Allgemeine Berichte | 08.11.2017

In der Messel-Fossilienlagerstätte wurden viele neue Eindrücke gesammelt

Sommerfahrt des Heimatvereins

Niederbachem. An einem schönen Sonntag stand der Bus der Firma Jablonski am vereinbarten Treff Henseler Hof bereit. Gut gelaunt und erwartungsvoll stiegen 36 Reiseteilnehmer ein. Mit dem erfahrenen Fahrer, dem Chef persönlich, der mit Ruhe und rheinischem Humor chauffierte, fühlten sich alle sicher gefahren. Bis auf einen Stau kurz vor Messel wurde das Ziel zügig erreicht. Dort angekommen begann um 11:30 Uhr die Führung zur Grube durch eine akademisch ausgebildete Fachkraft. Auf dem Weg zur Grube konnte viel über deren Entstehung und Entdeckung erfahren werden. Kleine Fossilien, die ausführlich erklärt wurden, wurden groß bestaunt. In einem Holzhaus war die Überraschung die Nachbildung eines Urpferdchens. Der Fremdenführer erklärte die Entstehung der Grube und deren Aufnahme in das UNESCO Welterbe. Hierfür war die Erforschung durch die Senckenberg-Stiftung und das Hessische Landesmuseum vorangegangen. Dafür maßgeblich war die hervorragende Qualität der dort gefundenen Fossilien aus dem EOZÄN. Im Jahre 2001ergab eine Forschungsbohrung, dass die Grube vor 48 Millionen Jahren ein Maarkratersee war. Auswirkungen der Maarexplosion reichten bis in eine Tiefe von fast 2000 Meter. Die Grube Messel-Fossilienlagerstätte demonstriert eine vitale und explosive Evolution von Säugetieren, die hauptsächlich im EOZÄN stattfand. Auf keiner anderen Stätte sind die Fossilien in so hervorragender Weise erhalten. Die heutige Grube Messel hat eine Ausdehnung von 800 Metern Durchmesser. Sie ist vulkanischen Ursprungs. Der ursprüngliche Maarvulkansee hatte weder Zu- noch Abflüsse. Regen und Grundwasser füllten ihn auf. Am Boden des Sees bildete sich Faulschlamm, der im Laufe von Jahrmillionen zu Ölschiefer wurde, in dem man die Fossilien fand. Bislang wurden dort Vertreter aller Wirbeltiergrossgruppen sowie Insekten und Pflanzen gefunden. Die bekanntesten Vertreter der Inselfauna sind wohl die beiden frühen urpferdeartigen Funde. Beim Abbau des Ölschiefers wurden, leider viel zu spät, Fossilien entdeckt. Die Fossilienlagerstätte Grube Messel ist eine Stätte, die wie keine andere dazu beiträgt, das EOZÄN zu verstehen, jene Zeit, in der die Säugetiere begannen, sich in allen Landökosystemen auszubreiten. Die Erhaltungsqualität der Fossilien ist außergewöhnlich gut und erlaubt wissenschaftliches Arbeiten auf hohem Qualitätsniveau. Beim Abbau des tiefer gelegenen Ölschiefers wurde bereits 1876 ein Alligatorenskelett gefunden. Die Grube Messel ist ein Tagebau, der ohne die Ölschieferförderung nicht entstanden wäre. Beim Ölschiefer handelt es sich um Versteinerungen einstiger Seeablagerungen. Der See wiederum entstand durch einen Maarausbruch, der zu einer Zeit stattfand, in dem es hier vor Leben nur so wimmelte. Eine Verkettung besonderer Umstände, die uns heute einen großen Schatz bergen lässt. Das Welterbe Grube Messel ist somit nicht nur Fossilienlagerstätte, sondern auch Bergbaugeschichte, Maarvulkan, Ökotop, Forschungsstätte sowie ein Teil eines UNESCO-Global Geoparks. Damals herrschte ein Treibhausklima ohne Eis an den Polen. Federführend für die heutige Forschung ist die Senckenbergstiftung in Frankfurt. In den 1970er Jahren sollte diese wertvolle Grube als Mülldeponie genutzt werden, durch massive Widerstände konnte dies verhindert werden. Nach der Besichtigung der Grube wurde sich zuerst einmal im Bistro des Besucherzentrums gestärkt. In der ständigen Ausstellung Messel, die sich den vielfältigen Themen und dem aktuellen Forschungsbetrieb widmet, gibt es die verschiedensten Fossilien zu sehen. Der Gang durch die Ausstellung ist gleichsam eine Reise durch die Zeit. Neben einer Aufzugfahrt in 433 Meter Tiefe, entdeckte die Gruppe auch Hinweise auf einen nachgestellten See und Algenteppichen auf geschmolzenen und zerrissenen Gesteinen. Auf der Heimfahrt hat der Heimatverein noch einen Besuch in Limburg abgestattet, wo sie schon von weitem der ehrwürdige Dom, St. Georg und St. Nikolaus, eine Schöpfung spätromantischer Baukunst mit seinen sieben Türmen, begrüßt wurden. Angekommen am dem wurden die vielen Details in der Fassade betrachtet. Für eine kurze Zeit kam die Reisegruppe in den Genuss eines Orgelkonzerts, gespielt auf der Klaus-Orgel aus Bonn. Sehenswert sind das frühgotische Rosenfenster von 1230 mit einer Darstellung der vier Evangelisten, Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert, die unter barocker Wandbemalung freigelegt wurden und ein Taufbecken von 1235. Eine große Wandmalerei stellt den Stammbaum Jesu dar. Gerne wurde sich dort an die Krippenausstellung mit dem Stammbaum von Jesu von der Wurzel Jesse angefangen bis hin zur Krippe, die von Kindern der fünften Klasse des Gymnasiums Calvarienberg in Ahrweiler gebastelt wurde, erinnert. Danach war Zeit für einen Bummel durch die sehenswerte Altstadt Limburgs, in der viele gepflegte Fachwerkhäuser zu sehen waren. Nach Kaffee und Kuchen in einem Café ging es wieder in Richtung Heimat. Im Kleinen Museum in Niederbachem, Mehlemer Straße 3, sind in Kürze originale Fossilien aus dem UNESCO Welterbe, welche eine Leihgabe des Senckenberg Museums Frankfurt sind, zu bestaunen.

Pressemitteilung des HeimatvereinsNiederbachem e. V.

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