Allgemeine Berichte | 01.10.2018

Stadt plant Großprojekt „Quartier Saynbachaue“

Selters bekommt ein neues Gesicht

Geschäfte und Wohnungen in acht neu zu errichtenden Gebäudekomplexen sind in Planung

Viele interessierte Bürger hatten sich im Sitzungssaal der Verbandsgemeindeverwaltung eingefunden, um sich über das kommende Großprojekt in Selters zu informieren.

Selters. „Die Leute sollen sagen, ich wohne und lebe gut im eleganten Selters im Westerwald!“, so formulierte Stadtbürgermeister Rolf Jung den Grund für das Großvorhaben, das in einer Einwohnerversammlung zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im VG-Rathaus stellten Jung und der Chef des Planungsbüros „Stadt-Land-plus“ den 60 Zuhörern ein Millionenprojekt vor: das Quartier Saynbachaue, ein „visionäres städtebauliches Konzept für die Innenstadt von Selters“, wie es auf dem verteilten Hochglanzprospekt heißt.

Stadtbürgermeister Jung ließ keinen Zweifel daran, dass aus der Vision Wirklichkeit werden soll. Er sagte: „Der Stadtrat hat das beschlossen. Wir wollen wertigen und bezahlbaren Wohnraum im Innenstadtbereich schaffen.“

Ins Visier genommen haben sich der Stadtbürgermeister, der Rat und das Planungsbüro ein circa 8.000 Quadratmeter großes Gebiet zwischen Marktplatz, Rheinstraße, Bahnhofstraße und VG-Verwaltung/Rathaus. Im Wesentlichen handelt es sich um die an den Saynbach angrenzende, von Bäumen bewachsene Bachaue, die bisher hauptsächlich als Parkplatz genutzt wird. Daher rührt der Name „Quartier Saynbachaue“.

Augenmerk auf den Saynbach

Auf den von Planer Friedrich Hachenberg gezeigten Skizzen sind acht Gebäudekomplexe mit bis zu drei Vollgeschossen zu sehen. Dabei handelt es sich allerdings nur um freie Ideen des Planers. Über die konkrete Gebäudezahl und -gestaltung entscheidet letztlich der Stadtrat. Fest steht aber schon, dass der durch das Gebiet fließende Saynbach aufgewertet und optisch wie physisch besser zur Geltung kommen soll. Am Bach entlang ist ein Fußweg geplant. An der zur Verbandsgemeinde-Verwaltung führenden Saynbachbrücke, die verbreitert werden soll, könnte eine Gastronomie angesiedelt werden, sagte Friedrich Hachenberg.

Dort, wo heute die Nahverkehrsbusse halten, soll eine große so genannte „Mobilitätsstation“ entstehen, ein Gebäude zum Parken, zum Aufladen von Elektrofahrzeugen, zum Warten auf Busse oder Taxis und zum Abstellen von Fahrrädern und zur Gewinnung von Energie aus Sonnenlicht. Mit diesem Gebäude würde die Zahl der Parkplätze von jetzt 100 auf bis zu 137 steigen, sagte Friedrich Hachenberg.

Nach jetzigem Stand ist die Anordnung der Gebäude fächerförmig, wie eine Hand mit sechs Fingern, um ein Wohn- und Geschäftshaus herum, wo sich jetzt die Westerwaldbank befindet. Eine zentrale Idee der Planer ist das Schaffen einer Achse vom Verbandsgemeindegebäude über den Marktplatz bis zur evangelischen Kirche. Diese optische Achse wird im derzeitigen Plan verwirklicht durch einen sich aufweitenden Weg – ähnlich einer Fußgängerzone – am Nachbarschaftsplatz vorbei, entlang der neu zu schaffenden Gebäudelinien im Raum zwischen Rheinstraße und Bahnhofstraße und über die neue Saynbachbrücke bis zum Verwaltungsgebäude.

