Allgemeine Berichte | 11.10.2024

Im Heimathaus in Neuwied gehen Ende 2025 die Lichter aus

Restaurant- und Veranstaltungsbetrieb vor ungewisser Zukunft

Rund 250 Besucher informierten sich über den Zustand des Heimathauses, vielfach gab es Kritik an der Verwaltung.  Fotos: FF

Neuwied. Als die Stadt Neuwied vor wenigen Wochen verkündete, die Mietverträge für das Restaurant Pino Italia (Fam. Leonardi) und den Servicepartner (Neuwied Musik) für die Veranstaltungen, über den 31. Dezember 2025 nicht zu verlängern, weil die Nutzung des Heimathauses eingestellt wird, war der Aufschrei in der Bevölkerung groß. Jetzt hatte die Verwaltung die Bürger/innen zu einer Infoveranstaltung in Neuwieds „gute Stube“ eingeladen. Der Stadtvorstand sah sich einem hochemotionalen Publikum gegenüber, dass nicht zimperlich mit Kritik an der Verwaltung war. Erschwerend kam hinzu, dass weder Oberbürgermeister Jan Einig noch Dezernent Ralf Seemann irgendwelche Lösungen präsentieren konnten. Zunächst einmal erläuterte Ralf Seemann die Probleme, die sich im wahrsten Sinne des Wortes hinter den Kulissen abspielen. Denn auf dem ersten Blick ist das Bürgerhaus in einem guten Zustand. Ralf Seemann verwies im Zusammenhang mit dem Brandschutz auf schwerwiegende Mängel, die sich hinter den Verkleidungen befinden. Angefangen von den Kabelschächten, defekten Brandschutzklappen, eine nicht funktionierende Fettbrandlöschanlage sowie das Fehlen einer Brandmeldeanlage. Detaillierte Erläuterungen gaben der Brandschutzsachverständige Andreas Galemann und der Brandschutzbeauftragte der Kreisverwaltung, Brandoberinspektor Dominik Thier, ab. Die Experten verwiesen unter anderem auf Brandschutzwände, die sich innerhalb des Gebäudes eigentlich im Abstand von 60 Meter befinden müssten. Das Fehlen dieser sowie weitere bauliche Beschaffenheiten gefährden die Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung zusätzlich. Ein erhebliches Problem des Heimathaus bestünde darin, dass das Restaurant baulich nicht von der Veranstaltungshalle getrennt ist. „Eigentlich müssten wir sofort den Schlüssel umdrehen“, unterstrich Andreas Galemann.

Nur aufgrund von Einzelmaßnahmen sei eine Betriebsgenehmigung möglich. Wobei die Stadt Neuwied die zuständige Genehmigungsbehörde ist. Lediglich die breiten und umfassenden Fluchtwege stellte Dominik Thier als akzeptabel heraus. Ralf Seemann erläuterte das bauliche Problem mit dem ursprünglichen Konzept, dass der Restaurantbetreiber gleichzeitig auch die Halle bespielt. Dies jedoch sei vor Jahren aufgegeben worden. Nun sei man eigentlich sehr zufrieden mit der Neuausrichtung und den Akteuren. „Wir müssten 5,1 Mio. Euro in den Brandschutz investieren“, erklärte Ralf Seemann. Wenn die Stadt aber nun so viel Geld in die Hand nehme, mache es Sinn das Heimathaus in dessen Gesamtheit, darunter Lüftung, Sanitär, Heizung und die Gebäudestruktur, zu untersuchen. Am Ende könnten sich die Kosten auf über 16 Mio. Euro summieren.

Sanierung oder Neubau?

Ob das Geld gut angelegt ist, hat die Stadt Neuwied in einer Machbarkeitsstudie, die bis Ende des Jahres fertig sein soll, in Auftrag gegeben. Dazu zählt auch ein Standortkonzept mit einer Potentialanalyse und Umfeldbetrachtung. Zu klären ist die Frage, was Neuwied zukünftig überhaupt benötigt? Eine kleinere, vielleicht auch größere Stadthalle? Nach der Einführung mit den Experten blieb den Bürger/innen das Groß der Veranstaltung, um Fragen an den Stadtvorstand zu richten. Der überwiegende Teil der Menschen brachte sein Bedauern zum Ausdruck, dass das Restaurant geschlossen wird. Mehrfach wurde die Frage gestellt, ob nicht das Restaurant von der Stadthalle baulich getrennt werden könnte? Ralf Seemann negierte, mit Hinweis auf die Technik, beispielsweise die Heizung und Lüftung, die sich beide Bereiche teilen. Weil das Thema Brandschutz nicht neu, sondern ein Dauerbrenner ist, wollten viele der 250 anwesenden Bürger wissen, warum die Stadt Neuwied so lange gewartet hat? Ralf Seemann verwies auf die seit Jahren andauernde defizitäre Situation der Stadt und ließ gleichzeitig durchblicken, dass bei einer erheblichen Anzahl städtischer Gebäude ebenfalls ein Sanierungsstau aufgelaufen ist. „Die Verwaltung wartet und die Stadt stirbt“, kritisierte ein Bürger und erhielt großen Applaus. Eins wurde nämlich schnell klar: Eine Sanierung oder gar ein Neubau wird viele Jahre dauern, vermutlich wäre sogar eine europaweite Ausschreibung nötig. Vor diesem Hintergrund befürchtete ein Fragesteller, eine Bauruine, die zunehmend verfällt. Ralf Seemann erläuterte, dass man das Heimathaus weiter beheizen würde und auch Hausmeisterarbeiten durchgeführt würden. Wie es die nächsten Jahre kulturell und veranstaltungstechnisch in Neuwied weitergehen kann, blieb weitgehend unbeantwortet. Lediglich für Bürgerversammlungen oder Stadtratssitzungen nannte Oberbürgermeister Jan Einig den Amalie-Raiffeisen-Saal der VHS als Alternative. Turbulent wurde es, als der Stadtchef versicherte, man werde und habe das Restaurant nach einem Ausweichquartier unterstützt. Ulrike Leonardi, die sich bis dahin gar nicht geäußert hatte, da die vielfachen Wortbeiträge der Neuwieder bisher aussagekräftig genug waren, äußerte sich verärgert. Bislang habe es seitens der Stadtverwaltung keine Vorschläge gegeben und überhaupt, habe man erst aus der Zeitung von der Nichtverlängerung der Pachtverträge erfahren müssen. Abschließend versprach die Stadtspitze den Anwesenden, transparent und aktuell über die nächsten Schritte in Sachen Heimathaus zu berichten. FF

Neben Oberbürgermeister Jan Einig und dem Beigeordneten Ralf Seemann standen den Bürgern zahlreiche Experten zur Verfügung.

Neben Oberbürgermeister Jan Einig und dem Beigeordneten Ralf Seemann standen den Bürgern zahlreiche Experten zur Verfügung.

Alle Hände voll zu tun hatte Oberbürgermeister Jan Einig, die Emotionen im Saal zu beruhigen.

Alle Hände voll zu tun hatte Oberbürgermeister Jan Einig, die Emotionen im Saal zu beruhigen.

Rund 250 Besucher informierten sich über den Zustand des Heimathauses, vielfach gab es Kritik an der Verwaltung. Fotos: FF

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