Musik in alten Dorfkirchen mit ungarischem Touch: Tambura trifft Westerwald
Söndörgö lassen die Kirche erstrahlen
Zahlreiche Besucher in der evangelischen Kirche
Höhr-Grenzhausen. Dass der Westerwald reich an Kultur und Tradition ist, ist allen bekannt. Dabei verliert er aber auch nie den Blick für andere Kulturen und die Brauchtümer aus anderen Ländern sind hier immer herzlich willkommen. Eines von vielen Projekten zum Kulturaustausch fand vor Kurzem in der evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen statt. Die 21. Weltmusikreihe „Musik in alten Dorfkirchen“ präsentierte vor einem großen Publikum die ungarische Band „Söndörgö“.
Die Kirche war an dem Abend trotz Sommerferien und gutem Wetter bis zum letzten Platz gefüllt und die Zuschauer warteten gespannt auf den Auftritt der fünf Musiker. Nachdem Uli Schmidt, Vorsitzender des Vereins „Kleinkunstbühne Mons-Tabor“ einige einleitende Worte gesprochen hatte, betraten die Ungarn die Bühne. Mit einer beachtlichen Vielzahl an Instrumenten kombinierten sie traditionelle Lieder mit modernen und innovativen Klängen. Musik aus aller Welt, egal ob türkisch, jüdisch oder mazedonisch, sämtliche östlichen Kulturen wurden in den Stücken aufgenommen.
Die Tambura stand trotz zahlreicher weiterer Instrumente im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt der Instrumente stand die Tambura. Sie ist ein Instrument, ähnlich einer kleinen Gitarre mit sehr hohen Tönen, welches die serbischen und kroatischen Minderheiten in Ungarn repräsentiert. Besonders bei den schnelleren Liedern zeigten sie ihre gute Laune und ihren Sinn für Humor und heizten damit ihrem Publikum ein. Am Ende eines jeden Liedes waren die Zuschauer begeistert. Standing Ovations brachten nach dem Konzert die Entzückung des Publikums zum Ausdruck, wozu der Charme der fünf Ungarn nicht unwesentlich beigetragen hat. Das breite Instrumentenspektrum reichte von Akkordeon, über Kontrabass und Trompete, bis hin zur Klarinette. Wanden die Zuschauer nur kurz den Blick ab, so war direkt ein neues Instrument auf der Bühne, welches professionell gespielt wurde. Auch als Duo und mit ruhigeren Liedern verzauberten Söndörgö die gefüllte Kirche.
Die Band setzt sich aus der Familie Dávid Eredics, Áron Eredics, Salamon Eredics, Benjamin Eredics und Freund Attila Buzás zusammen. Auch wenn es einigen der Gruppe nicht anzusehen ist, spielen sie bereits seit 20 Jahren und sind keine unbekannte Band. Im Gegenteil: Auf den großen Bühnen der Welt repräsentieren sie die osteuropäische Musik und sind eine der bekanntesten Bands Osteuropas.
Auf vielen Festivals, wie beispielsweise „Roskilde“ waren sie schon zu Gast und ihre drei rausgebrachte Alben werden als „Top of the world“ eingestuft. Da sie, anders als andere ungarische Bands, anstelle der Geige die Tambura in den Mittelpunkt stellen, zählen sie zu den originellsten und bekanntesten Bands Ungarns. Mit eigner hochmoderner und innovativer Technik sorgen die fünf Männer für den besten Klang auf ihren Konzerten.
Guten Klang, auch ohne Technik, bieten alte Kirchen. Aus diesem Grund sind sie ideal für Konzerte. Das Projekt „Musik in alten Dorfkirchen“ kombiniert die ausgeprägte Akustik einer Kirche mit dem Kennenlernen einer neuen Kultur und deren Musik. Vor 21 Jahren hatten Uli Schmidt und sein Verein „Kleinkunstbühne Mons-Tabor“ die Idee, die Kulturen der Welt dem Westerwald zu präsentieren. Damit leistet der Verein einen wichtigen Beitrag zum vielseitigen Kulturprogramm im Rheinland.
In Zukunft sollen noch mehr Jugendliche angesprochen werden
Mit dieser Idee wurde eine Nische gefüllt, die es so noch nicht gab und es sollte originell und hochwertig aufgezogen werden. Das hat der Verein geschafft und durfte im Juni dieses Jahres sein 100. Konzert präsentieren. Die Weltmusikreihe ist extra für den Kultursommer Rheinland-Pfalz entstanden, welcher viele 100 Veranstaltungen im Jahr unterstützt und fördert. Obwohl die Konzerte in den Kirchen der Westerwälder Dörfer sehr populär sind, sollen noch mehr Jugendliche angesprochen werden, von denen es momentan im Publikum noch sehr wenige gibt. Mit der Idee „21 Freikarten für Jugendliche bis 21 Jahren“ wollten sie den Altersschnitt in der Kirche senken. Leider stieß diese Idee auf wenig, beziehungsweise gar keine Reaktion seitens der Jugendlichen, sodass es auch in der Höhr-Grenzhausener Kirche an Jugendlichen mangelte. Die Musik, die Söndörgö zu bieten hatte, ist eigentlich auf jüngere Generationen zugeschnitten, weswegen der Verein zwar stolz auf die gefüllten Kirchen ist, sich jedoch mehr Zuspruch beim jüngeren Publikum wünschen würde.
Nächstes Konzert am Sonntag, 18. November in Nordhofen
Vielleicht schafft das ja die nächste Band: „Son del Nene“ aus Kuba kommen am Sonntag, 18. September in die Dorfkirche nach Nordhofen, und schließen damit die 21. Weltmusikreihe ab. Die „Kleinkunstbühne Mons-Tabor“ zweifelt nicht daran, dass die Karten schnell ausverkauft sein werden und freut sich auf temperamentvolle kubanische Klänge sowie auf zahlreiche Zuschauer, die erfahren wollen, welch bunte und spannenden Kulturen die Welt zu bieten hat.
Áron Eredics sorgte für gute Stimmung und hatte großes Talent im Spiel auf der Tambura.
Die Zuschauer jubelten den fünf Künstlern zu und waren begeistert von den osteuropäischen Klängen.
Auch im Duett bewiesen sie professionellen Umgang mit ihren zahlreichen Instrumenten und entführten die Zuschauer in die Kultur Ungarns.
