Heiße Temperaturen im Stadtrat. Heiße Diskussion über den Spielplatz?
Spielplatz an der Von-Bodelschwingh-Straße: Bürgerinitiative wirbt für den Erhalt eines wichtigen Treffpunkts
Andernach. Der geplante Wegfall des Spielplatzes an der Von-Bodelschwingh-Straße sorgt weiterhin für intensive Diskussionen in den Sozialen Netzwerken. Während die Stadt auf die Schaffung dringend benötigten sozialen Wohnraums setzt, sprechen sich zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner für den Erhalt der bestehenden Spielfläche aus.
Ihrem Unmut machten Vertreter der Bürgerinitiative während der Fragestunde im Rahmen der Sitzung des Andernacher Stadtrates Luft. Dennoch wurde sachlich (und nicht heiß) über das Thema diskutiert. Nach Auffassung der Bürgerinitiative ist der Spielplatz weit mehr als ein Ort zum Spielen. Er sei ein zentraler Treffpunkt für Familien, Kinder und Nachbarn unterschiedlichster Generationen und Herkunft. Gerade in einem Wohngebiet, das sich zunehmend verjünge, erfülle die Anlage eine wichtige soziale Funktion.
Kinder könnten hier sicher miteinander spielen, während Eltern und Großeltern miteinander ins Gespräch kämen. Damit leiste der Platz einen wertvollen Beitrag zu Integration, Inklusion und dem nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Ein weiterer Schwerpunkt der Argumentation betrifft den Umwelt- und Klimaschutz. Die rund 60 Jahre alten Bäume auf dem Gelände spenden an heißen Sommertagen Schatten, verbessern das Mikroklima und bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Nach Ansicht der Befürworter würde eine Bebauung nicht nur den Verlust dieses gewachsenen Baumbestandes bedeuten, sondern auch eine zusätzliche Flächenversiegelung nach sich ziehen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Hitzeperioden und kommunaler Bemühungen zur Begrenzung weiterer Versiegelung erscheine dies aus ihrer Sicht widersprüchlich.
Die Bürgerinitiative betont ausdrücklich, dass sie den sozialen Wohnungsbau grundsätzlich unterstützt. Allerdings müsse dieser aus ihrer Sicht an einem alternativen Standort realisiert werden. Als sinnvoller werden bereits versiegelte Flächen oder leerstehende Gebäude genannt, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne bestehende Grün- und Spielflächen aufzugeben. Für die Befürworter des Spielplatzerhalts steht deshalb fest: Der Erhalt der Anlage bedeutet nicht nur den Schutz eines beliebten Spielplatzes, sondern auch den Erhalt eines gewachsenen sozialen und ökologischen Raumes. Sie appellieren an Politik und Verwaltung, eine Lösung zu finden, die sowohl dem Bedarf an bezahlbarem Wohnraum als auch den Interessen von Familien, Kindern und dem Klimaschutz gerecht wird.
Stimmen nach der Sitzung:
Enttäuscht zeigten sich die Vertreter der Bürgerinitiativen darüber, dass in der Sitzung kein Raum blieb, um über alternative Standorte zu sprechen. Die Initiative verweist hierbei auf Feuerwehrwohnungen in der Moltkestraße, die nach dem Umzug der Feuerwehr leer stehen werden. Pikanterweise hatte die Verwaltung diesen Vorschlag bereits am 30. Oktober 2023 selbst im Planungsausschuss eingebracht, gefolgt von einem Vorschlag des Bürgermeisters Claus Peitz, alten städtischen Gebäudebestand zu sanieren.
Beide Ansätze wurden damals nicht weiterverfolgt – stattdessen wurde die Prüfung einer Bebauung des Spielplatzgeländes beschlossen. „Wir bauen darauf und unterstützen mit aller Kraft, dass alle Beteiligten im Dialog bleiben“, so das Resümee der Bürgerinitiative. „Ziel bleibt es nach wie vor, die grüne Spiel-Oase in der Südstadt zu erhalten, um dem Naturschutz und der Lebensqualität der Menschen im Viertel gerecht zu werden. Der unbestrittene Druck auf die Stadtverwaltung beim sozialen Wohnungsbau kann durch die Prüfung ehemals nicht weiterverfolgter Alternativen gelöst werden.“
Stellungname der Stadtverwaltung Andernach:
Die Stadt Andernach nimmt die Sorgen und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich der Überlegungen zu einer möglichen Wohnbebauung an der Von-Bodelschwingh-Straße ernst. Die aktuelle Diskussion verdeutlicht, dass sowohl der Erhalt von Grünflächen und Bäumen als auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wichtige Anliegen für die Stadtgesellschaft sind.
Die Stadt steht dabei vor der Aufgabe, unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Einerseits besteht ein hoher Bedarf an sozialem Wohnraum, andererseits leisten Grünflächen und ältere Bäume einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität sowie zum Klima- und Hitzeschutz.
Die Überlegungen für eine mögliche Wohnbebauung befinden sich derzeit noch in einem frühen Planungsstadium. Die konkrete Ausgestaltung des Projekts steht daher noch nicht fest. Im weiteren Verfahren werden die unterschiedlichen Belange sorgfältig geprüft und gegeneinander abgewogen. Hierzu zählen insbesondere die Bedürfnisse von Familien und Kindern, die Bedeutung von Grün- und Aufenthaltsflächen sowie die Auswirkungen auf den vorhandenen Baumbestand.
Ziel der Stadt Andernach ist es, eine verantwortungsvolle Lösung zu entwickeln, die sowohl dem Bedarf an bezahlbarem Wohnraum als auch den Anforderungen an Klima-, Umwelt- und Lebensqualität gerecht wird.
Fazit:
Noch ist über die Bebauung an diesem Standort nicht entschieden. Noch sind es erste Planungen. Beide Parteien haben vereinbart, in konstruktiven Gesprächen eine gemeinsame Lösung zu finden. Wie diese aussieht, ist heute allerdings noch nicht abzusehen.
WAM
Die Mitglieder des Andernacher Stadtrates zeigten sich offen für die Gespräche mit der BI. Foto: WAMFO.DE