Gemeinderat Swisttal entschied einstimmig
Rückhaltebecken ist für das Baugebiet „Am Burggraben“ nicht notwendig
Zwei Interessengemeinschaften fürchten um den Hochwasserschutz – Unsere Wasserbehörde stellt sich auf Seite der Gemeinde
Swisttal. Das geplante Baugebiet „Am Burggraben“ in Heimerzheim erregt die Gemüter, das zeigte sich auch bei der jüngsten Sitzung des Swisttaler Gemeinderates. Etwa zwei Dutzend Bürger hatten sich im Zuschauerraum versammelt und sorgten mit ihren Fragen bei der Einwohnerfragestunde dafür, dass das Gremium ihre Befürchtungen hinsichtlich des ihrer Ansicht nach ungenügenden Hochwasserschutzes noch einmal vor Augen geführt wurde. Doch der Rat sah das anders und schmetterte ihre Bedenken einstimmig ab.
Die Entwässerung des Niederschlagswassers in dem Baugebiet soll nämlich über eine Leitung zur Swist erfolgen, und nicht etwa, wie es die „Interessengemeinschaft der Hochwassergeschädigten Swisttal von 1984“ (IDHS) fordern, mit einem Regenrückhaltebecken oder einem Stauraumkanal. „Diese Absicht ist uns vollkommen unverständlich und trägt im Ergebnis zur Verschärfung der Hochwassergefahr in der Ortslage Heimerzheim bei“, hatte die IDHS in ihrer Stellungnahme erklärt. Trotz der bisher bereits durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen würden diese vor dem Hintergrund des Klimawandels und zunehmender Starkregenereignisse nicht ausreichen.
Schon jetzt signifikante Pegelerhöhungen
Signifikante Pegelerhöhungen seien schon jetzt bei mittelstarkem Gewitterregen ebenso wie bei länger andauerndem Niederschlag festzustellen. Die IDHS erinnerte auch daran, dass in anderen Baugebieten von Heimerzheim Rückhaltebecken gebaut und von den Grundstückseigentümern finanziert werden mussten, damit ein kontrollierter Abschluss des Niederschlagswassers in die Swist gewährleistet werde. „Wieso gilt das nicht für dieses Baugebiet?“, fragte Gregor Moll in der Fragestunde erneut.
Ähnlich sah das die „Interessensgemeinschaft Swistbach-Anlieger“ (ISA) aus der Bach- und Quellenstraße, die ihren Widerspruch mit 133 Unterschriften unterstützte. „Wir als direkte Anlieger am Swistbach sind der Meinung, dass die Entwässerung des Niederschlagswassers aus dem Neubaugebiet über geeignete Maßnahmen, wie beispielsweise Regenwasserversickerungsanlagen oder Regenrückhalteräume bzw. das Kanalnetz erfolgen muss.“ In den zurückliegenden Jahrzehnten hätten lokal auftretender Starkregen auch in Heimerzheim mehrfach durch Überflutungen des Swistbachs erhebliche Schäden am Eigentum der Anlieger verursacht. Auch sie sind der Ansicht, die Überflutungsgefahr werde sich in Zukunft spürbar erhöhen.
Den Anregungen wurde nicht gefolgt
Doch der Gemeinderat wollte dem nicht folgen und schloss sich einstimmig der Empfehlung der Gemeindeverwaltung an, den Anregungen nicht zu folgen. Im Rahmen eines Entwässerungsgutachtens sei die Gewässerverträglichkeit des Vorhabens erbracht worden. In den Rechtsplan sollen dennoch Hinweise bezüglich der Umsetzung von hauseigenen Zisternen aus ökologischen Gründen aufgenommen werden. Weitere Möglichkeiten zur ökologisch sinnvollen und rechtlich zulässigen Zurückhaltung, Versickerung und Speicherung von Regenwasser sollen im Laufe des Verfahrens geprüft und im städtebaulichen Vertrag verpflichtend aufgenommen werden.
Die Gemeinde begründete ihre Ablehnung mit einem Entwässerungsgutachten des Erftverbandes aus dem Jahre 2019. Demnach werde die Hochwassersituation an der Swist in Heimerzheim durch das anfallende Niederschlagswasser nicht negativ, eine Drosselung der zusätzlichen Wassermengen würde keine zusätzliche Hochwassersicherheit ergeben. Deshalb gebe es keine Notwendigkeit, ein Regenüberlaufbecken zu bauen.
Nach ortsnahen Lösungen suchen
Das bestätigt mittlerweile auch die Untere Wasserbehörde beim Rhein-Sieg-Kreis in einer Stellungnahme. Sie stimmt darin den Schlussfolgerungen des Gutachtens zu und befürwortet darüber hinaus eine ökonomisch und ökologisch effiziente Planung, die den Überflutungsschutz sowie eine Anpassung an den Klimawandel behandelt. Weiter regt die Untere Wasserbehörde eine wassersensible Bebauungs- und Freiraumgestaltung an, die nach ortsnahen Lösungen zur Versickerung, Verdunstung, Nutzung sowie Speicherung und gedrosselten Ableitung von Regenwasser sucht. Das, so versprach Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU), soll in den künftigen Planungen auch Berücksichtigung finden. JOST
