Linz war Ziel der Barbarossa-Classics
Spiegelndes Chrom und glänzender Lack auf dem Marktplatz
Linz. „Das ist eine echt schöne Kulisse hier auf dem Linzer Marktplatz. Vielleicht wird Linz auch nächstes Jahr das Ziel unserer Barbarossa-Classics“, sagt Achim Ewenz. Er ist zweiter Vorsitzender des Motorsportclubs (MSC) Sinzig 1960. „Sinzig als Ziel ging dieses Jahr nicht, weil da Kirmes ist“, so Ewenz weiter. Er hat mit dem ersten Vorsitzenden, Steffen Jungbluth, die 150 km lange Strecke von Sinzig nach Linz, durch den Westerwald, über Hachenburg und durchs Wiedtal, ausgearbeitet.
150 Kilometer durch den Westerwald
Jungbluth, mit 30 Jahren jünger als die meisten Young- und Oldtimer, die ab 16 Uhr fast im Zweiminutentakt durch das Ziel fahren, hat zu tun: Er führt Listen und berechnet Punkte. Denn bei der 14. Barbarossa-Classics, die die letzten beiden Jahre wegen Corona und der Ahrflut ausfiel (sonst wäre es die 16. gewesen), geht es nicht nur um Zeit, auch um Präzision.
Zwei Sonderprüfungen mussten auf der Stecke absolviert werden: Möglichst mittig auf einer Linie fahren und – diese Prüfung fand in Linz, kurz vor der Zieleinfahrt statt – wieder möglichst mittig zwischen zwei Pylonen zum Stehen kommen. Hier ging es um Zentimeter, die wurden auch in der Fahrermappe vermerkt. Außerdem mussten in der Fahrermappe die ersten zwei Buchstaben aller Ortsschilder auf der rechten Fahrbahnseite notiert werden. „Die Prüfungen und Aufgaben waren gar nicht das Problem, aber mit nur 32 PS hat unser alter Fiat auf den Westerwälder Bergen ganz schön geschnauft“, sagt Arndt Leibold, Jahrgang 1967, während sich seine Beifahrerin und Ehefrau Marion, Jahrgang 1969, aus dem Wagen steigt, der nicht nur mit passenden Weißwandreifen glänzt. Ihr Fiat 508 C ist Baujahr 1939 und das älteste Fahrzeug der Ausfahrt. Und kaum angekommen, müssen die beiden die Fragen der vielen Zuschauer beantworten. Das machen sie gerne, während sich die Sonne auf dem glänzenden Lack spiegelt.
Hier knallen keine Türen
Das jüngste Fahrzeug ist vermutlich ein ähnlicher Luxus, wie einst der Leibold’sche Fiat Ende der 30er. Erst Baujahr 2006 ist der schwarze Porsche Caymann S. Und es gibt viele weitere Fahrzeuge zu bestaunen. Die Gäste auf dem Marktplatz flanieren durch die Fahrzeugreihen, beäugen ehrfürchtig Fahrzeuglack außen und Lederaustattungen innen. Auch der rote Porsche 924 S von Andreas Bauer und Manuela Briegel wird genau von den Zuschauern inspiziert. Bauer fuhr mit Unterstützung seiner Beifahrerin als erster durchs aufblasbare Zieltor auf dem Marktplatz. „Das war eine tolle, kurvige Strecke“, schwärmt er, während er vorsichtig die Tür seines motorisierten Schätzchens schließt. Ulf Wilke und Beifahrerin Petra Niebuhr fahren nicht nur das zweite Mal mit, sie kommen auch als zweite mit ihrem 79er Mercedes Benz 116 durchs Ziel. Als Dritter folgt Guido Höhn mit seinem Opel Corsa von 1991, er fährt mit seinem Sohn Marvin „und der ist 15 Baujahre jünger mein Auto“, sagt Guido Höhn lachend und schließt die Tür seines Wagens ebenfalls sehr respektvoll.
Ein gutes Ziel für die Barbarossa-Classics
30 Fahrzeuge waren zur Ausfahrt angemeldet, 29 sind in Sinzig gestartet, eines hatte schon vor dem Start Probleme. 28 sind schließlich in Linz angekommen. Einen Ausfall gab es auf der Strecke. Ein Motorschaden verhinderte, dass auch dieses Fahrzeug um etwa 17 Uhr auf dem Marktplatz der bunten Stadt am Rhein ankam. Es musste abgeschleppt werden.
Ziel der Ausfahrt sei es gewesen, die schöne und reizvolle Streckenführung im Kreis gleichgesinnter zu genießen, hieß es in der Ausschreibung des MSC Sinzig. Die strahlenden Gesichter bei der Zieleinfahrt und die Fachgespräche an offenen Fahrzeugtüren und hochgeklappten Motorhauben scheinen das zu bestätigen. Und weil viele Fahrer und Fahrerinnen ihr Fahrzeug vor der beeindruckenden Linzer Marktplatzkulisse fotografierten, scheint es auch nicht unwahrscheinlich, dass das Ziel der 15. Tour im nächsten Jahr wieder Linz wird, obwohl dann vielleicht gar keine Kirmes in der Barbarossa-Stadt Sinzig ist.
Ziel der in Sinzig gestarteten Barbarossa-Classics für Old- und Youngtimer war der Linzer Marktplatz. Fotos: AWi
