicher Absicht „Zur Gemüthsergötzung“, vielleicht würde man heute den Begriff „Relaxen“ verwenden?

Die historisch wertvolle Ausstattung der Pfarrkirche in Aremberg tut ein Übriges zum Erleben hochwertiger Musik, die eben auch mal einen leichten und unterhaltsamen Charakter haben darf.

Nach dem Aufstieg zum Turm auf dem ehemaligen Schloss- und Burggelände erklangen Werke von Eustache du Courroy (1549-1609), die „Fantaisie 29 sur une jeune fillette“. Du Courroy war Sänger am Hofe mehrerer französischer Könige, später avancierte er zum Hofkapellmeister. Seine berühmte Missa pro Defunctis wurde fester Bestandteil der königlichen Trauerfeierlichkeiten zu bourbonischer Zeit.

Von Heinrich VIII. von England, einem in mancher Hinsicht bemerkenswerten König, erklang „Consort Nr. 8, Blow thy horn hunter“. Der unberechenbare Despot war ein Musikliebhaber, er spielte und komponierte selbst; indes mag dies nicht in Vergessenheit geraten lassen dass er zig-tausende seiner Untertanen in den Tod schickte und sich auch von zweien seiner zahlreichen Frauen eher unelegant verabschiedete: Er ließ sie hinrichten. Der König galt als sehr schlau, aber auch verschlagen, der vielseitig Begabte liebte das Repräsentieren, und hatte einen Hang zur Maßlosigkeit. Ihm war es letztlich vorbehalten den historischen Schritt der Trennung zum Papst zu vollziehen und die anglikanische Kirche zu gründen.

Weiterhin wurden Werke von Johann Schop (1590-1667), „Paduana und Galliarda“, zu Gehör gebracht. Selbst begnadeter Violinist und Komponist, galt Schop als bedeutendster Musiker des frühen 17. Jahrhunderts in Hamburg.

Die im Turm aufgeführten Werke stammen aus der Zeit, als das Geschlecht der Aremberger noch selbst auf dem Aremberg lebte. Die Archive im Schloss Enghien/Edingen in Belgien bergen noch eine Fülle anspruchsvoller Musikliteratur, die es aufzuarbeiten gilt.

Robert Nikolayczik moderierte die Werke souverän und humorvoll. Herzlicher Dank an die Aufführenden, die zum wiederholten Male für Wohlklang in Aremberg gesorgt haben. Dagmar Brandstetter und Christa Hollmann unterstrichen die Bedeutung dieses Kulturformats für die Region.

Die Arenberger Hofkonzerte sind zu einem festen und beliebten Begriff in der Kulturszene der Region geworden. Mit Freude warten alle auf das kleine Jubiläum, auf das 10. Konzert der Reihe , im kommenden Jahr. Sicher werden die Musiker sich etwas Besonderes einfallen lassen. WD

Ulrike Friedrich, Robert Nikolayczik, Johannes Geffert, Almut Nikolayczik, Begrüßug durch Dagmar Brandstetter. Foto: Werner Dreschers

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Lampionfest in Weißenthurm
Lampionfest der Feuerwehr Weißenthurm
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0366#
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige Reinigungskraft
Anzeige Fahrzeugsegnung
Tag der Architektur im Steigenberger Hotel Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Die vulkanische Geschichte der Eifel lässt sich im Lava-Dome spielerisch entdecken. Foto: Dominik Ketz
250

Wer glaubt, Vulkane gäbe es nur auf Island oder in Italien, hat die Rechnung ohne die Eifel gemacht. Im Lava-Dome in Mendig wird schnell klar: Auch hier ging es einst verdammt heiß her! Das Deutsche Vulkanmuseum entführt seine Besucher auf 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte. Klingt staubtrocken? Von wegen! 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte.

Weiterlesen

In der ehemaligen Ahrweiler Synagoge diskutierten (von links) Nick Falkner, Ulrich van Bebber, Susanne Bell und Dr. Martin Wein.
251

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wie hat die Flut den Zusammenhalt im Ahrtal verändert. Welche Konflikte bestehen noch? Wo trägt bürgerschaftliches Engagement weiterhin? Wo brauchen Menschen, Vereine und Kommunen mehr Unterstützung? Und was muss Politik aus dieser Katastrophe lernen, damit Warnketten funktionieren, Zuständigkeiten klar sind und der Staat im Krisenfall schneller handeln kann?

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 11
152

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Kolpingsenioren Gladbach
2856

Kolpingsenioren Gladbach

Moin - Ostfriesland

Gladbacher Kolpingsenioren „bi de Friesen“. Nee, nicht in Nord- sondern Ostfriesland ist das Ziel. Der ruhende Pol ist der Ostfriesen-Hof in Leer. Von hier erkunden wir Senioren Ostfriesland

Von Hans-Josef Richter aus Bendorf-Sayn

Weiterlesen

Trotz der Hitze: gute Stimmung und Gespräche beim fairen Frühstück vor dem Andernacher Rathaus
869

Fairtrade Frühstück Andernach

Fairtrade Frühstück in Andernach

Andernach. Mit einem fairen Frühstück vor dem Historischen Rathaus hat die Stadt Andernach erneut ein sichtbares Zeichen für mehr globale Gerechtigkeit und nachhaltigen Konsum gesetzt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, gemeinsam zu frühstücken und dabei mehr über die Bedeutung fair gehandelter Produkte zu erfahren.

Von Hans-Georg Hansen aus Andernach

Weiterlesen