Allgemeine Berichte | 28.06.2017, 12:56 Uhr

Wachtberger Ausschuss für Infrastruktur und Bau will in den sauren Apfel beißen

Sanierung der Turnhalle Berkum wird doppelt so teuer und umfangreich wie geplant

Anstatt 1,2 Millionen Euro sollen jetzt 2,4 Millionen Euro ausgegeben werden – Bei Bestandsaufnahme wurde weiterer Sanierungsbedarf offensichtlich

Berkum. Die geplante energetische Sanierung der Turnhalle Berkum entpuppt sich als weitaus umfangreicher und auch kostenintensiver als ursprünglich gedacht. Das teilte Architekt Kay Künzel (Villip) dem Wachtberger Ausschuss für Infrastruktur und Bau in seiner jüngsten Sitzung mit. Statt der bislang geplanten 1,2 Millionen Euro veranschlagt er ziemlich genau die doppelte Summe, nämlich 2,4 Millionen Euro, für eine weitaus umfassendere Sanierung, für die es allerdings auch Zuschüsse in Höhe von knapp 350.000 Euro geben könnte. Der Ausschuss beschloss einstimmig, diesen Weg mitzugehen, und möchte nun von der Verwaltung bis zur nächsten Sitzung wissen, wie eine Finanzierung aussehen könnte.

Bei der Bestandsaufnahme sei nämlich offensichtlich geworden, dass die Gebäudehülle unter wirtschaftlichen Aspekten nicht separat betrachtet werden könne und ebenfalls sanierungsbedürftig sei, erläuterte Künzel. Mit der Sanierung der Gebäudehülle werde jedoch in so viele Innenbereiche eingegriffen, dass eine umfassende Betrachtung des gesamten Gebäudebestandes zwingend erforderlich sei, damit mögliche Synergien sinnvoll genutzt und unwirtschaftliche Sanierungsschritte vermieden werden könnten.

Dachbahn aus PVC ist stark geschrumpft

So sei bei dem über 40 Jahre alten Dach die Dachbahn aus PVC stark geschrumpft und bilde im Attikabereich einen schrägen Hohlraum. Die teilweise durchnässte Dämmschicht aus Styropor müsse aus Brandschutzgründen abgetragen und entsorgt werden. Der neue Aufbau werde, ähnlich wie bei der Schulaula, aus nicht brennbarer Steinwolle als Dämmstoff ausgeführt, außerdem werde die Dachentwässerung nach außen verlegt. Die bestehende Kanalisation für Schmutz- und Regenwasser habe man ebenfalls untersucht und dabei festgestellt, dass diese teilweise defekt sei und im Zuge der Baumaßnahme erneuert und die Leitungsführung optimiert werden sollte.

Außerdem sei geplant, die 40 Jahre alten Fenster und Türen zu erneuern und den heutigen Anforderungen der Wärmedämmung und des Brandschutzes anzupassen. Dabei sollen auch der Eingangsbereich und der Restaurantbereich erneuert werden. Die Betonfertigteile an der Fassade wiesen an einigen Stellen Schäden auf, so Künzel weiter. Durch Abplatzungen liege die Bewehrung frei, was repariert werden müsse. Weiterhin seien die Fugen der Betonfertigteile teilweise offen und müssten ebenfalls erneuert werden. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aber sei, dass bereits bei der Errichtung des Gebäudes in den 1970er Jahren die damals gültigen Brandschutzanforderungen nicht eingehalten worden seien. Daher müsse er ohnehin eine ganze Reihe von kleineren und größeren Maßnahmen im Sinne des Brandschutzes durchgeführt werden.

Veralteter Sanitärbereich soll überarbeitet werden

Auch der veraltete Sanitärbereich solle überarbeitet und dabei gleich neu konstruiert werden, regte Künzel an. Demnach soll jedes Spielfeld der Dreifachturnhalle jeweils Damen- und Herren-Umkleideräume bekommen, entsprechend sollen auch die Duschen geteilt und die Sanitärbereiche gegliedert werden. Die vorhandenen Trennwände seien ohnehin defekt und sollten erneuert werden. Durch die Neustrukturierung wäre dem tatsächlichen Bedarf Rechnung getragen, die Modernisierung schaffe zudem Akzeptanz für eine intensivere Nutzung auch der Duschbereiche. Durch die energetische Sanierung werde der Heizwärmebedarf der Turnhalle insgesamt deutlich gesenkt, weshalb auch eine Verkleinerung der Haustechnik möglich werde. Außerdem soll die Beleuchtung erneuert werden.

Kombiniere man all diese Maßnahme, werde der KfW Effizienzhaus 70-Förderstandard erreicht, womit auch kommunale Gebäude von einem Zuschuss in Höhe von 17,5 Prozent der gesamten förderfähigen Kosten profitierten. Zudem werde der Heizwärmebedarf auf ein Minimum gesenkt, man komme so mit einer Einfamilienhaus-Gastherme aus, war Künzel überzeugt. Nach seinen Berechnungen könne man durch die Einsparungen die notwendigen Mehrausgaben in weniger als zehn Jahren wieder hereingeholt haben. JOST

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