Allgemeine Berichte | 14.09.2021, 14:17 Uhr

Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis

Rückgang der Arbeitslosigkeit: Statistik zeichnet ein geschöntes Bild

Rhein-Sieg-Kreis. Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichten den neuen Arbeitslosenreport NRW. Im Fokus des Berichtes mit einem umfangreichen Datenmaterial steht die Frage, wie es Arbeitslosen gelingt, ihre Arbeitslosigkeit zu beenden. Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtverbände hat die vorliegenden Daten für den Rhein-Sieg-Kreis gesichtet und einige Schlussfolgerungen für die Lage der Arbeitslosen in unserer Stadt gezogen.

Über 2942 Personen ist im Rhein-Sieg-Kreis im Juni der Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit gelungen – so zeigt es die offizielle Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Doch nur 36,1 Prozent dieser Arbeitslosen hat tatsächlich eine bezahlte Beschäftigung aufgenommen – 63,9 Prozent fallen aus anderen Gründen aus der Statistik heraus. Sie zählen nicht mehr als arbeitslos, weil sie beispielsweise arbeitsunfähig, aufgrund von Krankheit, Erziehungs- oder Pflegezeiten für das Arbeitsamt vorübergehend nicht verfügbar oder gerade in einer geförderten Maßnahme sind. Dezidiert untersucht der neue Arbeitslosenreport der Wohlfahrtsverbände in NRW die Statistik über den Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit.

„Diese Statistik beschönigt die Arbeitslosigkeit und geht an der Lebensrealität der betroffenen Menschen vorbei“, kritisiert der Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Sieg-Kreis, Reiner Mathes bei der Veröffentlichung des neuen Arbeitslosenreports der Wohlfahrtsverbände. 22.343 Menschen waren laut Arbeitslosenreport im Juni im Rhein-Sieg-Kreis unterbeschäftigt, gegenüber 18.627 im Mai registrierten Arbeitslosen. „Diese Zahl der Unterbeschäftigten ist die genauere Arbeitslosenzahl, weil in ihr auch alle Personen mitgezählt werden, die faktisch arbeitslos sind, aber in der offiziellen Statistik nicht auftauchen“, sagt der Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Sieg-Kreis, Reiner Mathes.

Der langsame Rückgang der Arbeitslosenzahlen sei zwar zu begrüßen, stellen die Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis fest, doch die Gesamtzahl der als arbeitslos erfassten Menschen, die nicht wieder in die Erwerbsarbeit zurückkehren, sei aktuell definitiv zu hoch.

Die Wohlfahrtsverbände fordern deshalb verstärkte Anstrengungen von Unternehmen und der öffentlichen Hand, um Arbeitsplätze zu schaffen und Arbeitsprozesse so zu gestalten, dass Viele teilhaben können.

Männern und jungen Menschen unter 25 Jahren gelingt es deutlich besser, aus der Arbeitslosigkeit heraus in Erwerbsarbeit zu kommen als Langzeitarbeitslosen, Schwerbehinderten, älteren Menschen, Alleinerziehenden und Frauen – das belegt der Arbeitslosenreport bei der differenzierten Auswertung der Statistik nach Personenmerkmalen.

Menschen, die noch nicht lange arbeitslos sind, gelten bis zu zwölf Monate als arbeitsmarktnah. Viele beziehen Leistungen nach dem SGB III. Ihnen gelingt es laut Statistik deutlich häufiger, aus der Arbeitslosigkeit wieder in die Erwerbstätigkeit zu gelangen, als Langzeitarbeitslosen und anderen, die Leistungen nach dem SGB II beziehen. Konnten im SGB III immerhin 53,3 Prozent die Arbeitslosigkeit im Rhein-Sieg-Kreis im Juni 2021 verlassen, waren es im SGB II nur 21,2 Prozent.

Der Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Sieg-Kreis, Reiner Mathes: „Der Arbeitslosenreport belegt einmal mehr, dass die Wiederaufnahme einer Erwerbsarbeit nach Arbeitslosigkeit vor allem Menschen im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (SGB III) gelingt, die in der Regel noch nicht lange arbeitslos sind. Für einkommensarme und langzeitarbeitslose Menschen im Rechtskreis des SGB II ist es viel schwerer, die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu beenden. Die Freie Wohlfahrtspflege fordert deshalb den deutlichen Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung, die für viele dieser Personen die einzig realistische Chance zur Teilhabe am Arbeitsmarkt ist.“

Die Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis weisen auch darauf hin, dass etliche ältere Menschen und Personen in besonderen sozialen Schwierigkeiten wie Wohnungslose und Suchtkranke ohne öffentliche Förderung kaum Chancen auf Teilhabe am Arbeitsmarkt hätten. Für sie brauche es zusätzliche Förderinstrumente, die eine Weiterbeschäftigung mit Lohnkostenzuschuss und Arbeitsvertrag notfalls bis zur Rente möglich machten.

Pressemitteilung der

Arbeitsgemeinschaft

Wohlfahrtsverbände

im Rhein-Sieg-Kreis

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