Möntenicher Hofnarren-Ensemble begeistert sein Publikum
Regenschauer und Lachtränen lösen sich ab
Möntenich. Wenn aus einem Dreiakter kurzfristig ein Zweiakter wird, liegt das in der Regel am Regisseur. Nicht so beim neuerlichen Auftritt des Ensembles Möntenicher Hofnarren, die zur Premiere ihrer neuen Komödie „Eine Sprachbox namens Alessa“ ins Gehöft von Ernst & Rosi Loch eingeladen haben. Hier liegt es definitiv an den äußeren Bedingungen.
Zwar steht die erste Vorstellung nach einer gelungenen Generalprobe unter einem guten Stern, ab 21 Uhr dann aber auch unter einem von Wolken geschwärzten Firmament. Da helfen irgendwann auch die zuvor ausgegebenen Regencapes nicht mehr, denn zur sich entladenden Gewitterzelle gesellen sich noch heftige Sturmböen.
„Wir spielen auf jeden Fall weiter“, heißt es vom engagierten Ensemble nach ungefähr 20 Minuten Zwangspause. In dieser Zeit haben sich die Zuschauer schützend in Lochs Scheune und unter ein Zeltdach neben der Bühne begeben. Und tatsächlich starten die Darsteller im Anschluss erneut mit der Wiederholung der letzten Szene, nach dem wetterbedingten Abbruch im zweiten Akt. Letzterer verschmilzt dann ohne weitere Pause mit dem dritten und letzten Akt, da erneut Regen einsetzt. Pitschnass aber glücklich, präsentieren sich die Laienschauspieler auf ihrer Freiluftbühne nach dem letzten Vorhang. Zwar war ihnen das Eifelwetter diesmal nicht hold, jedoch tat dies der guten Laune weder bei ihnen noch beim Publikum einen Abbruch. Auch dieses nahm den deftigen Segen von oben mit Humor.
Mit Letztgenanntem trefflich bestückt, präsentiert sich auch das neuerlich aufgeführte Bühnenstück von Beate Irmisch, bei dem einmal mehr Marita Theobald den Taktstock der Regie in ihren bewährten Händen hält. Dabei verdient sich neben den hervorragend agierenden Mundartaktiven vor allem auch das Bühnenbild Extrapunkte, das den Eindruck einer Millionärsunterkunft vermitteln soll.
In den Mittelpunkt der Geschichte rückt zur Freude des Publikums die Sprachbox Alessa (Katja Jischke), die offensichtlich als einziger Bühnenaktiver über ein Quäntchen Grips zu verfügen scheint. Alle anderen Protagonisten scheinen diesbezüglich nicht normgerecht beschlagen zu sein. Aus besagter Villa machen sich Elmar und Edith Hoppenstedt (Achim Jischke u. Tanja Knieper) auf den Weg in den getrennten Urlaub. Zumindest geben sie das vor, obwohl sie sich in Wirklichkeit beide einer Affäre mit neuen Partnern widmen wollen. Dabei wähnt Edith ihren Gatten beim Wandern in den Bergen und er seine Frau beim Sonnen am Nordseestrand. Tatsächlich kehren beide kurz nach ihrer Abfahrt zurück, da sie sich mit ihrer jeweils neuen Liebschaft ein paar kuschelige Tage in der Villa gönnen möchten.
Noch vor ihrer Rückkehr treten allerdings mit Alexander Schlau (Stefan Gilles) und Bubi Dümmlich (Benedikt Hammes) zwei linkische Einbrecher auf den Plan, die Hoppenstedts Villa um ihre Wertgegenstände erleichtern wollen. Als sie von der erkennbar unterbelichteten Tante Gieschen Spatz (Nadine Labonte) und dem ebenso weltfremden Teenager Meta Blümchen (Leonie Jischke) ertappt werden, geben sie sich kurzerhand als Handwerker aus. Begleitet von den amüsanten Kommentaren der Sprachbox, macht auch der kontrollierende Dorfpolizist (Horst Gilles) auf der Suche nach dem aktuellen Einbrecherduo keine gute Figur. Die werden in der Folge bei ihrem Raubzug durchs Haus immer wieder gestört, wobei ein sündhaft teurer „Stülpenpitter“ (100.000 Euro-Gemälde) von Kunstsammler Hoppenstedt eine gewichtige Rolle spielt. Dieses verschwindet und erscheint gleich mehrfach auf der Bildfläche und wird neben der sich fusselig argumentierenden Alessa zu einem weiteren aber stummen Hauptdarsteller.
„Lass uns im Pool entspannen du kleine welke Nelke“, haucht der angehende Liebhaber Manfred Schlüssel (Dominik Johann) seiner frisch verliebten Edith Hoppenstedt ins Ohr. Und während diese dem Vorschlag gerne zustimmt, versucht sich Göttergatte Elmar in seinem Arbeitszimmer als Casanova bei der Modeverkäuferin Uschi Magerquark (Aurelia Steffens). So bleibt es beim Geschehen in der Villa nicht aus, dass man sich irgendwann über den Weg läuft. Wobei hier Uschi Magerquark zu der wichtigen Erkenntnis kommt, dass alternde Männer gerne ihr Jagdrevier erweitern, obwohl ihnen dabei offensichtlich die Munition ausgeht. Zur Freude des Publikums greift Alessa auf ähnliche Kommentare während der kurzweiligen Aufeinandertreffen zurück und wird damit sowohl zum Aufklärer wie zum Lachtränengarant. Dafür wird sie abschließend in den Keller verbannt.
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Die beiden dusseligen Einbrecher Schlau und Dümmlich treffen auf die Sprachbox und den original „Stülpenpitter“.
Elmar Hoppenstedt will bei Uschi Magerquark Eindruck schinden und bejammert dabei die fehlende Zuneigung der Gattin.
