Allgemeine Berichte | 04.07.2026

Natur- und Hochwasserschutz vereint

Schafe sorgen für den Erhalt des Deiches Neuwied-Engers

Die neuen Deichwächter: Ungarische Zackelschafe pflegen den Deich Neuwied-Engers.

Neuwied. Sie stammen aus Ungarn, ihre Hörner sind bis zu einen Meter lang und sie verfügen über echte „Superkräfte“: Auf dem Rheindeich Neuwied-Engers, den die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord jüngst umfassend saniert hat, grasen seit kurzem 29 Ungarische Zackelschafe. Wie die tierischen Rasenmäher dafür sorgen, dass der Deich stabil bleibt und was der „goldene Tritt“ damit zu tun hat – die SGD Nord verrät spannende Fakten.

Die Grasnarbe ist für einen Deich so etwas, wie die Haut für den Menschen: Sie legt sich als grüne Schutzhülle über das Bauwerk und sorgt dafür, dass ihm Umwelteinflüsse nichts anhaben können. Das ist wichtig, denn ohne die Grasnarbe, die mit ihren Wurzeln die obersten Deichschichten zusammenhält, würde das Wasser den Deich mit der Zeit immer mehr ausspülen. Damit die Grasnarbe den Deich zuverlässig schützen kann, muss sie jedoch regelmäßig gepflegt werden. Am Rheindeich Neuwied-Engers, für dessen Erhalt die SGD Nord in ihrer Funktion als Obere Wasserbehörde zuständig ist, übernimmt die Pflege neuerdings ein Schäfer, der das Areal ab sofort zweimal im Jahr mit seinen flauschigen Schützlingen beweidet.

Der Grund: Schafe verfügen über Eigenschaften, die der Stabilität des Deiches zu Gute kommen. Hierzu zählt etwa der sogenannte „goldene Tritt“, mit dem das bei Schafen sehr ausgewogene Verhältnis von Körpergewicht und Klauengröße beschrieben wird. Laufen die Tiere über den Deich, führt das dazu, dass sich die Grasnarbe verdichtet und verfestigt – ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des Bauwerks. Ein weiterer positiver Effekt: Durch das Verdichten des Bodens und die Erschütterungen halten die Schafe Wühltiere, wie beispielsweise Maulwürfe, vom Deich fern. Auch das ist wichtig, denn mit ihren Tunneln und Gängen können die Tiere zu einem echten Problem für die Stabilität des Bauwerks werden.

Schutz der Artenvielfalt

Doch nicht nur der Deich profitiert von der Beweidung – auch auf die Natur haben die Schafe eine positive Wirkung. Das liegt unter anderem daran, dass sie invasive und unerwünschte Pflanzen fressen und diese somit an der Ausbreitung und der Verdrängung der Grasnarbe hindern. Anders als beim Einsatz von Maschinen, bei dem der Rasen gleichförmig und schnell gemäht wird, erfolgt die Beweidung durch Schafe zudem langsam und schonend. Das fördert die Artenvielfalt und schützt Insekten und Kleintiere, die in Bodennähe leben.

Imposante Hörner

Bei den Schafen, die im Auftrag der SGD Nord auf dem Rheindeich in Engers eingesetzt werden, handelt es sich um eine besondere Rasse: Die Ungarischen Zackelschafe. Optisch zeichnen sich die Tiere durch ihre imposanten Hörner aus, die wie Korkenzieher geformt sind und V-förmig vom Kopf abstehen. Bei den Böcken werden sie bis zu 100 Zentimeter lang, bei den Auen – also den weiblichen Schafen – messen sie bis zu 40 Zentimeter. Die Farbvariationen der relativ groben Wolle reichen von Weiß über Beige bis hin zu verschiedenen Brauntönen. Die Tiere gelten als robust und anpassungsfähig, ihr Wesen wird als genügsam, lebhaft und friedfertig beschrieben. In ihrem Herkunftsland Ungarn wurden sie früher als „Milchlieferanten“ für den Hausgebrauch geschätzt, aber auch ihre Wolle und ihr Fleisch sind verwertbar. Heutzutage ist die Rasse allerdings stark vom Aussterben bedroht, unter anderem, weil andere Rassen mit weicherer, feinerer Wolle ihr den Rang abgelaufen haben.

Hunde unbedingt anleinen

Damit die Herde in Engers künftig ungestört ihrer Aufgabe nachgehen kann, bittet die SGD Nord die Menschen vor Ort um Rücksicht. So darf das temporär eingezäunte Gebiet nicht betreten und die Position des Zauns nicht verändert werden. Für Hunde gilt auf dem „Engerser Feld“ zudem die Leinenpflicht. Diese gewinnt durch die Anwesenheit der Herde noch einmal an Bedeutung, denn Schafe sind Fluchttiere, die schnell in Panik geraten können. Die SGD Nord bittet außerdem darum, die Tiere nicht zu füttern, denn Schafe haben eine sensible Verdauung, sodass schnell Vergiftungen und Koliken entstehen können. Die Beweidung endet im Spätherbst mit dem Beginn der Hochwassersaison. Perspektivisch soll die Herde noch um rund 15 Schafe erweitert werden.

Quelle:Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord

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Die neuen Deichwächter: Ungarische Zackelschafe pflegen den Deich Neuwied-Engers. Foto: Viola Lembgen

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