Allgemeine Berichte | 27.06.2016

Kunst und Kultur im Johanniter-Haus in Sinzig

„Sommer für die Sinne“ erlebte seinen Auftakt

Die Kultursommer-Initiative will Teilhabe am Gesellschaftsleben ermöglichen und die Generationen verbinden

Leo Schlagwein mit einer seiner geometrischen Arbeiten. HG

Sinzig. Ein buntes Fest wurde am Sonntag im Johanniter-Haus gefeiert. Rote Schmetterlinge, die Bewohnerinnen und Bewohner an den Blusen und Hemden trugen, machten deutlich, dass es sich um ein herausgehobenes Ereignis handelte. Der „Sommer für die Sinne“ ging an den Start. So nennt sich ein neues Kulturprogramm, das von seinem Auftakt am Sonntag bis weit in den September hinein abwechslungsreiche Veranstaltungen, Lesungen, Kabarett, Aktionen und Ausstellungen, anbietet. Mit von der Partie sind regionale Künstler, prominente Gäste, ehrenamtlich Tätige, Vereine und Förderer, junge und alte Menschen. „Wir starten ein Wagnis im Rahmen des Kultursommers in Rheinland-Pfalz“ hatte die Einrichtung vorab verlautet.

Erdacht und organisiert von der Qualitätsmanagementbeauftragten Esther Zimmermann, will das Programm „die Teilhabe am Gesellschaftsleben ermöglichen und die Generationen verbinden“. Dem Andrang und nach den Mienen von Bewohnern und Angehörigen zu urteilen – auch Sinzigs Beigeordnete Charlotte Hager gratulierte – freuten sie sich über den gelungenen Start, bei dem es viel zu sehen, hören und schmecken gab. Erstmals hat sich das Seniorenheim beim Kultursommer Rheinland-Pfalz beworben und auf Anhieb einen Zuschlag von 3000 Euro erhalten. „Wir haben anscheinend sehr überzeugt mit unserem Konzept“, sagte Sozialdienstleiterin Heike Schulz, die durch den Nachmittag führte.

Leider war Einrichtungsleiterin Ina Rohlandt gesundheitlich verhindert. Doch ließ sie ein Grußwort vorlesen. Darin sagte sie all denen herzlichen Dank, „die unermüdlich im täglichen Wirken und im Sinne der Johanniter aus Liebe zum Leben tätig sind. Ohne dieses Zusammenwirken Hand in Hand kann kein Fest gelingen, keine Gemeinschaft bestehen.“ Pfarrer Frank Werner erbat Gottes Segen für alle Anwesenden und deren Familien. Der Mensch solle nie vergessen, dass es Gott sei, der uns machen lasse und helfe zu machen. Die Mitarbeiterinnen des Johanniter-Hauses sprachen Fürbitten und Gebete. Neben dem Land fördern auch der Kreis Ahrweiler und die Stadt Sinzig das Projekt, das die Buchhandlung Lesezeit und Foto Flück unterstützen.

„Was schön sein könnte“

„Warum haben wir uns beim Kultursommer beworben?“, fragte Schulz, um den Bewohnern selbst die Antwort zu liefern: „Früher haben Sie Konzerte, Theater, Lesungen besucht, was jetzt schwierig ist.“ Mit Esther Zimmermann überlegte sie, „was schön sein könnte“, um das Haus für Kunst und Kultur zu öffnen. Schön fanden beide, den Sänger und Liedermacher Purple Schulz und ebenso Moderatorin Christine Westermann für eine Lesung (1. und 19. September) anzufragen sowie den Kabarettisten Konrad Beikircher zu buchen (15. September). Vorher, am 16. Juli, wird Oliver Schulz beim Grillabend mit „Speed-Carving“ Holzfiguren rasant mit der Motorsäge schnitzen. „Farbenspiele“ gibt es gemeinsam mit dem Jugendhaus HOT am 28. Juli. Und dreimal im August (3., 5. und 10.) leitet Michael Nitsche den Workshop „Gesang der Generationen“.

Fotografie, Malerei, Keramik

Bereits zum Fest schmückten Bewohner-Fotos in Schwarz-Weiß die Wände sowie Aufnahmen Sinziger Frauen, die Claudia Flück-Debüser beisteuerte. Sie, deren Mutter Mathilde ebenfalls im Johanniter-Haus gelebt hat, wird den gesamten Kultursommer fotografisch begleiten.

Eine Vernissage erlebte zugleich die bildende Kunst mit zwei sehenswerten Ausstellungen. Maler Leo Schlagwein aus Westum erläuterte seine großen strukturierten Bildwerke und Papierarbeiten. Sie hängen an ausgesuchten Stellen im Café, in den offenen Bereichen, im sogenannten grünen und schwarzen Salon. Meist geometrisch angelegt, weisen die Gemälde dennoch zuweilen Figuren- und Landschaftsbezüge auf. Andere lenken den Blick in Dimensionen von Zeit und Raum. Im Hof und idyllischen Parkbereich aber erfreut Erika Hömmerich aus Bad Breisig mit originellen Keramikskulpturen. Wer ihre vielfüßigen „Krabbler“ sieht, muss unwillkürlich schmunzeln. Erdfarbene Fantasie-Architektur, lustige Vogelhäuser mit Köpfen und farbige Pflanzgefäße im Patchwork-Design bezaubern im Grünen. Es lohnt, alles in Ruhe für sich zu entdecken.

Dazu kamen die Teilnehmer des Festes kaum. Denn auch Gespräche, Grill und Kuchenbüffet, Tombola und Musik verlangten ihre Aufmerksamkeit. Das Duo „Die Akzente“ ließ bekannte Melodien erklingen. Der Bewohnerchor „Goldkehlchen“ trat mit Volksweisen und peppigen Liedern auf.

Flyer des kompletten Programms gibt es im Johanniter-Haus, Renngasse 7. Für einige Angebote sind Anmeldungen erforderlich. Manche Angebote sind kostenfrei, für andere gibt es Karten unter www.kultursommer.de oder www.lesezeit.com oder im Johanniterhaus unter Tel. (0 26 42) 9 90 51-0. HG

Sozialdienstleiterin Heike Schulz stellte das Kulturprogramm vor und führte durch den Nachmittag.

Sozialdienstleiterin Heike Schulz stellte das Kulturprogramm vor und führte durch den Nachmittag. Foto: unknown

Erika Hömmerich kreiert Pflanzgefäße und Schalen, die Farbe in den Alltag bringen.

Erika Hömmerich kreiert Pflanzgefäße und Schalen, die Farbe in den Alltag bringen. Foto: unknown

Leo Schlagwein mit einer seiner geometrischen Arbeiten. Fotos: HG

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