53-jähriger Ex-Profi gewann sechsmal in S-Springen auf der Landesmeisterschaft beim RV Kurtscheid
Siege in Serie für neuen Spring-Landesmeister „Manni“ Scheid
Gute Erfolge der heimischen Dressurreiter
Bonefeld/Kurtscheid. Die besten Reiter in Rheinland-Pfalz und am Ende auch die Allerbesten im Land konnte man am vergangenen Wochenende drei Tage lang auf der Reitsportanlage „Gut Birkenhof“ der Familie Helmut Ewenz und des Reitervereins Kurtscheid bei ihrer Arbeit beobachten. In zwei Disziplinen – Dressur und Springen – und sechs (Dressur) beziehungsweise sieben (Springen) Alters- und Leistungsklassen galt es Punkte zu sammeln für die begehrten Landesmeistertitel. Darin diesmal besonders erfolgreich war der für Montabaur-Horressen startende Manfred Scheid aus Rüber (bei Polch in der Eifel). Er gewann sowohl die erste wie auch die zweite Wertungsprüfung für die Wertung der schwersten Kategorie der erwachsenen Reiter, die aus drei S-Springen an drei Tagen bestand. Außerdem belegte er erste Plätze mit anderen Pferden in einem weiteren S-Springen sowie in zwei M-Zweisterne-Springen und erreichte weitere gute Platzierungen. Dicht auf den Fersen war ihm an allen drei Tagen lediglich Steffen Hauter aus Großsteinhausen (Verbandsgemeinde Zweibrücken). Letztlich war es also ein spannendes Duell zwischen Nord und Süd von Rheinland-Pfalz, das am dritten Wettkampftag im dritten Springen entschieden werden musste. Scheid, ein Routinier des Reitsports, der bereits in jungen Jahren, trainiert von seinem Vater und später für das Gestüt Drachenhof der Züchter Rombelsheim reitend große Erfolge verbuchen konnte, zeigte Klasse und stabile Nerven und legte auch im dritten und entscheidenden Parcours wieder sensationell eine Nullrunde hin. Der Jubel im Kurtscheider Springstadion war gewaltig, als „Manni“ Scheid mit seinem eindrucksvollen Hannoveraner Schimmelwallach Vitus über die Ziellinie galoppierte. Da wussten alle, dass der Süd-Rheinland-Pfälzer Steffen Hauter keine Chance mehr auf den Titel hatte, den er brachte aus den Vorrunden bereits 1,52 Fehlerpunkte mit, während Scheid es mit zu vernachlässigenden 0,01 Fehlerpunkten ins Finale geschafft hatte. In diesem letzten Springen lief es so gut für den 53-Jährigen, dass er gleich noch mit zwei weiteren Pferden aufs Treppchen springen konnte. Was es so im Turniersport vielleicht noch nie gegeben hat: Manfred Scheid blieb mit seinen drei eigenen und von ihm selbst ausgebildeten Pferden, zwei davon erst sieben Jahre alt, als einziger im Normalparcours fehlerfrei! Dadurch wurde das Stechen um den Sieg überflüssig und Scheid belegte mit drei Pferden dreimal den 1. Platz im schwersten Springen des Turniers. Damit hatte er auf einem Turnier sechs S-Springen gewonnen.
Zu „BLICK aktuell“ sagte er am Ende des für ihn grandiosen Turniers: „Ich freu‘ mich! Das ist schon ziemlich einmalig, dass man mit drei Pferden als Einziger im Normalparcours Null bleibt und mit allen drei Pferden den ersten Platz belegt. Es war ein ausgesprochen gutes Wochenende für mich. Ich habe das Glück, gute Pferde zu haben und das nötige Quentchen Fortune auf meiner Seite gehabt.“
Den Reitsport betreibt Manfred Scheid, der einmal Profi war und sogar ein Jahr für Paul Schockemöhle ritt, nach eigener Aussage nur noch als Hobby. Er habe jetzt keinen Druck mehr, meint er und fügt hinzu: „Vielleicht läuft es auch deshalb so gut.“ Erst vor einem Jahr ist „Manni“ Scheid im Turniersport wieder aufgetaucht, nach einer langen Verletzungspause. Mit leichten Springpferdeprüfungen brachte er seine „Kameraden“, wie er die Pferde nennt, auf ihr heutiges Niveau. Nach seiner Reitweise gefragt sagt er: „Klassisch! Das, was heute die wenigsten noch können. Ich halte mich an die deutsche Reitlehre. Mit Takt fängt alles an und endet bei Versammlung. Ganz wichtig ist: Man muss sich in die Pferde hineindenken!“ Als Landesmeister hat er jetzt die Option auf eine Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der Springreiter. Doch darüber will der gestandene Pferdemann erst mal in Ruhe nachdenken. Landesmeister der Dressurreiter wurde Marie-Louise Colling von den Reitsportfreunden Neu-Bamberg vor Marcel Kanz (Langenhahn) und Denise Ewenz vom gastgebenden RV Kurtscheid. Dressur-Landesmeister der jungen Reiter wurde Christian Alsdorf aus Neuwied, bei den Dressur-Junioren Franziska Nölken vom RV Neumannshöhe (Neustadt/Wied). Alle Ergebnisse des Meisterschaftsturniers auf www.equi-score.de.
Jutta Spies ist die Vorsitzende des großen Reitvereins Kurtscheid. Für sie und den Verein war es die erste auszurichtende Landesmeisterschaft und es war, wie die Geschäftsfrau sagt, schon „eine ganz andere Nummer“ als ein normales Reitturnier: „Die Reiter kommen mit ihren Spitzenpferden aus dem ganzen Land und stellen natürlich dementsprechend hohe Ansprüche an die Sportanlagen und das Umfeld. Das fing damit an, dass wir den Springplatz vergrößern mussten auf 4.000 Quadratmeter, um Zweisterne-S-Springen austragen zu können.
Außerdem wollen wir für das Turnier einen feierlicheren Rahmen schaffen. Wir haben Platz für Pagodenzelte geschaffen und stellen eine anspruchsvolle Gastronomie zur Verfügung. Das war alles nur zu leisten, weil uns ein super engagiertes Helferteam des Reitvereins Kurtscheid zur Verfügung steht.“ Bereits vier Monate vor dem Turnier startete die heiße Vorbereitungsphase. Ebenfalls speziell für die Landesmeisterschaft wurde am Rand der Arena eine große Fernsehleinwand installiert, auf der alle Ritte live mitverfolgt werden konnten. Ein besonderes Ereignis auf dem Turnier war die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens an Christian Alsdorf aus Neuwied für zehn S-Siege in der Dressur und Marina Röhrig aus Mülheim-Kärlich im Springen
Ein großer Tag für Marina Röhrig aus Mülheim-Kärlich (links) und Christian Alsdorf aus Neuwied (rechts). Für zehn S-Siege im Springen beziehungsweise der Dressur wurde den jungen Reitern das Goldene Reitabzeichen verliehen. Fotos: KER
Auf dem Sandviereck im Rosengarten des RV Kurtscheid wurde an drei Tagen hochkarätig Dressur geritten. Dieses Pony qualifizierte sich für das Bundeschampionat der Dressurponys.
