Allgemeine Berichte | 23.11.2016

Kunst und Klassik hinter Tresortüren

Reise in die Gedankenwelt

Vernissage zur Ausstellung „Intime Räume“ im ehemaligen Tresorraum der Bundeswehr in Oberdrees

Der erst 16-jährige Ausnahmemusiker Carlo Lay begeisterte seine Zuhörer bei der Vernissage.privat

Rheinbach-Oberdrees. Drei Künstler standen im Mittelpunkt der Vernissage zur Ausstellung „Intime Räume“ im ehemaligen Tresorraum der Bundeswehr in Oberdrees: Zwei bildende Künstler, Stefan Lage und Eva Vahjen, und der erst 16-jährige Ausnahmemusiker Carlo Lay, Violoncello. Mit seiner Interpretation von Johann Sebastian Bach und Gaspar Cassadó begeisterte der mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnete Sonderpreisträger von „Jugend musiziert“ das Publikum. Die Resonanz, die das Instrument in diesem Tresorraum und darüber hinaus entfaltete, breitete sich wie ein Kribbeln unter den Zuhörern aus. Eine Darbietung, die Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz begeisterte und die kunstinteressierten Zuhörer musikalisch auf das Thema der Ausstellung einstimmte.

Räume mit Wänden und Schwellenwächter

Intime Räume, so Prof. Gerd Wiendieck in seiner Einführung zur Ausstellung, seien Räume, die neben Wänden auch einen Schwellenwächter hätten, der den Zutritt kontrolliere. Das Künstlerpaar geht in seiner Interpretation von intimen Räumen noch weiter. Wände, die einen intimen Raum ausmachen, lassen sich noch in den abstrahierten Akten von Eva Vahjen erahnen. Mit großer Sorgfalt vermitteln sie Sinnlichkeit. Jenseits einer akademischen Haltung arbeitet Vahjen mit Grafit auf Acryl, eine Arbeitsweise, die die Farbe in ihren Akten zurücknimmt und einen verhaltenen, lyrischen Blick auf Intimität zulässt.

Träume und Erinnerungen im Mittelpunkt

Stefan Lage berührt mit seiner Interpretation den geografischen Aspekt des Themas. Seine Auslegung von intimen Räumen stellt Träume und Erinnerungen drängend und explosiv in den Mittelpunkt. Mit seinen auf Jute gearbeiteten Werken geht er damit über die herkömmliche Bedeutung von Raum hinaus.

Seine Arbeiten setzen sich von gängigen expressiven Bildern ab. Sie sind mit einer enormen Kraft gearbeitet, die spürbar bleibt. Dennoch sind sie weit davon entfernt, die Gedanken des Betrachters wie in einem Sturzbach fortzuspülen. Die Freude am Verborgenen ist ein Markenzeichen dieses Künstlers, der mit versteckten Details das Tempo aus seinen Werken nimmt. Den gesamten Sehgenuss erfährt, wer sich die Zeit nimmt, im Bild zu forschen und zu suchen. Im Laufe dieses Sehprozesses spürt man im Hinterkopf die Erkenntnis: Auch Träume und Erinnerungen sind intime Räume.

Hier zeigt sich der Kern der Interpretation des Themas durch das Künstlerpaar: Es ist die eigene Gedankenwelt, die den „Intimen Raum“ ausmacht. Jede Frau, jeder Mann, jedes Kind hat seinen eigenen gedanklichen Raum, der nur ihm gehört, der veränderlich und flüchtig sein kann, nicht real existieren muss.

Dies macht Vahjen mit zwei Bilden deutlich, die die Reihe eröffnen. Bereits der Titel „Sind Gedanken“ deutet die Richtung an, zwei Arbeiten, Acryl und Ölkreiden auf Papier. Vor einem räumlichen Hintergrund aus Zeitungscollagen schwebt ein Mann ins Bild. Der Text der ursprünglichen Zeitungsartikel ist lesbar, im Kopf des Mannes sind die Artikel jedoch spiegelverkehrt eingearbeitet. Der möglicherweise intime Text bleibt dem Betrachter deshalb verborgen. Dieses Abkapseln von der Außenwelt prägt auch das großformatige, mit Ölkreide gearbeitete Werk „Zukunft der Erinnerungen“.

Dem Betrachter Raum für eigene Interpretationen lassen

Vahjen und Lage zeigen in dieser Ausstellung auf professionelle Weise auch großformatige Werke. Sie nehmen den Betrachter mit auf eine Reise in ihre Gedankenwelt, lassen ihm aber Raum, seinen eigenen Interpretationen zu folgen, geben keine eindeutige Deutung vor. „Wir geben kein Fleißkärtchen für eine ‚richtige‘ Interpretation, wir fordern vom Kunstfreund das Wichtigste, was er hat: Zeit. Denn wir wissen, dass unsere Bilder nicht einfach, nicht geschmeidig sind, aber wer sich auf sie einlässt, wird viel Überraschendes auch über seine eigene Gedankenwelt erfahren können.“

Ausstellungsort ist der ehemalige Tresorraum der Bundeswehr in 53359 Rheinbach-Oberdrees, Im Broich 8. Die Ausstellung ist noch an allen Adventssonntagen von 11 Uhr bis 14 Uhr geöffnet.

Kontakt: Eva Vahjen, www.kunst-kann.de und Tel. (0 22 25) 15 40 3.Pressemitteilung

www.kunst-kann.de

Der erst 16-jährige Ausnahmemusiker Carlo Lay begeisterte seine Zuhörer bei der Vernissage.Foto: privat

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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