Theatergruppe des Konrad-Adenauer-Gymnasiums gab „Momo“
Schüler wehren sich gegen Zeitdiebstahl
Mit Blick auf G8 / G9: Gelungenes Theaterstück mit aktuellem Bezug
Meckenheim. Traditionell zur Generalprobe waren die Grundschüler Meckenheims und Adendorfs zum Theaterstück „Momo“ ins Konrad-Adenauer-Gymnasium geladen. Die Schulpremiere des Stücks von Michael Ende in der Bühnenfassung von Vita Huber begeisterte das große Publikum ebenso wie eine zweite Aufführung des beachtlichen Schulensembles.
Mit dem Roman „Momo“ hatte Michael Ende bereits 1973 die Grundlage für die Verfilmung im Jahre 1986 geschaffen. „Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“, lautete der Untertitel im Original. Dieser Untertitel des Stücks und sein Inhalt rührten damals wie heute eine menschliche Ursehnsucht nach Zeit an, die angesichts der alltäglichen Hektik immer wieder zum Reizthema wird. In unserer Gegenwart ist dieses Reizthema in vielen Familien mit schulpflichtigen Kindern mit der Umstellung auf die verkürzte Gymnasialzeit, kurz G8 genannt, verbunden. Die Umstellung ist sehr umstritten, zahlreiche Eltern sprechen sich mit ihrer Unterschrift in entsprechenden Listen bei ihren Gemeinden in NRW für die Wiedereinführung der ursprünglichen, neunjährigen Gymnasialzeit aus.
Zu Beginn der Generalprobe im Konrad-Adenauer-Gymnasium erklärten Schulleiter Dirk Bahrouz und die Lehrerinnen Svenja Gerhardt, Maiken Bardeschi und Kristiane Hüntelmann den Grundschülern, was eine Generalprobe ist und wie eine solche normalerweise abläuft. Außerdem erfuhren die Kinder vorab, wovon genau das Stück handelt und dass dieses Mal ungewöhnlich viele Kinder beim Stück mitspielen.
Die Dinge und die Menschen, die uns die Zeit stehlen und gleichzeitig damit die Lebensfreude verringern oder ganz stehlen, sind Kernthema des Stücks „Momo“, das die Theatergruppe unter der Leitung der beiden Deutschlehrerinnen Kristiane Hüntelmann und Svenja Gerhardt und der Kunstlehrerin Maiken Bardeschi auf die Beine gestellt haben. Momo, die in der Hauptrolle von Isabella Blome verkörpert wurde, nimmt sich Zeit, um den Menschen zuzuhören. Die Menschen in ihrer Umwelt genießen diese Gabe des materiell armen Kindes, weil sie auf diese Weise Zeit verbringen, die ihre eigene Lebensfreude steigert. Den grauen Herren, die die Menschen um ihre Lebenszeit betrügen und auf diese Weise die Welt vollständig beherrschen wollen, ist Momo mit ihrer Gabe ein Dorn im Auge. Sie versuchen, die zu bestechen. Als das nicht funktioniert, versuchen sie, sie zu bekämpfen. Doch das Kind erhält Hilfe von Meister Hora, dem Herrn der Zeit, der hier von Mikhail Gromak verkörpert wurde. Schlussendlich werden die grauen Herren Opfer ihrer eigenen Zeitgier, lösen sich auf und die Menschen bekommen ihre Zeit und damit ihre Lebensfreude zurück.
Seit August 2016 proben rund 70 junge Schauspieler der Schule an dem Stück. Mit dieser beachtlichen Anzahl an Beteiligten ist es gelungen, knapp 10% der Schülerinnen und Schüler des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Meckenheim für das Theater zu begeistern. „Dieses Mal ist tatsächlich aus jeder Jahrgangsstufe mindestens ein Schüler dabei“, berichtete Svenja Gerhardt stolz. Außerdem stünde man in diesem Jahr erstmals mit moderner Technik am Start. Während man bei den vielen Aufführungen der Vorjahre auf traditionelles Bühnenbild gesetzt habe, sei dieses Mal ein Beamer zur Projektion von Teilen des Bühnenbildes im Einsatz. Außerdem saß am Piano mit dem 17-jährigen Levin Ruppert ein interessantes musikalisches Talent an den Tasten. Er hatte die beiden Hauptmotive der gespielten Musik selbst komponiert. Eine der Schlüsselszenen unterlegte der junge Pianist mit einem Stück aus Schumanns Kinderszenen, „Der Dichter spricht“.
Schulleiter Dirk Bahrouz (re.), Svenja Gerhardt, Maiken Bardeschi und Kristiane Hüntelmann (v.l.) begrüßten die jungen Gäste zur Generalprobe. Foto: Chris Weber
Die erstmals ausprobierte Kombination aus klassischem Bühnenbild und Projektion verlieh der Bühne beeindruckende Tiefe. Foto: Chris Weber
Momo spendet nur durch ihr Zuhören Frieden zwischen Streitenden. Foto: Chris Weber
