Ein authentisches Dokument ihres Lebens – eine Annäherung im Schlosstheater Neuwied
Romy Schneider - Zwei Gesichter einer Frau
Abendpremiere am 3. November von und mit Chris Pichler
Neuwied. Die Landesbühne Rheinland-Pflatz im Schlosstheater lädt zur Abendpremiere von Romy Schneider am Samstag, 3. November um 20 Uhr ein.
Romy Schneider kommt am 23. September 1938 in Wien, als Tochter zweier berühmter Schauspieler zur Welt: Magda Schneider und Wolf Albach Retty. Sie wächst bei ihrer Großmutter in Berchtesgaden auf, und wurde in das katholische Internat Goldenstein bei Salzburg eingeschult. Sie steigt mit 14 erfolgreich in das Filmgeschäft ein.
„Mädchenjahre einer Königin“ verfilmt von Ernst Marischka wird zum Kassen – und Romy Schneiders Welterfolg. Mit 850.000 Deutsche Mark pro Film ein hoch bezahlter Star, lehnt sie die 4. Folge von Sissy gegen den Willen ihrer Eltern entschieden ab. „Um aus dieser Sackgasse herauszukommen in der man als Markenartikel Romy Schneider festsitzt.“ Bei der deutsch-französischen Verfilmung von „Liebelei“ lernt sie Alain Delon kennen, folgt ihm nach Paris, nach anfänglichen Schwierigkeiten beginnt ihre Karriere im französischen Film. Die deutsche Presse beschimpft sie als „Emigrantin der deutschen Filmwirtschaft“. „Die Menschen in diesem Land können sich nicht damit abfinden, dass Romy nicht mehr Sissi ist.“ Luchino Visconti wird in dieser Zeit zu einem wichtigen künstlerischen Partner, der ihre schauspielerische Unerbittlichkeit erkennt und fördert. Die Beziehung zu Delon scheitert, nach ihrem ersten Hollywoodfilm kehrt sie zurück nach Berlin. Sie hat dreimal das Land gewechselt, jeder Länderwechsel ist immer auch ein emotionaler Einschnitt mit Hoffnung auf Veränderung. „Ich habe das Gefühl, ich wurde in Wien geboren um in Paris zu leben. Ich habe einen deutschen Pass, meine Mutter hat einen deutschen Pass, mein Vater war Österreicher. Ich habe in Hamburg, Berlin und München gelernt, lebe in Paris und ich spreche heute englisch und französisch fast genau so gut wie meine Muttersprache… Die Mühelosigkeit macht mir keinen Spaß und hat mir nie Spaß gemacht. Ich habe immer gegen die Dinge angekämpft, das habe ich getan als ich mein Land verließ und das habe ich getan als ich auf der Bühne stand.“
Sie heiratet den Schauspieler und Regisseur Harry Meyen, und ihr Sohn David wird geboren. Darauf hatte sie eine filmische Ruhepause für den Versuch eines Familienlebens. Anschließend führte Sie Dreharbeiten mit Delon in „Der Swimmingpool“, durch und knüpft damit an ihre vorigen Erfolge an, zieht nach Paris, arbeitet mit bedeutenden Regisseuren wie Preminger, Clouzot, Welles, Zulawsky, Chabrol; ihre Partner sind Piccoli, Delon, Burton, Montand, Trintignant.
Dann ließ sie sich von Harry Meyen scheiden und teilt mit. Daniel Biasini, ihr Privatsekretär das Leben, worauf Tochter Sarah geboren wird. Freundschaften, die sich aus gemeinsamer Filmarbeit ergeben, sind nicht von Dauer. Claude Sautet ist eine Ausnahme, es entstand eine enge vertrauensvolle Zusammenarbeit. Romy Schneider ist im Frankreich der 70er Jahre eine ähnliche Filmlegende wie im Deutschland der 50er. „Filmarbeit ist heutzutage international. Wer sich nicht in der ganzen Welt ausbreitet kommt nicht mit. Ich bin ausgewandert, weil man mir außer Sissi nichts zu bieten hatte. Mir wird alles immer gleich als Landesverrat ausgelegt. Wäre ich damals nicht nach Frankreich gegangen, hätte ich diese Entwicklung nicht durchmachen können. Alles in allem, war ich diese Fremde im eigenen Land“ Zwei Mal Cesar als beste Darstellerin. Sie verausgabt sich immer mehr in ihren Rollen. „Ich muss immer zum Äußersten gehen, selbst wenn es nicht gut ist. Ich liebe es bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen, im Beruf wie im Gefühlsleben.“ Die Ehe mit Biasini geht in Brüche. Beim Überklettern des Gartenzauns der Biasinis verunglückt David tödlich. Die Weltöffentlichkeit nimmt betroffen Anteil. Romy Schneider wechselt die Wohnungen, versteckt sich vor Reportern und Fotographen, nimmt Schlaf und Aufputschmittel gleichzeitig, sie spielt mit erschreckender Identifikation. „Einmal eine Rolle so spielen, dass ich nicht mehr ich selbst bin, sondern ganz die Rolle, die vollkommene Identifizierung.“ Am 29. Mai 1982 stirbt Romy Schneider in ihrer Pariser Wohnung an Herzversagen.
Chris Pichler hat diesen Abend aus Tagebüchern, Interviews und Telefonaten von Romy Schneider selbst zusammengestellt und inszeniert.
Chris Pichler wurde mit diesem Soloabend Schauspielerin des Jahres ORF Ö1. Das Solo wurde Hörspiel des Jahres 2009 und ist als Hörbuch bei Langenmüller erschienen.
Sie verfügt über ein großes Repertoire an Charakterrollen, dessen Bandbreite von der Klassik bis zur Moderne reicht.
Derzeit spielt sie am Staatschauspiel Wiesbaden alternierend Mrs Peachum in Brechts „Dreigroschenoper“ und Oscar Wildes intrigante Mrs Cheveley in Idealer Gatte“.
Möchten Sie der Einladung folgen, freuen sich die Veranstalter über eine telefonische Zusage bis zum 30. Oktober, Telefon: (0 26 31) 22 28 8.
Die Eintrittskarten liegen dann für Sie an der Abendkasse bereit. Das Stück beginnt am 3. November und wird täglich bis zum 18. November gespielt.
Romy Schneiders Tagebuchaufzeichnungen, Briefe Telefonate, Interviews ergeben ein vielschichtiges Bild des Weltstars. „Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand“, urteilt Romy Schneider über sich selbst. Ein Abend, der den bewegenden und bewegten Lebensweg dieser Ikone der Filmwelt, von den heiteren Sissi-Anfängen bis zu ihrem frühen tragischen Lebensende nachzeichnet und erlebbar macht.Foto: Privat
