Verein Zehnthaus e.V.
Reisen wie zur Zeit des Apostels Paulus
Vortrag beim Zehnthausverein
Swisttal-Odendorf. Einen Vortrag über das „Reisen in der Antike“ hielt der Historiker und Archäologe Dr. Gerhard Bauchhenß kürzlich im Odendorfer Zehnthaus. Es war für die zahlreichen Zuhörer eine besondere Erfahrung, sich gedanklich einige Jahrtausende zurück zu versetzen. Literarische Hinweise gab es zu Beginn auf die antiken Dichter Homer und Vergil. Doch mancher staunte nicht schlecht, wie viele Details zum Thema Reisen sich schon in der biblischen Weihnachtsgeschichte oder in der Beschreibung der Schiffsüberfahrt des Apostels Paulus finden. Reisen konnten unterschiedliche Anlässe haben: politische oder soziale Umstände, kulturelle oder sportliche Ereignisse. Bei Herodot begegnet dem Leser sogar schon das Motiv, die Sitten und Gebräuche fremder Völker kennenzulernen. Einen erheblichen Anteil nahmen die Handelsreisen ein. An deren Routen und Zeitplanung mussten sich die Privatreisenden anpassen, denn Passagierschiffe gab es damals noch nicht. Der Referent schilderte zunächst See- und Flussreisen, beschrieb Hafenanlagen, Leuchttürme und Treidelpfade. Bei den Festlandreisen ging es anschließend um die Wege, um Wagen und Lasttiere und um die Mansiones, antike Rasthäuser mit Tierverpflegung und Badehaus. Technisch wurde erläutert, wie das Wagenrad einen komplizierten Zahnradmechanismus in Gang setzte, mit dem die gefahrenen Meilen gezählt werden konnten. Menschen wie Warenladung waren beim Reisen vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Davon zeugen Reiseberichte, aber auch Grabmale und Votivsteine. Das Grabmal der Kaufmannsfamilie der Secundinii in Igel bei Trier diente unter anderem als anschauliches Beispiel. Dr. Bauchhenß lenkte den Blick mehrfach auf aktuelle Themen: Die biblische Darstellung der Flucht nach Ägypten lässt heute aufhorchen. Die Überfahrt über das Mittelmeer ist für viele Menschen auch heute mit höchster Gefahr verbunden, ein Hinweis auf aktuelles Geschehen, der die Zuhörer nachdenklich stimmte.
