Guido Pringnitz stellt seine Dokumentation zum Treis-Bruttiger Tunnel-Projekt vor
Spannende Zeitreise durch ein dunkles Heimatkapitel
Cochem. Eine Geschichtsstunde der besonderen Art erlebten Besucher und Zuhörer im Kapuzinerkloster in Cochem: Guido Pringnitz, Heimatforscher und Chronist aus Treis, präsentierte im Refektorium die Ergebnisse seiner fast zehnjährigen Recherche rund um das Tunnel-Projekt Treis-Bruttig und das damit verbundene KZ-Außenlager Kochem-Bruttig-Treis.
Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz begrüßte dazu interessierte Bürger und sogar einige Zeitzeugen, die dem gut anderthalbstündigen Vortrag interessiert folgten. Jüngster Teilnehmer war der zwölfjährige Linus Thönnes aus Cochem, der als geschichtsinteressierter Sechstklässler fleißig mitschrieb, was der gelernte Betonbauer Guido Pringnitz aus diversen Archiven, Dokumenten und Gesprächen in jahrelanger Arbeit zusammengetragen hatte. „Ich möchte, dass dieses historische Geschehen nicht in Vergessenheit gerät. Vor allem das Leid der vielen Gefangenen muss der Nachwelt überliefert werden und soll Ansporn dafür sein, dass niemals mehr Kriege und Verfolgung bei uns herrschen“, so der engagierte Treiser Bürger.
Auch Stadtbürgermeister Lambertz erinnerte an die Pflicht, die Heimatgeschichte aufzuarbeiten und der Nachwelt zu erhalten.
Bewegende Tunnelgeschichte
Guido Pringnitz zeichnete mithilfe von Karten, Luftbildaufzeichnungen und historischen Dokumenten die Tunnelgeschichte in seiner 375 Seiten starken Dokumentation auf. Was zunächst als Eisenbahntunnel zwischen Treis und Bruttig vor dem Ersten Weltkrieg angefangen und im Jahre 1923 fertiggestellt wurde, sollte nie seine eigentliche Nutzung erfahren.
Durch den Versailler-Vertrag und fehlende finanziellen Mittel wurde das Bahnprojekt schon früh verworfen und der Tunnel einer zivilen Nutzung zugeführt. Als verkehrsmäßige Abkürzung in Richtung Bruttig, aber auch als Champignonzucht genutzt, erfuhr der 2600 Meter lange Tunnel Ende des Zweiten Weltkrieges eine völlig neue Bestimmung. Unter dem Decknamen „Zeizig“ mussten Hunderte von Zwangsarbeitern und Häftlinge aus dem KZ-Außenlager Kochem-Bruttig-Treis dort für die Wehrmacht eine unterirdische Fabrikationsstätte bauen bzw. ausbauen.
Mehrere Hundert Inhaftierte arbeiteten dort ab 1944 unter erbärmlichen Verhältnissen, damit im letzten Kriegsjahr die Firma Bosch im Tunnel Flugzeug-Zündkerzen der Marke „W240“ produzieren konnte.
Mit eindrucksvollen Zahlen, Fotos und Erklärungen lieferte der Autor der Dokumentation Hintergründe und detaillierte Informationen - untermauert durch Berichte von Augenzeugen. Heute sind die beiden Tunneleingänge gesprengt, eine Begehung nicht mehr möglich und lebensgefährlich.
Lediglich riesige Betonklötze und andere Mauerreste zeugen noch von diesem gigantischen Bauwerk, das im Laufe seiner wechselvollen Geschichte viele Menschenleben gefordert hat. Die Dokumentation ist im Selbstverlag „Treiser Herz“, Guido Pringnitz,, Castorgasse 13 in Treis-Karden, oder im Buchhandel erhältlich.
Autoren-Lesungen
Die nächsten Autoren-Lesungen sind am 4. März, 19 Uhr, in der Synagoge Bruttig und am 18. März, 19 Uhr, in der Alten Knabenschule in Treis.
TT
