Allgemeine Berichte | 09.03.2026

Gedenkfeier zur zehnten Neugestaltung des lebendigen Mahnmals

„Seid Menschen“

Am 30. Januar 2026, in der Woche des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus und des Holocausts, fand am Kurfürst-Salentin-Gymnasium eine besondere Gedenkfeier statt. Foto: privat

Andernach. Am 30. Januar 2026, in der Woche des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus und des Holocausts, fand am Kurfürst-Salentin-Gymnasium eine besondere Gedenkfeier statt. Anlass war die zehnte Neugestaltung des lebendigen Mahnmals in der alten Aula der Schule – ein Projekt, das seit vielen Jahren von Schülerinnen und Schülern aktiv gestaltet und weiterentwickelt wird.

Das Mahnmal erinnert an die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus. Eine feste Seite trägt die Inschrift „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Auf einer Plexiglasscheibe stehen die Namen der Opfer aus der Schulgemeinschaft. Die andere Seite wird jedes Jahr neugestaltet – ein bewusst offener Teil, der jungen Menschen die Möglichkeit gibt, sich kreativ mit Erinnerung, Verantwortung und Gegenwart auseinanderzusetzen.

Das diesjährige Motto: „Seid Menschen“

In diesem Jahr stand die Neugestaltung unter dem Motto „Seid Menschen. Schaut auf das, was euch verbindet.“ – ein Ausspruch der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. Für die Schülerinnen und Schüler ist dieser Satz aktueller denn je. Gerade im Zeitalter von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz wollten die Kunstkurse der Jahrgangsstufe 11 ein Zeichen dafür setzen, dass Menschlichkeit, Empathie und das Bewusstsein für das Verbindende in der Gesellschaft nicht verloren gehen dürfen.

Gemeinsam mit ihren Kunstlehrerinnen Frau Annika Leese und Frau Lisa Verhagen und der Künstlerin Frau Violetta Richard entwickelten die Jugendlichen in den Wochen vor der Gedenkfeier und an drei intensiven Projekttagen eine künstlerische Umsetzung des Mottos. Ausgangspunkt waren Fotografien aus dem Alltag: Szenen, die typische menschliche Situationen zeigen und etwas über das Leben und Miteinander von Menschen erzählen. Diese Fotografien wurden anschließend individuell übermalt – als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und Individualität. Die entstandenen Werke wurden schließlich zu einer großen Gesichtsform zusammengesetzt. Das Gesamtbild steht symbolisch für eine Gemeinschaft, die aus vielen unterschiedlichen Individuen besteht und gerade durch diese Vielfalt zusammenfindet.

Projektarbeit in mehreren Fächern

Das Thema „Seid Menschen“ wurde nicht nur im Kunstunterricht aufgegriffen. Auch in den Fächern evangelische Religion, Geschichte und Deutsch beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 10 bis 12 mit unterschiedlichen Aspekten von Erinnerung, Menschlichkeit und Verantwortung. In kreativen Projekten, Diskussionen und eigenen Texten setzten sie sich intensiv mit historischen Erfahrungen und ihrer Bedeutung für die Gegenwart auseinander.

Die Klasse 10c schrieb zudem Briefe an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und bat sie um eine persönliche Stellungnahme zu dem Leitgedanken „Seid Menschen“. Besonders groß war die Freude über eine Antwort des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. In seinem Schreiben betonte er die Bedeutung der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen für die Gegenwart und würdigte die Botschaft von Margot Friedländer, die er persönlich mehrfach getroffen habe. Ihre Menschlichkeit und ihre tiefe Zuwendung zu jungen Menschen hätten ihn nachhaltig beeindruckt. Mit ihrem Engagement unter diesem Motto würden die Schülerinnen und Schüler das Vermächtnis der Zeitzeugin weitertragen, so Steinmeier.

Gedenkfeier mit Gästen aus Politik und Gesellschaft

Die feierliche Veranstaltung begann mit einer Performancedarbietung, die unter der Leitung des Performancekünstlers Johannes Deimling während der drei Projekttage erarbeitet worden war. In dieser künstlerischen Darstellung setzten sich Schülerinnen und Schüler mit Fragen von Menschlichkeit, Verantwortung und Zusammenhalt auseinander und brachten das Motto der diesjährigen Gestaltung auf eindrucksvolle Weise auf die Bühne.

Es folgte die Begrüßung durch die Schulleiterin Frau Beate Falterbaum, die die Gäste willkommen hieß und die Bedeutung des Mahnmals für die Schulgemeinschaft hervorhob.

Als besonderer Gast war der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch anwesend. Als ehemaliger Schüler des KSG ist er seit der Einweihung des lebendigen Mahnmals im Jahr 2016 Schirmherr des Projekts und begleitet es damit von Beginn an. In seinem Beitrag würdigte er das Engagement der Schülerinnen und Schüler und betonte, wie wichtig eine lebendige Erinnerungskultur gerade für junge Generationen sei. Neben ihm nahmen auch weitere Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Politik an der Veranstaltung teil.

Die Gedenkfeier wurde von zahlreichen Beiträgen der Schülerinnen und Schüler gestaltet. Mitglieder der Courage-AG beteiligten sich ebenso am Programm wie einzelne Schülerinnen und Schüler mit persönlichen Beiträgen. Ein Poetry-Slam griff das Motto „Seid Menschen“ auf. Außerdem berichteten Schülerinnen und Schüler über das schulische Projekt der Stolpersteine, das sich ebenfalls der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus widmet.

Musikalisch wurde die Gedenkfeier von Beiträgen der Chor-AG begleitet, während die Technik-AG für die technische Umsetzung der Veranstaltung sorgte.

Ausstellung zur Erinnerungskultur der Schule

Begleitend zur Gedenkfeier wurde in den Fluren der Schule eine Ausstellung aufgebaut. Dort wurden die Ergebnisse der verschiedenen Unterrichtsprojekte präsentiert. Gleichzeitig konnten Besucherinnen und Besucher eine dokumentierte Entwicklung der vergangenen zehn Gestaltungen des lebendigen Mahnmals nachvollziehen. Die Ausstellung machte sichtbar, wie sich das Projekt über die Jahre entwickelt hat und wie jede Schülergeneration ihre eigene Perspektive auf Erinnerung und Verantwortung eingebracht hat.

Dank an alle Beteiligten

Nun gilt der Dank allen, die zum Gelingen dieses besonderen Projekts beigetragen haben: an die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12, die sich in zahlreichen Projekten intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben, an die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer, an die Künstlerinnen und Künstler, an die Mitglieder der verschiedenen Arbeitsgemeinschaften sowie an die Rednerinnen und Redner des Tages.

Ein besonderer Dank gilt auch den Institutionen, die das Projekt finanziell unterstützt und damit seine Umsetzung ermöglicht haben: Die Schulgemeinschaft bedankt sich herzlich beim Förderverein des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums, beim Verein der SALENTINER sowie bei der Kreissparkasse Mayen. Durch ihre Unterstützung konnten die Projekttage mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern sowie die vielfältigen schulischen Aktivitäten rund um die Neugestaltung des lebendigen Mahnmals realisiert werden.

Am 30. Januar 2026, in der Woche des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus und des Holocausts, fand am Kurfürst-Salentin-Gymnasium eine besondere Gedenkfeier statt. Foto: privat

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