Freilichtbühne Schuld zeigt abenteuerlichen „Robin Hood“
Schwerter klingen, Pfeile fliegen, der Spielmann singt, das Gute wird siegen
Schuld. Sie gehört zu den bekanntesten spätmittelalterlichen englischen Sagen: Die Geschichte von Robin Hood, der in Englands Wäldern sein Unwesen trieb und vorzugsweise Adlige ausraubte. Anfangs galt er noch als gefährlicher Wegelagerer, doch im Lauf der Jahre wurde er in den Erzählungen zum Helden stilisiert, der den Reichen das Geld abnahm, um es den Armen zu geben. Vielfach wurden die Abenteuer des Helden in Strumpfhosen verfilmt, Errol Flynn gab ihm 1938 Gesicht, Kevin Costner drehte 1991 ein Remake. Auch in Schuld wagte man sich an eine Neuinszenierung, 1995 war der Stoff letztmals auf der Waldbühne zu sehen.
Mit einem schönen Kniff eröffnet Regisseur Jens Kerbel, der den Stoff auch für die vielköpfige Spielschar bearbeitet hat, seine Inszenierung: Die Kinder des Dorfes spielen „Robin Hood“. Auf die Nachwuchskräfte ist Verlass, sie bereiten schwungvoll den (Wald)Boden, auf dem der „richtige“ Robin seine Abenteuer präsentiert.
Prinz John erhöht die Steuern
Er kommt gerade rechtzeitig, um den Dorfbewohnern zu helfen, die erneut vom Sheriff von Nottingham um ihre letzten Taler und Lebensmittel gebracht wurden. Nur weil Prinz John, der auf dem Thron sitzt, seit König Löwenherz zum Kreuzzug aufgebrochen ist, mal wieder die Steuern erhöht hat und aus der Bevölkerung das Letzte herauspresst. Frank Burbach (der später auch dem Löwenherz würdige Gestalt gibt) an der Laute führt als singender Erzähler durch die abenteuerliche Geschichte, die sich nun entwickelt. Denn es genügt Robin nicht, den leicht trotteligen, mit einem Sprachfehler behafteten Sheriff (Olaf Justen)zu berauben. Er nimmt selbst dem Prinzen durch einen Trick noch allen Schmuck, sogar alle Gewänder ab, sodass dieser als Volltrottel im Nachthemd da steht.
Das darf nicht folgenlos bleiben. Die mit Lockenwicklern ausgestattete, resolute Mutter des Sheriffs (Helga Linnerz in einer Paraderolle) und der Kanzler des Prinzen denken sich eine Falle aus. Es soll ein Bogenschießwettbewerb stattfinden, ein hohes Preisgeld wird ausgelobt. Das soll Robin ins Schloss locken, wo man ihn festnehmen will. Doch auch dieser Schlinge entzieht sich der tollkühne Kämpfer, der von Heiko Linnerz augenzwinkernd und umwerfend sympathisch gegeben wird, mit einer erneuten Finte, als am Ende die Falle doch noch zuschnappt und der Volksheld in den Kerker kommt, hilft nur noch die Liebe und der zurückkehrende, echte König, damit die Dinge ins Lot kommen.
Bis dahin wird mit Schwertern und anderen Waffen gefochten, schwirren vom Bogen geschossene Pfeile über die Lichtung, viel Action wird geboten im passenden Ambiente: Bühnenbauer, Kostümschneider und Maskenbildner haben mal wieder ganze Arbeit geleistet. Und auch der Humor kommt nicht zu kurz, in Wort und Tat gibt es mancherlei Gelegenheit zum Lachen und Schmunzeln, vom Freistoßspray bis Mutti, vom Staubsauger auf dem roten Teppich bis zum Kalauer über den Mauerbau.
Öffnungszeiten
Am Ende siegt nach eindreiviertel unterhaltsamen Stunden das Gute, die rothaarige Marianne (anmutig: Anja Gräfe) heiratet ihren Robin und Bruder Tuck (Udo Stratmann) gibt seinen Segen, unterstützt vom echten Löwenherz.
Wer Spaß an einem Abenteuer mit viel Schwung und Herz hat, muss nicht in den Sherwood Forrest reisen. Es genügt, nach Schuld zu fahren, wo man bis Sonntag, 6. August, immer samstags um 20.30 Uhr und sonntags um 15.30 Uhr, außerdem an zwei Freitagen, den edlen Kämpfer für Gerechtigkeit bewundern kann. Karten gibt es unter Tel. (0 26 95) 3 18 und unter www.freilichtbuehne-schuld.de. SCHÜ
Die anmutige Lady Marianne und ihre Amme sorgen für Schwung.
Heiko Linnerz gibt dem Titelheld in roter Strumpfhose Stimme, Statur und Charakter.
Marianne und Robin sind vermählt und alle jubeln dem Paar zu.
Niemand kann ihn aufhalten, Robin Hood flieht aus dem Kerker.
