Propst entpflichtet Pfarrerin Gisela Schmidt in Lahnsteiner Klinik Lahnhöhe für den Ruhestand
Seelsorgerin brachte zum Sprechen und Singen
Lahnstein/Rhein-Lahn-Kreis. Etwas Wehmut schwang mit, als in der Klinik Lahnhöhe Pfarrerin Gisela Schmidt aus Bad Ems als Lahnsteiner Krankenhaus-Seelsorgerin verabschiedet wurde. Propst Oliver Albrecht entpflichtete die Theologin aus dem aktiven Dienst in den Ruhestand.
Die Musik habe im Wirken von Schmidt eine große Rolle gespielt, sagte Albrecht in seiner Ansprache. „Sie haben die Menschen zum Sprechen und zum Singen gebracht!“ Dabei habe Schmidt auch auf die Zwischentöne gehört, um die befreiende und heilende Kraft der Seelsorge weiterzugeben. Der Dienst in der Krankenhaus-Seelsorge sei in der Regel von Abschied und Wechsel geprägt. Schmidt sei es gelungen, mit ihrem Dienst ein Stück Kirche in der Klinik aufzubauen durch den einfühlsamen Kontakt mit Patienten, Personal und den Gottesdienstbesuchern, die in Nähe der Klinik wohnen. Unser Wissen ist Stückwerk“, sagte Schmidt in ihrer Abschiedspredigt über Bibelverse aus dem Korintherbrief. Prozesse verbessern zu wollen, wie das in der Arbeitswelt üblich ist, lasse sich auf den Glauben nicht übertragen. Vielmehr stehe dabei die Liebe im Vordergrund, die schon für sich vollkommen ist. Wie heilsam Seelsorge im ganz persönlichen Gespräch sein kann, war eine Erfahrung ihres Dienstes. „Die Leute kommen oft ohnmächtig hier her; Seelsorge habe ich da als Akt der Befreiung erlebt, der von Trauer, Angst und Trennungsschmerz befreien kann.“
Schmerzhaft sei die Lücke, die Schmidt hinterlasse, sagte Dekanin Renate Weigel, die der Kollegin auch im Namen des Dekanatssynodalvorstandes (DSV) Nassauer Land dankte. „Die Gottesdienste waren Kunstwerke, fein, liebevoll, seelsorglich gestaltet, immer mit besonderer musikalischer Begleitung“, so Weigel. Ehrenamtliche, Patientinnen und Patienten hätten mitgewirkt. Ganz anders ihre Arbeit im DSV des damaligen Dekanats Nassau. „Da war Gisela eine kritische Stimme. Ihren besonderen Einsatz habe ich in der Zeit der Pfarrstellenbemessung und im kirchenmusikalischen Ausschuss erlebt. Danke auch dafür!“, sagte Weigel.
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Tochter Christiane Schmidt an der Violine, Jochen Liefke am Klavier und Kantorin Maria Monninger als Sängerin; letztere hatte schon Schmidts Ordination vor fast auf den Tag genau 21 Jahren begleitet. Von Hanni Hardan gab’s ein Abschiedslied mit Gitarre.
Viel Lob für ihren Dienst und persönlichen Dank erfuhr Schmidt von den Leitungen der beiden Kliniken, an denen sie seit 2003 wirkte. Dr. Jörg Henning, Chefarzt der Klinik Lahnhöhe, betonte, dass die Person und nicht die Institution ausschlaggebend sei. Ebenso dankte Dr. Günter Wenzel, ärztlicher Direktor des Elisabeth-Krankenhauses, der Theologin auch im Namen von Geschäftsführer Dr. Pascal Scher, der katholischen Klinikseelsorgerin Pastoralreferentin Christine Kreutz und Liane Engel für ihre Arbeit in der Klinik seit 2005 und ihre heilenden Worte und Gespräche.
Berührt zeigte sich Schmidt vom Auftritt von Bewohnern der Lahnsteiner Höhe, die regelmäßig die Gottesdienste besuchten. „Ihrer“ Pfarrerin trugen sie ein selbst getextetes Lied vor mit dem Fazit „Dein Tun war uns ein Segen!“; dazu gab es eine Dauerkarte für die Kunstausstellung Documenta in Kassel, wo Schmidt mit ihrem Mann den Ruhestand verbringt. Die Dekanin baten sie um eine rasche Wiederbesetzung der Stelle, denn auf der Lahnhöhe habe sich eine Gemeinde gebildet, der sich auch Menschen außerhalb der Klinik angehörig fühlen. Evangelische Gottesdienste werde es jetzt eine Zeit in der Klinik nicht geben, „aber hoffentlich nur für eine kurze“, bat Weigel angesichts der Vakanzen im Dekanat um Verständnis; die Stelle sei ausgeschrieben.
Gisela Schmidts Interesse am Pfarrberuf wurde in ihrer Schulzeit in Stadtallendorf geweckt, wo sie im Posaunenchor spielte und als Kindergottesdiensthelferin arbeitete wie ihre beiden Schwestern; die ältere ist heute noch im Kirchenvorstand aktiv, die jüngere, Margot Käßmann, Botschafterin des Reformationsjubiläums. Der Ausbildung zur Schwesternhelferin folgte 1972 das Theologiestudium und 1975 ein Psychologiestudium, die sie beide nach der Geburt von vier Kindern erfolgreich abschloss. Nebenbei arbeitete die Pfarrersfrau und C-Musikerin als Organistin. Dem Vikariat bei Weilburg folgte 1996 die Ordination, ab 2001 der Dienst in der Klinikseelsorge, zunächst in Gießen, 2002 in Bad Ems und Nassau und ab 2003 in Lahnstein. Ein Supervisions-Studium beendete sie 2007 mit dem Diplom. Sie gehörte außerdem zum Team der Notfallseelsorge Rhein-Lahn. Pressemitteilung Evangelisches Dekanat Nassauer Land
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