Allgemeine Berichte | 02.08.2024

„Hexenverfolgung in Kurköln“: Wie konnte es dazu kommen?

Religiöser Wahn, Neid und Habgier

Dieter Ohm, Verfasser der „Hexenjagd in Kurköln“, hat nach seiner Pensionierung ein Geschichtsstudium begonnen. Er schreibt gerade an seiner Masterarbeit.  Foto: privat

Meckenheim. Aus heutiger Sicht scheinen uns die Hexenverfolgungen, dieses grausame Kapitel der Geschichte, völlig unverständlich. Wie konnte es dazu kommen? Und warum waren sie im Kurfürstentum Köln und hier in der Gegend um Meckenheim, Rheinbach und Flerzheim besonders schlimm? Welches Rechtsverständnis bildete die Grundlage? Antworten gibt das Heft „Hexenjagd in Kurköln“, herausgegeben vom Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum und geschrieben von dessen Vorsitzenden Dieter Ohm. Mit vielen Quellenangaben erläutert der Autor ein Phänomen, das zahllose Menschen das Leben kostete. Einmal unter Verdacht, hatten sie so gut wie keine Chance.

Der Höhepunkt der Hexenjagd war keineswegs im Mittelalter, sondern in der Neuzeit Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts. Allein im Jahr 1636 wurden in den oben genannten Orten 120 bis 125 Menschen verbrannt. In Meckenheim sollen innerhalb von zwei Monaten 70 Menschen – Frauen wie Männer – ihr Leben auf dem Scheiterhaufen verloren haben. Mehrere ungünstige Umstände ebneten dem Hexenwahn den Weg und förderten die Suche nach Sündenböcken. Aberglaube und religiöser Eifer waren weit verbreitet, der Dreißigjährige Krieg verwüstete Europa, die sogenannte kleine Eiszeit mit kalten verregneten Sommern und harten Wintern verursachte Missernten, Hunger und Krankheit suchten die Bevölkerung heim. Dass die Hexenverfolgung im „Amt Rheinbach“ exzessiv betrieben wurde, ist aber auch fanatischen Einzelpersonen geschuldet, allen voran dem Amtmann Heinrich Degenhardt von Schall zu Bell aus Lüftelberg sowie den Hexenkommissaren Dr. Buirmann und Dr. Moeden.

Habgier kam als Motiv hinzu, denn der Besitz der Beschuldigten wurde teilweise noch vor deren – mit grausamer Folter erzwungenen – Geständnissen eingezogen. Als weitere Faktoren sieht Ohm Machtgier, Missgunst, Frauenhass, aber auch Angst, selbst in die Mühlen der Verfolgung zu geraten. Er würdigt jedoch auch die Gegner der Hexenverfolgungen – den Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld, aber auch örtliche Schöffen, die den Hexenkommissaren widersprachen, sowie den Meckenheimer Pfarrer Hubertus Fabritius (1608 – 1652), der von der Kanzel gegen die Hexenprozesse predigte und damit sein Leben riskierte.

Das Heft „Hexenwahn in Kurköln – Die Hexenverfolgungen in Rheinbach und Meckenheim während der Herrschaft von Kurfürst Ferdinand von Wittelsbach“ ist gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro im Stadtmuseum im Herrenhaus der Burg Altendorf, im Buchladen am Neuen Markt, im Stadtarchiv Rheinbach sowie beim Autor persönlich erhältlich. Kontakt: Telefon:02225-910777, Mail: info@stadtmuseum-meckenheim.eu.

Dieter Ohm, Verfasser der „Hexenjagd in Kurköln“, hat nach seiner Pensionierung ein Geschichtsstudium begonnen. Er schreibt gerade an seiner Masterarbeit. Foto: privat

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