Ritter in Rheinbach: Buntes Treiben zeigt historisches Werden der Glasstadt
Verkaufsoffener Sonntag rundet historisches Stadtfest ab
Rheinbach. Ein Stadtfest mit historischem Anspruch erlebten die Rheinbacher und ihre Gäste am Wochenende rund um den Himmeroder Hof, den Hexenturm und auf der Hauptstraße. Spielleute, Ritter, Marktschreier und der Bischof mit Abt waren ebenso auf Bühnen und Straßen unterwegs wie mittelalterliche Handwerker und Heilkundige. Fazit der Besucher: Ein rundum gelungenes Fest.
Erbstreitigkeiten waren oft Gründe für Schlachten, erfuhr man im moderierten Schauspiel des Rheinbacher Ritters, dem Bischof und dem Abt. Sie beschrieben in originell und voller Witz dargestellten Berichten, wie Rheinbach erstmals als Stadt Erwähnung in den historischen Dokumenten fand. Rund um den Himmeroder Hof und den Hexenturm erweckten Darsteller mittelalterlicher Handwerke und Spielleute die Historie auf Rheinbachs Straße zum Leben.
Allerdings habe das Fest einen historischen Anspruch, betonte der Bischof auf seinem Weg durch die Straßen. Deshalb hatten die Freunde des Rheinbacher Archivs und ihre Helfer Informationen zu prägenden geschichtlichen Abschnitten für die Gäste zusammengestellt. Perfekt aufbereitet fanden die Besucher des Hexenturms Informationen zu mittelalterlicher Wohnungseinrichtung, zur Hexenverfolgung, aber auch Details zur Entstehung der Stadt und historischen Funden.
Tolles Angebot begeisterte die Gäste
„Man merkt, dass das hier Fachleute vorbereitet haben“, sagte eine Besucherin anerkennend. Sie hatte sich eingehend über mittelalterliche Spiele wie eine Schach- und eine Mühle-Variante informiert, nachdem sie sich mit der Hexenverfolgung beschäftigt hatte. „Eigentlich ist es erschreckend, dass die Spirale aus Neid und übler Nachrede teilweise noch heute funktioniert“, fand sie. Allerdings würden die Menschen heute eher gemobbt, während man sie früher als Hexen verbrannte. „Insofern mag man das vielleicht als Fortschritt betrachten, ich finde das aber auch nicht viel besser“, meinte sie.
Zwischen Turm und Hof hatten Handwerker ihre Stände aufgebaut. Ein Bildhauer zeigte das Entstehen von Figuren aus einem massiven Steinblock. Direkt vor dem Turm nietete ein Handwerker ein Kettenhemd aus tausenden kleinen Metallringen zusammen, während Heilkundige die Besucher über damalige Gepflogenheiten bei der Behandlung von Krankheiten aufklärten. Schon damals waren Isolation und Hygiene als Mittel zur Vermeidung von Ansteckung bei Seuchen bekannt gewesen. Auch nutzte man verschiedene Pflanzen zur Behandlung von Krankheiten.
Mit einer speziellen Filetnadel knüpfte eine Darstellerin ein Haarnetz. Diese Art von Handarbeit sei aufgekommen, als die Frauen sich nicht mehr vollständig verschleiern, aber das Haar bedecken mussten, berichtete die junge Frau. Besonders wohlhabende Damen ließen sich schmucke bunte Haarnetze knüpfen, um standesgemäß auszusehen. „Die gleiche Knüpftechnik, allerdings etwas gröber, wird übrigens heute noch bei der Reparatur von Fischernetzen angewendet“, erklärte die Darstellerin.
Gleich nebenan konnten die Gäste über dem offenen Feuer ihr eigenes Stockbrot backen oder am Armbruststand versuchen, mit einer Kinder-Armbrust Ziele auf einer nachgebauten Burg zu treffen. Kinder hatten auch am Fuße des Turms beim Gestalten von Schilden mit mittelalterlichen Motiven ihren Spaß. Für die musikalische Unterhaltung sorgten durch die Straßen ziehende Spielleute mit Trommel, Dudelsack und klassischer Flöte.
Wenn auch Rheinbachs Hauptstraße eher zur Gegenwart als zum Mittelalter gehört, stand hier ebenfalls alles im Zeichen der Historie. In den Schaufenstern der Läden zeigten die Betriebe mit historischen Fotos und Details die jüngere Geschichte der Stadt und ihrer Einkaufsmeile zwischen Wasemer Turm und Voigtstor. Die ältere Historie lebte mitten auf der Straße auf – an den Rittertafeln, an denen die Besucher ihre Speisen und Getränke genossen.
Foto: Petra Reuter
Foto: Petra Reuter
Foto: Petra Reuter
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