Vortrag von Monika Grübel im Odendorfer Zehnthaus
Spannende Zeitreise durch die Geschichte der Juden
Swisttal-Odendorf. Im Jahr 321 verfügte der römische Kaiser Konstantin I in einem an die Stadt Köln gerichteten Dekret, dass Juden dort Mitglieder des Stadtrats werden konnten. Dies war der früheste historische Beleg, der von jüdischem Leben in Deutschland zeugt.
Das Jahr 321 war somit auch der Ausgangspunkt des Vortrags von Monika Grübel zur jüdischen Geschichte im Rheinland, den die Judaistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landschaftsverband Rheinland am 29. September im Odendorfer Zehnthaus hielt.
Die Referentin nahm das Publikum anhand von zahlreichen Bildern und Texten von der Spätantike bis zur bürgerlichen Gleichstellung auf eine spannende Zeitreise durch die wechselhafte Geschichte der Juden in Deutschland und speziell im Rheinland mit.
Anschaulich beschrieb sie, wie sich bereits im 10. Und 11. Jahrhundert vor allem in den Bischofsstädten Köln, Mainz und Speyer blühende Gemeinden gebildet hatten, die dann jedoch am Ende des 11. Jahrhunderts durch Kreuzfahrer auf dem Weg zum Heiligen Land als sogenannte Ungläubige angegriffen und ermordet wurden.
Trotz dieser Verfolgungen konnte sich jüdisches Leben im 12. und 13. Jahrhundert vor allem in Köln wieder neu entfalten. Eindrucksvolles Zeugnis hiervon gibt das um 1266 neben der Sakramentskapelle im Kölner Dom aufgestellte steinerne Judenprivileg des Kölner Erzbischofs Engelbert von Falkenburg, das die Rechte der jüdischen Minderheit festschrieb.
Das Blatt wendete sich 1424, als die Juden nach mehreren Pogromen aus Köln ausgewiesen wurden. Bis 1794, dem Einmarsch der Franzosen in die Domstadt, gab es dort keine jüdischen Bürger mehr.
In der Frühen Neuzeit, so Grübel, war jüdisches Leben am Rhein stark von den Vorgaben der Territorialherren und ihren unterschiedlichen Judenordnungen abhängig, die das Recht der Niederlassung, die Berufsausübung, das Entrichten von Schutzgeld sowie Zahlungen für alle Dinge des täglichen Lebens regelten.
Von den Franzosen erhielten die Juden zwar formal die Gleichstellung, aber gesetzlich wurden auch Einschränkungen verfügt, die insbesondere ihre religiöse Autonomie stark beschnitten.
Unter den Preußen, die 1815 die Rheinprovinz erhielten, machte die Emanzipation zunächst nur geringe Fortschritte. Die Juden, so die Referentin, blieben zunächst Bürger 2. Klasse. Die rechtliche Gleichstellung brachte erst im Jahre 1869 die Verfassung des Norddeutschen Bundes, die 1871 auf das ganze Deutsche Reich übertragen wurde.
Monika Grübel ist auch Leiterin des LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen. Und so wundert es nicht, dass sie in ihrem packenden Vortrag neben der rein sachlichen Schilderung der historischen Ereignisse auch auf das Alltagsleben der Menschen einging. Sie führte durch das jüdische Viertel von Köln und durch das Bonner Ghetto. Ebenso beschrieb sie Gemeindeeinrichtungen wie Synagoge und Mikwe (Ritualbad). Anhand von vielen Beispielen erläuterte sie, dass neben den grausamen Verfolgungen durchaus auch das nachbarschaftliche Zusammenleben zur Lebensrealität gehörte.
In der sich anschließenden lebhaften Diskussion beantwortete die Referentin ausführlich die zahlreichen Fragen des Publikums.
