Rheinbacher Benefizlesung zu Gunsten des Weihnachtslichts
Schwestern morden für den guten Zweck
Rheinbach. Selten erlebt man in der kleinen Voreifelstadt außerhalb der Mauern der örtlichen JVA eine solche Ballung von krimineller Energie wie Donnerstagabend in der Buchhandlung Kayser. Dort trafen sich zahlreiche Krimiautoren und weiteres Publikum zu einer Lesung der besonderen Art, bei der trotz der geschätzten etwa 70 Leichen zwischen den Buchdeckeln sehr viel gelacht wurde. Die Mörderischen Schwestern Heidi Möhker, Monika Deutsch, Alexa Thiesmeyer, Karin Büchel und Aide Rehbaum lasen ihre Geschichten aus der vor wenigen Tagen erschienenen Krimigeschichten-Sammlung Nix zu verlieren (Brighton Verlag ISBN 978-3-95876-122-3, 195 S.). Der Titel der Anthologie verrät den gemeinsamen Nenner der Geschichten: In jeder geht es um Helden, die nichts mehr zu verlieren haben. Inhaltlich und stilistisch bilden die Geschichten dabei eine große Bandbreite menschlicher Erlebnisse ab. Die Bonner Krimi-Autorin Judith Merchant moderierte den Abend. In gewohnt eloquenter und charmanter Weise erläuterte sie das Netzwerk der Mörderischen Schwestern, einer Vereinigung deutschsprachiger Krimi-Autorinnen und -Enthusiastinnen, die u.a. bei Recherchefragen als lebende Enzyklopädie des kriminellen Wissens fungiere (Wie heißen, die komischen Blasen, die sich in Leichen bilden, wenn sie länger im Tümpel liegen?). Merchant kitzelte auch immer wieder interessante Details zu Vita und geeigneten Mordmethoden aus den Kolleginnen heraus.
Heidi Möhker, die im kommenden Frühjahr einen Krimiroman, der in Rheinbach und Umgebung spielt, veröffentlichen wird, gewann mit ihrer Schreibgruppe Schreibrausch bereits verschiedene Krimi-Wettbewerbe. Sie berichtete, als Preis habe sie einmal Blutwurst gewonnen, die man coram publico habe verspeisen müssen, obwohl dies nicht unbedingt ihre Leibspeise sei. Bei Kayser las sie eine abgründige Geschichte über Paul. Monika Deutsch, von Hause aus Werkzeugmacherin und Porsche-Testfahrerin, empfahl als Mordwerkzeug nicht nur den obligatorischen Hammer, sondern auch die Bohrmaschine, die sich variabel einsetzen lasse, und las eine Geschichte über eine geborene Verliererin, die mit einem Cliffhanger endete. Alexa Thiesmeyer gestand, dass sie erste Mordphantasien während ihres Werdegangs zur Juristin gegenüber ihren Ausbildern entwickelt habe. Die bekannte Autorin von Bonn-Krimis, die zudem 25 Krimikomödien fürs Theater verfasst hat, amüsierte das Rheinbacher Publikum mit der Geschichte über die betagte Leonore, in der tatsächlich auch eine Bohrmaschine gekonnt eingesetzt wird. Karin Büchel spekulierte über die Eignung von Instrumenten als Mordinstrument. In ihrer Geschichte geht es um einen kleinen Schubs mit großen Auswirkungen. Die Ägyptologin und Archäologin Aide Rehbaum, die bereits in einem Wüstenknast saß und bisher eher als Autorin von biographischen Romanen bekannt wurde, las Ansichtssache, einen intelligenten, nachdenklichen Text über eine Reise ohne Wiederkehr, die wie viele der Geschichten, überraschend endete.
Für Kurzweil an diesem Abend sorgten neben den Geschichten auch die Pausengespräche mit den oben genannten Autorinnen und weiteren vier Krimikollegen. Sabine Trinkaus, Guido Breuer, Rainer König und Paul Schaffrath waren der Einladung der Buchhandlung Kayser zu diesem Benefiz-Abend ebenfalls gefolgt. Darüber hinaus wurde ein Krimi-Quiz durchgeführt. Den ersten Preis, ein Buchpaket mit sieben Krimis der vortragenden Crime-Ladies inklusive der vorgestellten Anthologie, gewann Margit Schwaderlapp; den zweiten Preis, ein Krimi-Kalender, trug Kurt Sistig fröhlich davon. Der dritten Preis ging an Christine Stockmanns, die sich über eine Karte für die nächste Krimi-Lesung der Buchhandlung Kayser freuen kann: Am 27. Januar liest Susanne Kliem dort aus Trügerische Nähe .
Am Ende dieses gelungenen Abends kam durch Spenden einiges für das Weihnachtslicht zusammen: runs 150 Euro wurden aus Rheinbach auf das Konto der Aktion überwiesen.
