Vor-Tour der Hoffnung radelt für krebs- und leukämiekranke Kinder
Silberjubiläum mit Spenden und Stimmung
Kreis Ahrweiler. Nach zweijähriger coronabedingter Zwangspause rollte die Vor-Tour der Hoffnung zum 25. Mal durch die Region. Silberjubiläum für die Benefiz-Radtour in Rheinland-Pfalz, die Spenden zugunsten krebs- und leukämiekranker Kinder, ihrer Familien und der entsprechenden Forschung sammelt. Stationen im Kreis Ahrweiler waren Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Bad Breisig. Rückblick: Seit 1983 findet die Tour der Hoffnung, die von Professor Fritz Lampert in Gießen ins Leben gerufen wurde, jährlich statt. Sie ist die größte privat organisierte Benefiz-Radtour in Deutschland, bei der bislang mehr als 36 Millionen Euro gesammelt wurden. Die Spendengelder fließen zu 100 Prozent in die Bereiche Forschung, pflegerische und psychosoziale Betreuung, neue Behandlungskonzepte und notwendige Baumaßnahmen.
Blick in die Geschichte
1996 wurde dann vom damaligen Verkehrsdirektor der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler Jürgen Grünwald die Idee geboren, mit dem Rennrad zum Start der Tour der Hoffnung nach Gießen zu fahren, um dort einen ansehnlichen „Startscheck“ zu übergeben. Zusammen mit seinem Freund Gregor Waldorf machte er sich auf in die Universitätsstadt an der Lahn, der Tour entgegen. Es war die Geburtsstunde der Vor-Tour der Hoffnung. Aus den zwei Radlern sind inzwischen 130 bis 150 Teilnehmer aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Medizin, Show und Sport geworden, die für die gute Sache in die Pedale treten. Mit dabei waren diesmal unter anderem der ehemalige Landtagsvizepräsident Hans-Josef Bracht, Ex-Radprofi Christian Knees, Turner Eberhard Gienger, FIFA-Schiedsrichter Edgar Steinborn und SWR-Moderator Martin Seidler. Aus der aktuellen Politik hatten sich Fabian Kirsch als Chef der Staatskanzlei in Mainz, die Wahlkreisabgeordnete Mechthild Heil und auch Landrätin Cornelia Weigand das Tour-Trikot übergezogen.
An den Etappenorten herrschte dann so etwas wie Volksfeststimmung, denn die Tour-Kümmerer hatten jeweils Vor-Programme für die Vor-Tour organisiert. So war in Sinzig unter Federführung des Hauses der offenen Tür die Kunstschule von Stefanie Manhillen ebenso mit von der Partie wie Zirkuspädagoge Stefan Bauer. Und SWR-Pflanzenexpertin Heike Boomgaarden „verkaufte“ gemeinsam mit Reiner Friedsam vom Mannheimer Großmarkt gestiftete Blumen und Sträucher für den guten Zweck und „damit wieder ein Lächeln in die Vorgärten des Ahrtals kommt“.
„Der Name ist Programm“, sagte in Sinzig Cornelia Weigand vor den Teilnehmern der Vor-Tour ins Mikrofon von Martin Seidler. Denn auch im von der Flut gebeutelten Ahrtal wachse die Hoffnung. Ein Jahr lang sei viel Basisarbeit für den Wiederaufbau geleistet worden. Und das „Auszahlen der Hilfsgelder komme auch so langsam auf die Zielgerade“. Eine Überraschung hatte Boomgaarden, die das Publikum auch auf Stimmungstemperatur gecoacht hatte, für die Kreischefin: In einer internationalen Aktion mit Künstlern will der SWR im Kreis Ahrweiler einen Park mit Pflanzen gestalten. Einen entsprechenden Termin will Boomgaarden mit Weigand noch festlegen.
Jürgen Grünwald gab indes das Spendenziel der Vor-Tour vor und erwähnte, dass im vergangenen Jahr „ohne Tour“ schon 420.000 Euro gespendet worden seien. Diesmal wolle man versuchen, denn 2017 aufgestellten Spendenrekord von 615.000 einzustellen. Da bestehen durchaus gute Chancen, denn durch die Spenden im Kreis Ahrweiler - vom Kindergarten bis zum Geldinstitut und Benefiz-Organisationen – war die Vorjahressumme schon fast erreicht. Wie ein Ausrufezeichen dahinter wirkte da die Aktion von Klaus Renz und Eberhard Gienger. Auf der Bengener Heide in Bad Neuenahr mit dem Flieger gestartet, legten sie aus 1000 Metern Höhe in Sinzig auf der Jahnwiese eine Punktlandung hin. Während in Sinzig der Beigeordnete Hans-Werner Adams den Obolus der Stadt überreichte, was es am Rheinufer in Bad Breisig Bürgermeister Marcel Caspers. Dieser hob auch hervor, dass die Vor-Tour der Hoffnung seit ihrer Premiere bereits mehr als 5,7 Millionen Euro an Spenden akquiriert habe: „Treten Sie weiter kräftig in die Pedale und sammeln Sie genauso kräftig weiter Spenden.“
Gewusel am Rheinufer
Dass dieses Spaß macht, war am Bad Breisiger Rheinufer nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Singend und winkend zog das Peloton in einer Polonaise zum Vor-Tour-Lied „Oh schiebst du mich“ von Hans-Hermann Walkenbach in einer Polonaise über die Promenade. Und der Bad Breisiger Alwin Weidenbach hatte mit seinem Song „Wir sind alle eine Familie“ ein Heimspiel. Die La-Ola-Welle war verdient. Das Lied hatte Weidenbach übrigens am Samstagabend beim Festabend zum Start der Vor-Tour im Kölner Maritim vor 400 Gästen uraufgeführt.
Mitten im Gewusel der Bad Breisiger Polonaise zog „Super-Michel“ die Blicke von Radlern und Publikum auf sich. Der 81-jährige Franzose fungierte, in die Farben seines Heimatlandes gekleidet, als selbsternannter Stimmungsmacher der Vor-Tour. Besuchern von Marathonläufern und auch Radrennen ist Michel Descombes als Original ein Begriff, denn seit 40 Jahren ist er ehrenamtlich für kranke oder behinderte Kinder in der Rolle des „Super-Michel“ unterwegs. Nicht ohne Stolz sagte der Senior mit dem Minifahrrad denn auch: „In der Zeit habe ich alleine mehr als eine halbe Million Euro für die Kinder gesammelt.“ Sprach`s und widmete sich wieder mit Anforderungsrufen dem Publikum zu, das, ausgerüstet mit Sonnenblumen als Zeichen der Hoffnung die Vor-Tour wieder auf die Piste schickte. Mit Polizeieskorte und Tross ging es zum Tagesziel Koblenz, wo die in Köln gestartete 130 Kilometer lange Etappe endete. Zum Finale der mit einer Rundfahrt im Rhein-Sieg-Kreis gestarteten Vor-Tour ging es am Dienstag in den Kreis Neuwied.
GS
Der 81-jährige Franzose Michel Descombes ist Stimmungsmacher der Tour und hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 40 Jahren rund eine halbe Million Euro für an Krebs erkrankte Kinder gesammelt.
Sportfreunde: Jürgen Grünwald (links) und Marcel Caspers.
