Allgemeine Berichte | 18.06.2025

Barockfigur des Johannes Nepomuk in Andernach restauriert

Skulptur am Kurfürstendamm erstrahlt neu

Beschädigte Stellen wurden behutsam ausgebessert, Bemalung und Vergoldung teilweise erneuert. In neuem Glanz kehrt die Figur damit in den städtischen Alltag zurück. Foto: privat

Andernach. Unweit des Andernacher Bahnhofs steht am Kurfürstendamm ein kleines Heiligenhäuschen, das eine barocke Figur des Johannes Nepomuk beherbergt. Dieses kunsthistorisch bedeutsame Objekt aus dem 18. Jahrhundert wurde nun umfassend gereinigt und restauriert. Die ursprünglich farbig gefasste Skulptur eines unbekannten regionalen Bildhauers blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

Ursprünglich befand sich die Figur in einer von Johann Michael (von) Rörig gestifteten Kapelle an der Kreuzung von Breite Straße und Aktienstraße. Rörig, 1691 in Andernach geboren, war zunächst für den geistlichen Stand vorgesehen, verweigerte sich diesem jedoch. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Trierer Reichsabtei St. Maximin kehrte er um 1710 nach Andernach zurück. Der Überlieferung nach fasste er auf dem Weg dorthin an einer kleinen Brücke über den Kennelbach – dem heutigen Schafbach – den Entschluss, nicht zu seinen Eltern zurückzukehren, sondern nach Wien aufzubrechen. An dieser Stelle, möglicherweise nahe einem bereits bestehenden kleinen Kapellchen, soll er dem Brückenheiligen Johannes Nepomuk ein Gelübde abgelegt haben: Sollte er in der Fremde Erfolg haben, wolle er dem Heiligen eine Kapelle stiften.

Rörig gelangte später in Wien und Passau zu Ansehen und Reichtum. Um 1755/56 ließ er schließlich auf eigene Kosten eine barocke Kapelle an der Brücke über den Kennelbach errichten. Vermutlich entstand zu diesem Zeitpunkt auch die Nepomuk-Figur, die nun am Kurfürstendamm steht.

Im Zuge von Verkehrsplanungen wurde 1935 beschlossen, die Kapelle zu versetzen. Anfang 1936 erfolgte der Abbruch und die Wiedererrichtung nahe dem Friedhof der damaligen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt an der Kreuzung von Aktienstraße und St. Thomaser Hohl. Bei den Arbeiten kamen mehrere romanische Bauplastiken aus dem frühen 13. Jahrhundert zum Vorschein. Diese stammten aus der Werkstatt des sogenannten „Laacher Samsonmeisters“ und könnten ursprünglich Teil des 1750 abgerissenen Lettners des Mariendoms gewesen sein. Die Stücke wurden zweitverwendet in die Nepomuk-Kapelle integriert und sind heute im Stadtmuseum ausgestellt.

Die Kapelle war nach ihrer Versetzung zeitweise dem Verfall preisgegeben und wurde 1965 endgültig abgerissen. Die Skulptur gelangte zunächst ins Stadtmuseum. Im Jahr 2005 wurde sie neu gefasst und in ein schlichtes Heiligenhäuschen in der Nähe des ursprünglichen Standorts am Kurfürstendamm versetzt. Die beiden Basaltsäulen stammen noch aus dem 18. Jahrhundert und gehörten zur ersten Kapelle.

Seither wird die Johannes-Nepomuk-Figur von der gleichnamigen Andernacher Nachbarschaft gepflegt und regelmäßig mit Blumen geschmückt. Nach rund zwei Jahrzehnten im Freien war nun eine Restaurierung erforderlich geworden. Das Stadtmuseum beauftragte dafür die Koblenzer Restauratorin Katrin Etringer. Beschädigte Stellen wurden behutsam ausgebessert, Bemalung und Vergoldung teilweise erneuert. In neuem Glanz kehrt die Figur damit in den städtischen Alltag zurück. In Kürze soll zudem ein Wappenschild mit dem Familienwappen des Stifters Johann Michael Rörig über dem Heiligenhäuschen angebracht werden.BA

Beschädigte Stellen wurden behutsam ausgebessert, Bemalung und Vergoldung teilweise erneuert. In neuem Glanz kehrt die Figur damit in den städtischen Alltag zurück. Foto: privat

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