Verjüngung des Stadtkerns

Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums der letzten 30 Jahre habe es in Selters einen Strukturwandel gegeben, der negative Spuren hinterlassen habe, nannten Stadtbürgermeister Jung und Planer Hachenberg die Gründe für das Großprojekt „Quartier Saynbachaue“. Dadurch sei die Ortslage stark in den Außenbereich gewachsen, während der Strukturwandel in Teilen des Stadtkerns sichtbar negative Spuren hinterlassen habe – sanierungsbedürftige Bausubstanz, Geschäftsaufgaben, Teilleerstände. Dem soll das städteplanerische Konzept „Quartier Saynbachaue“ entgegenwirken.

Man möchte den Standort Selters als Wohn-, Arbeits- und Lebensort qualifizieren und gerade junge Bewohner und Familien anziehen und halten. Gleichzeitig sollen damit die Voraussetzungen verbessert werden, dass ältere Bewohner möglichst lange und selbstbestimmt in vertrauter Umgebung leben und städtische Vielfalt genießen können.

Pläne eines privaten Investors

Auf diese Planung abgestimmt ist das private Investitionsvorhaben von Thomas Schütz. Er möchte rund um die Alte Mühle privaten und öffentlichen Raum schaffen. In seiner Planung spielt das „Wassermotiv“ als ortsprägendes Gestaltungsmittel eine wichtige Rolle. „Wasser prägte von frühester Zeit das Schaffen der Menschen an diesem Ort“, lautet eine Aussage von Thomas Schütz in einer von der Stadt erstellten Mitteilung. Der Investor selbst nahm an der Einwohnerversammlung nicht teil, er hält sich, hörte man, weitestgehend im Ausland auf. Auf einem derzeit brach liegenden Gelände sollen Gebäude entstehen für Wohngruppen, Betreutes Wohnen und für das geplante „Stiftungsprojekt Jugendhilfe Selters“. Auch die alte Mühle soll künftig verschiedene Wohnformen ermöglichen. Die ehemalige Backfabrik soll für vielfältige kulturelle, öffentliche und Festanlässe nutzbar gemacht werden, aber auch den täglichen Aktivitäten der Bewohner der Anlage dienen. Mit diesem Vorhaben bekomme eine bisherige „Leerstelle im Stadtraum“ eine völlig neue Funktionalität, auch als Bindeglied zwischen Wohngebiet, Innenstadt und Saynbachcenter, heißt es in der Information der Stadt.

Beteiligung der Bürger

Rolf Jung teilte mit, dass man sich im Stadtrat auch schon über ein Genossenschaftsmodell als Bauträgerschaft Gedanken gemacht habe. Die Stadt besitzt noch nicht alle Flächen, die für die Verwirklichung des Projekts benötigt werden. Sie nutzt aber ihr Vorkaufsrecht, um weitere Flächen zu erwerben. Fragen der anwesenden Einwohner bezogen sich auf die Berücksichtigung eventueller Hochwasserlagen am Saynbach und die Einbeziehung der Interessen der Fahrradfahrer.

Bereits 2020 könnten die ersten Bauprojekte in die Planung gehen, hieß es auf die Frage nach dem Zeithorizont. Insgesamt sollen in den Gebäuden neben Einzelhandel und Dienstleistung bis zu 50 Wohnungen entstehen.

Vor einer Luftaufnahme der jetzigen Ansicht der Saynbachaue entlang der Bahnhofstraße erklärten Stadtbürgermeister Rolf Jung (links) und Stadtplaner Friedrich Hachenberg die Vision eines neuen, lebendigen Stadtviertels. KER

Vor einer Luftaufnahme der jetzigen Ansicht der Saynbachaue entlang der Bahnhofstraße erklärten Stadtbürgermeister Rolf Jung (links) und Stadtplaner Friedrich Hachenberg die Vision eines neuen, lebendigen Stadtviertels. Fotos: KER

So könnte es aussehen, das neue „Quartier Saynbachaue“ in Selters (Blick vom VG-Rathaus in Richtung Marktplatz). Büro Stadt-Land-plus

So könnte es aussehen, das neue „Quartier Saynbachaue“ in Selters (Blick vom VG-Rathaus in Richtung Marktplatz). Foto: Büro Stadt-Land-plus

Viele interessierte Bürger hatten sich im Sitzungssaal der Verbandsgemeindeverwaltung eingefunden, um sich über das kommende Großprojekt in Selters zu informieren.

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