Der Rheinische Verein besuchte die Barbarossastadt
Sinzig in zwei Stunden - das geht leider nicht
Sinzig. Knapp 30 Personen bildeten die Gruppe des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RV), die der Einladung der Regionalverbandes BN-SU-AW zur Stadtführung durch Sinzig folgten. Mit den Worten „Europe in a fortnight oder Sinzig in zwei Stunden - das geht leider nicht“ wurden sie von K-F Amendt, dem Vorsitzenden des Denkmalpflege- und Museumsverein Sinzig empfangen. Mittelalterliche Sehenswürdigkeiten und unglaublich viel Geschichte hat die Stadt zu bieten, folglich sind hinsichtlich des Besuchprogramms Kompromisse notwendig; es ist nicht möglich, mehr als einen ersten Eindruck zu vermitteln. Doch die Tourist-Information hatte dankenswerterweise vorgesorgt: Zum vertiefenden Nachlesen oder zur individuellen Erkundung der Stadt bei einem späteren Besuch, gab es für alle Teilnehmer als Begrüßungsgeschenk einen gedruckten ‚Spaziergang durch die Barbarossastadt Sinzig.
Viele Sehenswürdigkeiten aus vergangenen Jahrhunderten
Tatsächlich haben sich in dem kleinen Städtchen Sinzig noch viele Sehenswürdigkeiten aus den vergangenen Jahrhunderten erhalten: Schon von Weitem grüßt das Wahrzeichen der Stadt Sinzig, die Kirche St. Peter aus dem 13. Jahrhundert, im Sterbejahr Kaiser Karl des Großen (814) erstmals als capella erwähnt.
Weil jede fränkische Königspfalz mit einem Gebetsraum ausgestattet sein mußte, gehörte diese Kapelle ganz gewiss zur Königspfalz, die sich ‚gleich nebenan‘ befand. Die ehemalige Königspfalz, heute Zehnthof genannt, ist das für die Geschichte Sinzigs wichtigste Gebäude; der Pfalz verdankt die Stadt die erste urkundliche Erwähnung Sinzigs (762).
Sie wurde erbaut an strategisch wichtiger Stelle zur Sicherung der Aachen-Frankfurter-Heerstraße, die hier auf die aus römischer Zeit stammende Rheintalstraße trifft.
Knapp hundert Jahre später (855) verschenkte Kaiser Lothar I. die Pfalz mit allen dazugehörigen Liegenschaften und Bediensteten an das Aachener Marienstift. Das Stift nutzte die Gebäude als Zehnthof. Nach der Säkularisierung während der Franzosenzeit, wurde der Zehnthof im 19. Jahrhundert zwar im Stil des Historismus zur repräsentativen Wohnanlage umgebaut, doch einzelne Mauerreste und Grundrissdetails der Pfalz die Einhard (Biograf Kaiser Karl des Großen) beschrieben hatte, konnte der letzte Besitzer nachweisen.
Aus dem frühen 14. Jahrhundert stammen die Reste der Stadtmauer, die derzeit zum 750. Jahr der Stadtwerdung Sinzigs im Jahr 2017 restauriert werden. Ludwig der Bayer genehmigte 1337 den Bau einer Wasserburg außerhalb der Stadtmauer. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ließen die Jülicher Pfalzgrafen diese Burg zum Schloss umbauen, nur wenige Jahrzehnte später (1689) wurde es von den Truppen des französischen ‚Sonnenkönigs‘ zerstört. Auf den Fundamenten ließ Gustav Bunge, Pionier des Eisenbahnbaues vor rund 150 Jahren (1858) den Sommerwohnsitz seiner Familie errichten - der Name Sinziger Schloss blieb erhalten.
Die Stadtführung begann am Bahnhof, der ‚zufälligerweise‘ genau so alt ist, wie das Schloss. Auf kürzestem Weg ging es am ehemaligen Kloster Helenaberg vorbei zu einem Reststück der Stadtmauer, durch den Park zu Füßen des Zehnthofes, am Amtsgericht und dem Barbarossadenkmal und weiter in das Sinziger Schloss mit dem Heimatmuseum. Am Stadtmodell, welches Sinzig um 1650 zeigt, lassen sich nämlich die historischen Zusammenhänge am besten erklären.
Zum Abschluss in die Peterskirche
Auf diese Weise mit Wissen versorgt, ging es nach einem kurzen Abstecher zum Markt- und Brunnenplatz in die Peterskirche. Wegen der Karwoche war der dreiflügelige Passionsaltar aus dem 15. Jahrhundert (1480) leider zugeklappt. Ein ‚Muss‘ war selbstverständlich die Mumie des Sinziger Vogts, wichtiger aber sind die im gleichen Raum meist ‚übersehenen‘ Malereien aus der Entstehungszeit der Kirche. Der Besuchergruppe des RV gebührt ein großes Kompliment, sie war außerordentlich interessiert. Aus Zeitgründen konnten leider nicht alle Fragen nach Hintergrundinformationen beantwortet werden.
Mehrmals musste auf die verteilte Broschüre verwiesen werden, sonst hätte die Gruppe es nicht geschafft, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wenigstens kurz in Augenschein zu nehmen. Erst drei Stunden nach dem Beginn der Führung konnten die mit der Bahn angereisten Besucher am Bahnhof verabschiedet werden.
